altes Paar beim ausgelassenen Tanz

Zahnhygiene bei älteren Menschen

Welche Hilfsmittel sind sinnvoll?

Gerade ältere Patienten sind sich ihrer schlechten Mundgesundheit oft nicht bewusst. Eingeschränkte motorische Fähigkeiten und auch das vermehrte Auftreten vitaler Probleme bewirken eine Verdrängungsreaktion. Durch gezielte Betreuungsprogramme lässt sich eine signifikante Verbesserung der oralen Situation erreichen.

Funktionseinschränkungen durch Altersprozesse setzen bereits mit dem 35. Lebensjahr ein. Dabei erfolgt der Verlauf fortschreitend. Je nach Allgemeinzustand, sozialem Umfeld und körperlicher Fitness verläuft der Alterungsprozess mal schneller oder langsamer. Dabei bilden sich nicht nur die Muskeln des Halte- und Bewegungsapparates zurück, sondern gleichermaßen auch die Kau- und Gesichtsmuskulatur. Gerade im hohen Alter lässt auch die Wahrnehmungsfähigkeit nach. Eine Sensibilisierung und Unterstützung der Patienten für die orale Mundhygiene ist notwendig und sollte durch geschultes Personal oder den Behandler erfolgen.

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Häufige Erkrankungen im Alter

Mit zunehmendem Alter steigt auch das Risiko, dass Allgemeinerkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Herz- Kreislauferkrankungen, rheumatische Erkrankungen und/oder Anämien durch Mangelernährungen auftreten. Daneben erhöht sich auch die Wahrscheinlichkeit für orale Schleimhautveränderungen, Mundtrockenheit, Zahnhalskaries sowie entzündliche Parodontoseerkrankungen. In der Regel werden die Allgemeinerkrankungen aufgrund ihrer existenziellen Auswirkungen vom Patienten durchaus wahrgenommen und es besteht eine Behandlungsbereitwilligkeit. Die orale Befindlichkeit wird jedoch trotz offensichtlicher Probleme häufig subjektiv als zufriedenstellend angegeben. Betreuungspersonal und/oder Zahnarzt sind dabei gefordert, wieder die notwendige Einsicht und Mitarbeit der betroffenen Patienten herzustellen. Wie Studien zeigen, ist dies bei konsequenter Strategie innerhalb weniger Monate möglich. Neben dem Gebrauch von pflegerischen Hilfsmitteln ist auch eine zahnfreundliche Ernährung zu vermitteln (Nitschke et al., 2000).

Elektrische Zahnbürste sinnvoll

Aufgrund der eingeschränkten Feinmotorik stellen elektrische Zahnbürsten eine ausgezeichnete Hilfe für ältere Patienten dar. Die Putzbewegungen werden von der Bürste durchgeführt. Der Patient wird in der korrekten Haltung unterwiesen und kann diese zu Hause selbstständig durchführen. Sie stellt auch eine Erleichterung für das Pflegepersonal in Seniorenheimen dar. Eine Handzahnbürste kann mit einem Tennisball so gestaltet werden, dass der Patient gut zugreifen kann. Kleine zierliche Handgriffe sind für ältere Patienten häufig ungeeignet (Priehn–Küpper, S et al.: Wenn die Zähne in die Jahre kommen. Zahnärztliche Mitteilungen (2002); 16: 28 ff). Gleiches gilt für Zahnseide. Der Gebrauch wird zum Teil bereits von jungen Patienten abgelehnt. Bei älteren Patienten kann die Handhabung derselben nicht unbedingt erwartet werden. Bürstchen für die Zahnzwischenräume bieten sich eher an. Dabei können die langen (zahnbürstenähnlichen) Griffe oder die kleinen aber handlichen Griffe gut genutzt werden. Auch Zahnbürsten, die sich für die Zahnpflege bei Behinderten eignen, können oder sollten sogar benutzt werden. Patienten mit Handicap sind ebenfalls häufig motorisch eingeschränkt. Entsprechend konstruierte Zahnbürsten können auch bei Senioren hilfreich sein. Dazu zählt u. a. die Dreikopfzahnbürste. Eine eingeschränkte Zahn- und Mundpflege ist immer noch besser als gar keine.

Chemische Plaque- und Bakterienkontrolle?

Als weitere Hilfsmittel sollten Spüllösungen oder Gele eingesetzt werden. In erster Linie ist dabei das Chlorhexidin (CHX) zu nennen. Seine antibakterielle Wirkung wird von keinem anderen angebotenen Wirkstoff übertroffen. Es stellt nach wie vor das Mittel der Wahl dar. Zur Langzeitanwendung kann es in der Konzentration =<0,1% verwendet werden. Mittlerweile werden auch alkoholfreie CHX–Lösungen angeboten. Regelmäßige Touchierungen mit CHX–Gelen führen auch zur oralen Keimreduzierung. Fluoridhaltige Mundspüllösungen können ebenfalls problemlos in die tägliche Mundhygiene integriert werden (Davies, RM et al.: The rational use of oral care products in the elderly. Clin Oral Invest (2004); 8: 2–5). Als Quelle möglicher oraler Keimbesiedelung ist der Zahnersatz in die Pflege unbedingt einzubeziehen. Neben der mechanischen Reinigung mit einer Handbürste sollte auch in regelmäßigen Abständen eine labortechnische Reinigung erfolgen. Wird zusätzlich noch auf eine zahnfreundliche Ernährung geachtet, kann sich auch der motorisch eingeschränkte Patient bei regelmäßiger zahnärztlicher Betreuung seine orale Gesundheit bis ins hohe Alter erhalten.


Quelle: Nitschke, I. et al.: Zahnmedizinische Grundlagen zur geriatrischen Rehabilitation – eine Einführung in die Alterszahnmedizin. Z Gerontol Geriat (2000); 33(1): 45–49
Autor: Springer Medizin
Stand: Jun 13, 2007


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