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Mundgesundheit beginnt im Kopf

Wie motiviert man als Zahnarzt Patienten zur Prophylaxe?

Auf dem Weg zu einem schönen und gesunden Gebiss und zum Erhalt der eigenen Zähne ein Leben lang gilt die Prophylaxe als unbestritten wirksame Maßnahme. Um dies dem Patienten überzeugend zu vermitteln, sind ein gewisses Motivationsgeschick und eine stringente Gesprächsführung von Nutzen.

Der Zustand der Mundhöhle beeinflusst das allgemeine Wohlbefinden in großem Maße. Neben der Nahrungsaufnahme und der Kommunikation benötigen wir den Mund auch zum Ausdruck von Gefühlen. Gute Zähne verleihen außerdem ein gesundes Aussehen und sind natürlicher Körperschmuck.

Trotzdem ist das Bewusstsein für Mundgesundheit in der Bevölkerung gering. Und obwohl ganzheitliche Ansätze auch in der Zahnarztpraxis zunehmend die Behandlung bestimmen, ist die Prävention auch dort noch immer ein Stiefkind, verglichen etwa mit der herkömmlichen, symptombezogenen Behandlung bereits bestehender Schäden. Dabei ist es in kaum einem anderen Bereich der Medizin wie in der Zahnheilkunde möglich, mit vergleichsweise geringem Aufwand Erkrankungen zu vermeiden, frühzeitig zu erkennen und eine Verschlimmerung zu verhindern.

Paradigmenwechsel hin zur Prävention

Die Prophylaxe als tragende Säule einer erfolgreichen Präventionsstrategie ist unumstritten. Als ihre sechs Grundsäulen gelten: Gesunde Ernährung, regelmäßige häusliche Mundhygiene, Härtung des Zahnschmelzes mittels Fluoridierung, regelmäßige Kontrolltermine beim Zahnarzt, professionelle Zahnreinigung (PZR) und in einigen Fällen auch die Kieferorthopädie. Viele Praxen bieten derzeit bereits Prophylaxe an, jedoch nutzt bislang nur ein geringer Teil der Patienten diese Möglichkeiten. Aus diesem Grund ist bereits 2001 von der BZÄK in fachlicher Kooperation mit der Firma Colgate das Ziel verfolgt worden, den Bekanntheitsgrad vor allem der PZR in der Bevölkerung zu erhöhen, die Zahnärzteschaft für ein überzeugendes präventives Konzept zu sensibilisieren und damit auf ein (mund)gesundheitsbewussteres Verhalten der Bevölkerung hinzuwirken.

Mundgesundheitsbewusstsein der Patienten gefordert

Denn der Paradigmenwechsel mit der Abkehr von der hauptsächlich kurativen hin zur präventiven Zahnheilkunde fordert nicht nur die Zahnärzte. Auch die Patienten sind gefragt: Sie müssen lernen, für den Zustand ihrer Mundgesundheit Verantwortung zu tragen, denn die besten Ideen und Konzepte der Zahnärzte nutzen nichts, wenn sie nicht von den Patienten verwirklicht werden. Diesen Gedanken der Prävention als Gemeinschaftsaufgabe aller Beteiligten im Gesundheitswesen unterstützt auch die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) mit ihrem Konzept „Prophylaxe ein Leben lang".

Wichtig: "Oral self care"

Grundlegend für den Prophylaxegedanken ist dabei der „oral self care"- Ansatz in Abgrenzung zur reinen „professional care". Der Patient soll befähigt werden, weitestgehend selbst Verantwortung für seine Vorsorge zu übernehmen. Denn alle Prophylaxemaßnahmen, die nicht auf eigenverantwortlicher Mitarbeit und Eigeninteresse des Patienten fußen, sind auf Dauer ineffektiv und verleiten lediglich zu einer passiven Versorgungsmentalität. Für die Zahnarztpraxis ist folglich ein Mischkonzept zwischen soviel „oral self care" wie möglich und so wenig „professional care" wie nötig am erfolgversprechendsten.

Prophylaxe gilt nach wie vor als Luxus - Aufklärung und Motivation sind gefragt

Der breiten Palette an Präventionsmaßnahmen in vielen Praxen stehen leider oft wenige interessierte Patienten gegenüber. Das mag einerseits an der weitgehend fehlenden Kostenerstattung durch die gesetzlichen Krankenkassen liegen, was zur Folge hat, dass im Denken der Patienten die Prophylaxe nach wie vor unter „Luxusmaßnahmen" rangiert. Sicherlich spielt hier aber auch das fehlende Wissen über die Bedeutung und die Möglichkeiten von Prophylaxemaßnahmen eine große Rolle. Intensive Aufklärung und Motivation macht deshalb Sinn und ist grundlegende Voraussetzung für erfolgreiche Prävention und das „Verkaufen" der Privatleistung Prophylaxe. Das Gespräch mit dem Patienten ist dabei die wichtigste Maßnahme, um ihn für eine nachhaltige Betreuung zu gewinnen. Der Patient verändert seine Verhaltensweisen nur dann, wenn er Nutzen und Gewinn für sich einsieht. Gefragt von Seiten des Zahnarztes sind dabei vor allem: Kompetenz in Gesprächs- und Patientenführung, ein verständlich formuliertes Konzept, Einfühlungsvermögen in die individuellen Bedürfnisse des Patienten sowie ein gewisses Motivationsgeschick. Es soll vermittelt werden: Mundgesundheit ist ein wesentlicher Bestandteil der Allgemeingesundheit ... und beginnt im Kopf!

