Schlafstörungen bei (Klein-)Kindern: Was hilft?

Schlafstörungen bei Kindern oder Kleinkindern können sowohl aufgrund von Krankheiten auftreten als auch psychische Ursachen haben. Erfahren Sie hier alles zum Thema.

Schlafstörungen/krankes Kind
Rituale erleichtern das Einschlafen, wenn ein Kind an Schlafstörungen leidet.
iStock

Schlafstörungen bei Kindern können sowohl aufgrund von Krankheiten auftreten als auch psychische Ursachen haben. Meist sind zeitweise auftretende Schlafstörungen bei Kindern kein Grund zur Besorgnis.

Wie Schlaf der Gesundheit nützt

Treten sie jedoch dauerhaft oder massiv auf, ist es ratsam, einen Kinderarzt aufzusuchen. Medikamente gegen kindliche Schlafstörungen kommen allerdings nur ausnahmsweise und in schweren Fällen zum Einsatz.

Im Vorschulalter treten Schlafstörungen bei Kindern am häufigsten auf; sie können bis in die Pubertät hinein vorkommen, werden dann aber statistisch gesehen seltener.

Wie lange sollte mein Kind schlafen?

Das Schlafbedürfnis von Kleinkindern ist mit etwa 16 Stunden täglich relativ hoch. Mit zunehmendem Alter brauchen Kinder immer weniger Schlaf: So benötigen Kinder im sechsten Lebensjahr durchschnittlich etwa zehn Stunden Schlaf täglich.

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Berliner Morgenpost/ber

So äußern sich Schlafstörungen bei Kindern

Je nach Art der Schlafstörung zeigen sich bei dem Kind unterschiedliche Symptome.

 Einschlafstörungen sind vor allem dadurch gekennzeichnet, dass die Kinder trotz regelmäßiger Schlafenszeiten und Rituale vor dem Einschlafen nicht oder nur schwer einschlafen. Bei Durchschlafstörungen wachen die Kinder nachts immer wieder auf, häufig aufgrund von Albträumen.

Pavor nocturnus

Pavor nocturnus tritt meist noch vor Mitternacht, im ersten Drittel des Schlafs, auf. Dabei wachen die Kinder schreckhaft auf, sind ängstlich und häufig auch panisch. Genau genommen zählt Pavor nocturnus deshalb zu den Angststörungen.

Schlafwandeln bei Kindern

Das Schlafwandeln tritt erst im Tiefschlaf auf. Dabei kommt es zu Handlungen, die völlig unterschiedlich ablaufen können. Kinder stehen meist aus dem Bett auf und laufen in der Wohnung herum, verrücken Dinge oder Ähnliches. Eine Gemeinsamkeit haben alle Schlafwandler: Sie können sich hinterher an nichts erinnern (Amnesie). Beim Schlafwandeln kann es außerdem zu riskantem Verhalten des Kindes beziehungsweise zu Verletzungen kommen.

Was steckt dahinter? Ursachen von Schlafstörungen bei Kindern

Schlafstörungen bei Kindern lassen sich grundsätzlich in Einschlafstörungen und Durchschlafstörungen unterteilen.

Parasomnien sind eine besondere Form von Schlafstörungen: Dabei handelt es sich eigentlich um Angststörungen, die sich in Schlafstörungen äußern.

Unbearbeitete, psychische Konflikte sind die häufigsten Gründe für Ein- und Durchschlafstörungen. Auch Ereignisse, die – im positiven oder negativen Sinne – als besonders aufreibend empfunden wurden, können Probleme beim Einschlafen verursachen. Ein zusätzlicher Grund für Einschlafstörungen ist ein zu langer Nachtschlaf. Wenn Kinder morgens zu lange ausschlafen, kann es vorkommen, dass sie abends zur Schlafenszeit nicht ausreichend ermüdet sind.

Wie wird man das Schlafapnoe-Syndrom los?

Lifeline/Dr. Heart

Ursachen von Parasomnien bei Kindern

Parasomnien sind gekennzeichnet durch Störungen beim Aufwachen. Bei Kindern treten oftmals Pavor nocturnus auf: das nächtliche, plötzliche Aufschrecken aus dem Schlaf oder das Schlafwandeln (Somnambulismus), also das Verrichten von Tätigkeiten während des Tiefschlafs.

Die genauen Ursachen von Parasomnien sind bislang nicht eindeutig geklärt. Als Auslöser wird ein gestörtes Verhältnis im Schlaf-Wach-Rhythmus diskutiert. Bei Kindern wird das mit einer verzögerten Hirnreife erklärt, die sich im Laufe der Jahre wieder gibt.

