Wofür stehen Spinne, Schlange und Co.?

Traumdeutung: Die wichtigsten Traumsymbole und ihre Bedeutung

Bis heute ist nicht bestätigt, dass und wie sich Träume deuten lassen. Dennoch glauben viele Menschen dabei an eine Botschaft aus dem Unterbewusstsein. Welche Rolle Spinne, Schlange oder gar der eigene Tod in der Traumdeutung spielen und was hinter weiteren häufigen Traumsymbolen steckt.

Frau schläft und träumt
Träume und damit auch die Traumdeutung sind bis heute nicht vollständig erklärbar.
iStock

In vielen Kulturen und Religionen gelten Träume als Omen oder Visionen. Nicht immer wird dem Traum eine vorhersagende Kraft zugeschrieben, doch zahlreiche Menschen sind zumindest davon überzeugt, dass ihre Träume eine Bedeutung haben. Auch für Forscher sind Träume ein spannendes biologisches Phänomen, welches zu den Grundlagen der Schlafforschung gehört.

Immerhin: Nicht nur der Mensch, sondern die meisten Säugetiere träumen. Laut dem US-Autor David K. Randall ("Im Reich der Träume") legt das nahe, "dass dieses Schlafstadium eine äußerst wichtige Bedeutung hat".

Traumsymbole und wie man sie deutet

Traumdeutung bis heute ungeklärt

Dass Träume aber eine verborgene Botschaft beinhalten oder eine tiefgreifende Interpretation zulassen, ist bis heute nicht nachgewiesen.

Sigmund Freud, Begründer der Psychoanalyse, zumindest war davon überzeugt. Er prägte die Psychologie unter anderem mit seinem Werk "Die Traumdeutung". Darin vertritt Freud die Theorie, dass Träume keine Zufallsereignisse seien, sondern voller Bedeutungen und geheimer Wünsche der Träumenden steckten. Träume seien ein Ventil für die andernfalls überwältigenden Empfindungen aus dem Unterbewusstsein. Mithilfe eines Therapeuten könnten die Traumsymbole interpretiert werden.

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Den Beweis dafür, dass Träume eine tiefere Bedeutung haben, blieb Freud allerdings schuldig. So gibt es zahlreiche Zweifler an Freuds Traumtheorie. Doch auch sie konnten bis heute nicht klären, warum es Träume gibt und welche Funktion sie genau erfüllen.

Keine verborgene Bedeutung der Träume?

G. William Domhoff, Professor für Psychologie an der University of California, vertritt gegenüber dem Buchautor Randall die Meinung, dass die Traumbedeutungen im Grunde offensichtlich sind. Träume steckten voller Bilder und Szenarien, die dem Träumer vertraut sind: "Träumt eine Frau, dass sie über eine Brücke geht, ist es eher der Fall, dass sie auf ihrem täglichen Weg zur Arbeit tatsächlich eine Brücke überqueren muss oder dass sie aus ihrem Fenster zu Hause eine Brücke sehen kann, als dass ihr Gehirn beschlossen hat, ihre Gefühle in Gestalt symbolischer Bilder zu übermitteln", schreibt Randall. Träume seien "Worst-Case-Szenarien, die sichtbar machen, worüber wir tagsüber so nachdenken", beschreibt Randall die These des Psychologen Domhoff. Insofern haben Träume also tatsächlich eine Bedeutung, wenn auch keine verborgene.

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Wissenschaftsautor Stefan Klein ("Träume") bringt beide Ansätze zusammen: "Die Psyche hat mächtige Unterströmungen, die uns tagsüber entgehen, weil wir zu sehr mit äußeren Eindrücken beschäftigt sind. Im Traum aber erleben wir, was uns wirklich bewegt." Demnach chiffrieren Träume nicht geheime Wünsche (wie Freud meinte), sondern sie erschließen sich "unmittelbar und unverschlüsselt über Gefühle". Laut Klein haben Träume damit eine Bedeutung, die man jedoch nur in der Gesamtschau und mit Geduld erkennt.

