
Zahnpflege bei älteren Patienten
Mechanische Plaqueentfernung ist wirkungsvoller als chemische
Der häufig stark eingeschränkten Mundhygienefähigkeit älterer Patienten ist am effektivsten mit unterstützter mechanischer Plaqueentfernung beizukommen. Chlorhexidinlack als chemisches Hilfsmittel konnte in einer aktuellen spanischen Untersuchung nicht die gewünschte Wirkung bei der Plaque- und Entzündungskontrolle aufweisen.
Dank verbesserter Prävention behalten Patienten heutzutage oft viele ihrer Zähne bis ins hohe Lebensalter. Häufig sinkt mit zunehmendem Alter jedoch die Fähigkeit zur eigenständigen effizienten Mundhygiene rapide. Als Alternative zur mechanischen Plaqueentfernung gewinnen daher chemische Hilfsmittel zur Plaquekontrolle bei der geriatrischen Klientel zunehmend an Bedeutung. Chlorhexidin in Form von Spülungen oder Lacken hat sich bei älteren Patienten bereits in einigen Untersuchungen als effektiv erwiesen. Diese Untersuchungen beschäftigten sich jedoch hauptsächlich mit den Kurzzeiteffekten einer Chlorhexidinanwendung.
Eine aktuelle Studie der Universität Granada, Spanien hat nun die Langzeitwirkung von Chlorhexidinlack analysiert. Hauptintention der Forscher war es herauszufinden, inwieweit die dreimonatliche Applikation eines Chlorhexidin-Thymol-Lackes (Cervitec®) eine effektive Ergänzung der täglichen Mundhygiene bei geriatrischen Patienten in Pflegeheimen darstellt und sich Plaque und Zahnfleischentzündungen durch die Lackapplikation verringern lassen.
An der über sechs Monate angelegten klinischen Studie nahmen 56 Bewohner eines spanischen Altenheims teil. Die Probanden waren alle über 65 Jahre alt, besaßen noch mindestens sechs Zähne, hatten keine ernsthaften Allgemeinerkrankungen und nahmen keine Antibiotika ein. Einen Monat vor Studienbeginn erhielten alle Patienten ein komplettes Skaling mit Wurzelglättung, um hinsichtlich der Plaqueakkumulation gleiche Ausgangsbedingungen zu schaffen. Die Hälfte der Population wurde dann mit Cervitec® behandelt, zweimal innerhalb der ersten Woche und anschließend in ein-, drei- und sechsmonatigem Abstand. Die restlichen Probanden erhielten zeitgleich ein Placebo. Die Zuteilung zur Cervitec®- oder Placebogruppe erfolgte doppelblind. Zur Messung des Behandlungserfolges wurde jeweils der Plaque- und Gingival-Index erhoben.
Mechanische Entfernung bleibt wichtigster Teil der Plaque-Bekämpfung
Ein signifikanter langfristiger Rückgang von Plaque oder Zahnfleischentzündungen durch die Chlorhexidinlack-Anwendung konnte anhand der Stichprobe nicht nachgewiesen werden. Die Wissenschaftler folgern aus diesem Ergebnis, dass bei geriatrischen Patienten die Anwendung chemisch-unterstützender Mundhygienemittel jeweils nur kurzzeitige Erfolge bringt. Auf lange Sicht komme nach wie vor der mechanischen Plaqueentfernung die größte Bedeutung zu. Hier sei vor allem das Pflegepersonal in den Altenwohneinrichtungen gefordert.