Chronische Erkrankungen als Ursache

Es kann auch vorkommen, dass chronische beziehungsweise schmerzhafte Erkrankungen als Ursache für Schlafstörungen bei Kindern infrage kommen. Diese Erkrankungen sind häufig dafür verantwortlich:

Diagnose und Schweregrade der kindlichen Insomnie

Bei der Diagnose von Schlafstörungen bei Kindern kommt es vor allem auf die Beobachtungen der Eltern (bei jüngeren Kindern) und der Kinder selbst an.

Deshalb beginnt die Diagnose mit einem eingehenden Gespräch mit dem Arzt (Anamnese), der dabei nach Schlafgewohnheiten, Abendritualen, Stimmung innerhalb der Familie und vielem mehr fragt. Nur so können eventuelle psychische Belastungen als Ursache erkannt werden.

Um Krankheiten als Ursache auszuschließen, folgt eine körperliche Untersuchung. Um Störungen im Gehirn auszuschließen, ist ein EEG sinnvoll, besonders, wenn keine andere Ursache für die Schlafstörungen gefunden werden kann.

Alle Schlafstörungen bei Kindern kommen in unterschiedlichen Schweregraden vor. Eine Einteilung nach der Diagnose ist sinnvoll, um die richtige Therapie zu finden. Gemäß internationaler Klassifikation werden die genannten Schlafstörungen wie folgt eingeteilt:

Unterteilung der Ein- und Durchschlafstörungen:

  • leicht: sporadisch, es kommt nur zu einer leichten Beeinträchtigung des Wohlbefindens und des Alltags
  • mittel: täglich, die allgemeine Beeinträchtigung durch die Schlafstörungen nimmt zu
  • schwer: täglich, starke Beeinträchtigung

Pavor nocturnus:

  • leicht: bis zu einmal pro Monat
  • mittel: bis zu einmal pro Woche
  • schwer: fast jede Nacht

Schlafwandeln:

  • leicht: bis zu einmal pro Monat, keine Verletzungen
  • mittel: öfter als ein Mal pro Monat, keine Verletzungen
  • schwer: fast jede Nacht und/oder mit Verletzungen

Therapie: Was tun, wenn das Kind keinen Schlaf findet?

Die Behandlung kindlicher Schlafstörungen richtet sich nach Art, Schwere und Ursache.

Wenn chronische Krankheiten der Grund für die Schlafstörungen bei Kindern sind, wird die zugrundeliegende Krankheit behandelt – normalerweise geben sich die Probleme dann von allein.

Behandlung von Schlafstörungen mit psychischen Ursachen

Sind psychische Belastungen der Grund für Schlafstörungen bei Kindern, so ist unter Umständen die Zusammenarbeit mit einem Kinderpsychologen sinnvoll. Das gilt vor allem für Depressionen, die auch bei Kindern vorkommen. Probleme in der familiären Umgebung lassen sich gut mit einer Familientherapie in den Griff bekommen, wenn alle Beteiligten daran arbeiten wollen. Im Vordergrund steht dabei, emotionale Belastungen für das Kind abzubauen. Medikamente spielen eher eine untergeordnete Rolle bei der Behandlung von kindlichen Schlafstörungen.

Abendrituale erleichtern das Einschlafen

Können Kinder abends nicht abschalten, ist es ratsam, regelmäßige Abendrituale gemeinsam zu entwickeln und einzuhalten. Empfehlenswert sind:

  • ein regelmäßiger Rhythmus mit festen Schlafenszeiten
  • gemeinsame Zeit vor dem Zubettgehen
  • abends gemeinsam die Ereignisse des Tages zu bereden
  • ruhige Aktivitäten in den Abendstunden, zum Beispiel (Vor-)Lesen, Kuscheln
  • Verzicht auf aufreibende Aktivitäten wie Toben, Computerspielen, Fernsehen und Spielen mit Tablet oder Smartphone
  • nicht zu spät zu Abend essen bzw. das Kleinkind füttern

Verlauf: Schlafstörungen bei Kindern meist nur vorübergehend

In den meisten Fällen wachsen sich Schlafstörungen bei Kindern aus – mit Beginn und Fortschreiten der Pubertät kommen sie zunehmend seltener vor.

Wichtig ist dabei, organische Ursachen zu erkennen und zu beheben. Es ist immer ratsam, psychischen Belastungen von Kindern entgegenzuwirken.

Schlafwandelnde Kinder sollten möglichst nicht aus den Augen gelassen werden, da die Verletzungsgefahr während des Schlafwandelns besonders bei Kindern sehr hoch ist.

Schlafstörungen bei Kindern mit Schlafhygiene vorbeugen

Die erwähnten Abendrituale können Kindern grundsätzlich helfen, einen festen Rhythmus bei den Schlafenszeiten zu finden.

Es ist dabei sinnvoll, gemeinsam mit den Kindern die Abläufe zu definieren. In den meisten Fällen legen sich die Schlafstörungen dadurch nach einiger Zeit von alleine und bedürfen keiner Therapie.

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