Klare Systematik

Empfehlungen von Scherpf (2001) zufolge ist es dazu sinnvoll, zunächst in einer ausführlichen, an die genaue Befunderhebung anschließenden Unterredung mit dem Patienten die Fakten über seinen Gebisszustand darzulegen, ihm das Risiko weiterer Erkrankungen und gesicherte Möglichkeiten zu deren Vermeidung nahe zu bringen. Wenn sich dadurch erkennbar das Gesundheitsbewusstsein und die Selbstverantwortung des Patienten positiv ändern, wird sich auch Erfolg mit Prophylaxe einstellen.

Dem Patienten sollte mit strikter Systematik klargemacht werden: Gesunde Zähne sind ein Leben lang möglich. Karies und Parodontitis sind Krankheiten, die das Erreichen dieses Ziels verhindern. Beide werden durch bakteriellen Zahnbelag (Plaque) verursacht. Eine Behandlung bereits vorhandener Schäden mit Füllungen, Kronen, Prothesen etc. bzw. eine Zahnfleischbehandlung kann nur dann sinnvoll sein, wenn es gelingt, den bakteriellen Zahnbelag zu beseitigen und seine Neubildung zu verhindern. Diese Reduzierung des Anteils krankheitserregender Keime in der Mundhöhle ist durch Prophylaxe zu erreichen. Darunter versteht man im weitesten Sinne ein langfristig angelegtes abgestimmtes Konzept von gezielter individueller Mundhygiene durch den Patienten, unterstützt durch regelmäßige professionelle Zahnreinigungen und der Schaffung hygienefähiger Bedingungen durch den Zahnarzt. Prophylaxe kann auch allgemeine Krankheitsrisiken reduzieren, denn die Plaque ist nicht nur lokaler oraler Reiz, sondern hat auch Einfluss auf die Allgemeingesundheit (Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Lungenentzündung, Frühgeburt, etc.).

Motivationswandel beachten

Es hat sich gezeigt, dass im ersten Behandlungsjahr unterschiedliche Gründe Patienten zur regelmäßigen Prophylaxe motivieren: Ein Großteil ist von rationalen Gründen bewegt, möchte Karies und Parodontitis vorbeugen. Ein geringerer Anteil wird von emotionalen Gründen geleitet, allen voran dem Wunsch nach schöneren, sauberen, weißen Zähnen. Nach einem Jahr drehen sich interessanterweise diese Verhältnisse um, und es kommt zu einem Motivationswandel: Die Mehrzahl der Patienten kommt aus Gründen der Ästhetik und des Wohlfühlens zur Prophylaxe (emotionale Gründe), wogegen der rationale Gedanke der Erkrankungsvorbeugung in den Hintergrund tritt. Als praktische Konsequenzen für die Patientenansprache ergibt sich somit: Innerhalb des ersten Jahres der Therapie lassen sich die Patienten vermehrt mit rationalen Gründen motivieren (gesundheitliche Aspekte), hier sind im aufklärenden Gespräch vor allem die medizinischen Fakten gefragt. Danach zeigt eine emotionale Ansprache (z.B. ästhetische Aspekte) die besseren Erfolge, um die Patienten „bei der Stange zu halten": Vor allem der Belohnungsaspekt („Ich gönne mir etwas Gutes") tritt zunehmend in den Vordergrund. In diesem Zusammenhang findet sich auch der Begriff der „Oral Wellness" als Motivationsstrategie für Prophylaxe. Dabei werden die Präventivmaßnahmen mit bestimmten Massage- und Entspannungstechniken kombiniert. Der Zahnarztbesuch und die langjährige Einbindung in Prophylaxeprogramme werden so zu einem positiv belegten Ereignis für den Patienten.


Quelle: Oral Wellness – Patientenmotivation durch Prophylaxe; zm 6 (2003), p. 106 ff; Schneller T.: Die Kunst der Motivierung; zm 12 (2001), p. 46 ff; Ziller S., Oesterreich D.: Ein effektives Mundhygiene-Intensivprogramm; zm 7 (2001), p. 1546-8;
Autor: Springer Medizin
Stand: Jun 13, 2007


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