Über das Gefühl des Traumes klar werden

Sich auf die Gefühle zu konzentrieren, die der Traum vermittelt, riet auch der US-amerikanische Traumexperte Ernest Hartmann, der am Zentrum für Schlafstörungen in Massachusetts forschte und verschiedene Bücher zum Thema veröffentlichte. Er sah den Traum als Ventil für emotionale Energie: Die Seele verknüpft Erlebnisse, die in der Gefühlswelt tiefe Spuren hinterlassen – etwa ein Trauma – mit anderen Ereignissen. So verarbeite die Psyche das Erlebte. Da im Traum die Grenzen der Realität nicht eingehalten werden müssen, produziert das Gehirn oft jene unwirklichen Bilder und Geschichten, die uns über die wahre Bedeutung unseres Traumes rätseln lassen.

Hartmanns Empfehlung nach sollte man sich nicht mit Interpretationen der Handlung aufhalten, sondern sich über das Gefühl, das der Traum vermittelt, klar werden. Menschen, die bestimmte schockierende Erlebnisse hinter sich haben, erleben im Traum oft ähnliche Gefühle wieder – allerdings verknüpft mit anderen Handlungen. Wer seine Gefühle richtig wahrnimmt und sich mit ihnen auseinandersetzt, kann seine Erlebnisse auch im Wachzustand verarbeiten.

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Träume deuten über die Traumsprache

Einen anderen Ansatz verfolgt Pamela Ball: Um sich mit den Inhalten der Träume auseinanderzusetzen, müsse man erst die Traumsprache (wieder) erlernen, schreibt sie. Ball ist unter anderem als Therapeutin mit Schwerpunkt auf Traumdeutung tätig und nähert sich dem Thema von der esoterischen Seite. In ihren Büchern (zum Beispiel "10.000 Träume") bietet sie Interpretationsvorschläge an, die jedoch keine wissenschaftliche Grundlage haben.

Laut Ball ist Träumen "ein selbstreinigender, selbstklärender Prozess, der jede Nacht Platz schafft für die Ereignisse des nächsten Tages".

Im Traum werde die Datenflut, die während des Tages aufgenommen wird, sortiert und archiviert. Außerdem werden jene Informationen, die für den Träumer nötig sind, um erfolgreich in der Welt zu funktionieren, im Traum dargestellt. So schafften Träume den Raum für unbewusste Problemlösung, die durch die dort mögliche Kreativität und Offenheit gefördert werde.

Über die Traumsprache ließen sich Träume interpretieren. Zwar gebe es hier durchaus allgemeine Themen, doch habe jeder Mensch seinen individuellen "Traumdialekt", der auf dessen Erfahrungen beruhe. Daher könne nur die eigene Traumdeutung die einzig gültige sein. Weil die Traumsprache so facettenreich sei, sei es generell immer auch möglich, dass ein Traum mehrere richtige Deutungen gleichzeitig zulässt.

Häufige Traumsymbole und ihre Bedeutung

Ball verwendet in ihren Interpretationsvorschlägen meist drei mögliche Deutungsebenen für Traumsymbole: eine allgemeine, eine psychologische und eine spirituelle.

Spinne

Die Spinne steht für Verschlagenheit, aber auch für das Künstlerische im Träumenden. Aus psychologischer Sicht erschafft die Spinne ein Netz wie ein Mandala, das den Träumenden nährt und schützt. Spirituell gesehen webt sie das Schicksal mit ihrem Körper und symbolisiert daher die Schöpferin.

Schlange

Die Schlange kann Tod, Zerstörung, verkehrtes Leben, aber auch Verjüngung repräsentieren. Im Traum eines Mannes erscheint die Schlange, wenn er die weiblichen Anteile in sich nicht erkannt oder Zweifel an seiner Männlichkeit hat. Bei Frauen deutet sie Ball zufolge darauf hin, dass die Träumerin Angst vor Sexualität hat.

Die Schlange im Traum kann auch den Hinweis geben, dass eine "schlüpfrige" Person oder Situation zu Vorschein kommt, zum Beispiel ein Mensch, dem man nicht trauen oder den der Träumende nicht unter Kontrolle halten kann.

Auf spiritueller Ebene symbolisiert die Schlange Lasterhaftigkeit oder Betrug. Der Ouroboros, die Schlange, die sich selbst in den Schwanz beißt, symbolisiert Vollkommenheit, unendliche Energie und Macht. Er taucht im Traum auf, wenn der Träumende bereit zu spiritueller Selbstgenügsamkeit ist.

Schwangerschaft

Schwangerschaft im Traum deutet auf eine lange Wartezeit hin, bis ein Projekt zum Abschluss kommt. Der Träumende entwickelt einen neuen Bereich seines Potenzials oder seiner Persönlichkeit. Es geht selten um eine tatsächliche Schwangerschaft der Träumenden, kann aber auf eine solche in deren Umfeld hinweisen.

Ist im Traum eine andere Person schwanger, ist der Träumende fähig, den Teil seiner selbst zu beobachten, der neue Fähigkeiten oder Eigenschaften entwickelt. Träumt eine Frau, dass ein Mann schwanger ist, möchte sie, dass dieser Mann Verantwortung in ihrem Leben übernimmt.

Bei der spirituellen Arbeit gibt es immer eine Phase des Schwangergehens. Geduld ist erforderlich, der natürliche Prozess muss abgewartet werden.

Häufige Schlafpositionen und was Sie bedeuten

Tod

Der Tod symbolisiert gemeinhin großes Unglück, kann aber auch für eine Herausforderung stehen. Der eigene Tod im Traum bedeutet laut Ball, dass sich der Träumende mit dem Rückzug von der Herausforderung durch das Leben oder mit der Trennung von Geist und Körper auseinandersetzt.

Aus psychologischer Sicht symbolisiert der Tod im Traum das Ende von bestimmten wichtigen Lebensphasen und den Beginn eines neuen Abschnitts.

Spirituell steht der Tod für Allwissenheit, spirituelle Wiedergeburt, Auferstehung und Wiedereingliederung.

Baby

Das Baby des Träumenden verweist auf verletzbare Gefühle, die er bisher nicht unter Kontrolle hat. Das Kind einer anderen Traumfigur macht den Träumenden auf die Verletzbarkeit und Unschuld dieses Menschen aufmerksam.

Zähne/Zahnausfall

Zähne im Traum stehen in Verbindung mit dem Wachstumsprozess zur sexuellen Reife. Ausfallende, lockere Zähne deuten auf eine Form des Übergangs hin. Fürchtet der Träumende, ihm könnten die Zähne ausfallen, geht es um die Angst, nicht mehr begehrenswert zu sein. Träumt eine Frau, Zähne zu verschlucken, kann das eine Schwangerschaft symbolisieren.

Verfolgung

Verfolgt zu werden oder Fluchtversuche gehören zu den häufigsten Traumgeschehen. Der Träumende versucht, einer Verantwortung oder einem Versagensgefühl, Ängsten oder anderen Emotionen zu entkommen. Von einem Tier verfolgt zu werden, kann darauf hindeuten, mit seiner Leidenschaft nicht im Einklang zu sein.

Flugzeug

Flugzeuge können plötzliche oder dramatische Veränderungen im Leben repräsentieren. Ein startendes Flugzeug steht für einen Sprung ins Ungewisse und das Eingehen von Risiken. Ein landendes Flugzeug deutet auf den Erfolg einer neuen Unternehmung oder den Ertrag eines kalkulierten Risikos hin.

Ein Flugzeug im Traum symbolisiert die Suche nach Unabhängigkeit oder bedeutet eine spirituelle Reise.

Haare

Haare repräsentieren Stärke und Potenz. Kämmt sich der Träumende die Haare, versucht er, eine bestimmte persönliche Einstellung aufzulösen. Werden ihm die Haare geschnitten, versucht er, Ordnung in sein Leben zu bringen. Schneidet er einem anderen die Haare, steckt er seine Aktivitäten zurück. Ist der Träumende im Traum kahlköpfig, weiß er um seine eigene Intelligenz.

Die 18 größten Schlafmythen

Autor:
Letzte Aktualisierung: 15. April 2016
Quellen: David K. Randall: Im Reich der Träume. Die rätselhafte Welt des Schlafes. Springer Spektrum, 2012; Pamela Ball: 10.000 Träume. Traumsymbole und ihre Bedeutung von A bis Z. Goldmann, 2007; Stefan Klein: Träume. Eine Reise in unsere innere Wirklichkeit. S. Fischer, 2015

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