zahnbuerste3

Geistig behinderte Menschen

Mundgesundheit ist in vielen Fällen erschwert

Die Mundgesundheit geistig behinderter Patienten wird vielfach erschwert durch eingeschränkte motorische und kognitive Fähigkeiten. Eine große Bedeutung kommt daher der Aufklärung von Angehörigen und/oder unmittelbaren Betreuungspersonen zu.

Die Bandbreite unterschiedlicher Krankheitsbilder bei geistig behinderten Patienten ist groß. Neben genetischen Fehlbildungen mit bekannten Syndromen (z. B. Down Syndrom) können Einschränkungen mit unterschiedlichen z. T. vom Arzt bedingten Ursachen beobachtet werden. Mit einigen Krankheitsbildern können orale Veränderungen einhergehen: Ein Beispiel stellt die muskuläre Unterentwicklung beim Down Syndrom dar. Mit speziell angefertigten Platten kann die Mobilität der Muskulatur aber gefördert und unterstützt werden. So kann ein aktiver Lippenschluss erreicht werden. Ähnliches gilt für das Prader–Willi–Syndrom. Auch hier liegt eine muskuläre Unterfunktion vor. Eine gezielte, frühzeitige Förderung ist jedoch möglich. Einhergehend findet man zusätzlich noch Schmelzfehlbildungen. Bei bekannter Sachlage kann bereits in jungen Jahren ein strenges Recall durchgeführt werden, um möglichst weitere Schäden zu vermeiden.

Anzeige

Zahnverlust häufiger als beim Gesunden?

In einer schwedischen Untersuchung wurde der Zahnverlust bei geistig behinderten Patienten über einen Zeitraum von 8,5 Jahren untersucht. Der Durchschnitt lag bei 1,8 Zähnen. Erwartungsgemäß verloren Patienten mit schlechter Kooperation vergleichsweise mehr Zähne. Patienten mit schwerer Beeinträchtigung wiesen interessanterweise eine geringere Häufigkeit für Karies auf, wobei die Häufigkeit für Karies im Seitenzahnbereich grundsätzlich höher war als im Frontzahnbereich. Die meisten Zähne im Frontzahnbereich gehen durch Periodontitis verloren. Als Fazit kann festgestellt werden, dass der häufigste Grund für Zahnverlust bei Behinderten generell die Periodontitis ist (57%). Karies, die zur Extraktion führt, tritt nur mit einer Häufigkeit von etwa 37% auf Diese Ergebnisse weisen deutlich auf die Dringlichkeit der zusätzlichen professionellen Zahnreinigung bei dieser Patientengruppe hin.

Mundhygiene muss zusätzlich unterstützt werden

Neben der mangelnden Mitarbeit der Patienten ist die eingeschränkte Motorik ein häufiger Grund für eine unzureichende Mundhygiene. Aus diesem Grund sollten neben geeigneten Pflegemitteln auch regelmäßige Zahnreinigungen in der Praxis durchgeführt werden. Als Hilfsmittel eignen sich besonders Zahnbürsten mit breitem Griff (Tennisballtrick) oder die Dreikopfzahnbürste. Regelmäßige Anwendung von Mundspüllösungen (Chlorhexamed oder Chlorhexidingel) bewirken eine orale Keimreduzierung. Fluoridapplikationen zur Kariesprophylaxe sollten regelmäßig in der Praxis durchgeführt werden. Zur Prophylaxe sind in der Regel vierteljährliche Recallsitzungen erforderlich. Ohne eine zusätzliche Instruktion der häuslichen Betreuer lässt sich eine effektive Mundhygiene nicht erreichen. Auch die Aufklärung über ernährungsbedingte Schäden sollte durch das Praxispersonal erfolgen. Eine Umstellung auf zuckerreduzierte Zwischenmahlzeiten ist normalerweise problemlos möglich. Gleiches gilt für die Auswahl der Lebensmittel. Zu empfehlen sind viel Obst und Gemüse, Vollkornprodukte, wenig Fruchtsäfte und keine kohlensäurehaltigen Getränke.

Implantate bei geistig behinderten Patienten?

Neben dem Erhalt der eigenen Zähne ist die prothetische Rehabilitation der Patienten nicht immer ganz einfach. Trotz erschwerter Mitarbeit sind zunächst die gleichen funktionellen Maßstäbe anzulegen wie bei nichtbehinderten Patienten. Eine umfangreiche Behandlung kann jedoch eine Beruhigung oder Vollnarkose erforderlich machen. Eine Untersuchung belegt die erfolgreiche Rehabilitation mittels Implantaten über einen Zeitraum von 10 Jahren. Wobei die Überlebensrate der Implantate selbst mit 87% und die der Prothesen sogar mit 100% angegeben wird. Die seelische Situation der Patienten kann dadurch ganz entscheidend positiv beeinflusst werden. Eine konservierende Restauration ist bei Verwendung von gegossenen Einlagefüllungen am haltbarsten. Kompositfüllungen weisen eine 10–Jahresbilanz von gerade 66% auf. Während Einlagefüllungen in diesem Zeitraum mit einer Überlebensrate von 92% aufwarten können.

Anhand der mittlerweile gesammelten Daten und Erfahrungen auf dem Gebiet der Behindertenbehandlung ist ein deutlicher Sinneswandel eingetreten. Die jahrzehntelange Beschränkung auf eine minimale Behandlung hat einem Paradigmenwechsel Platz gemacht. Eine noch ausbaufähige Sensibilisierung und vor allem eine hochschulgerechte Ausbildung in diesem Fach wäre wünschenswert.


Quelle: Hennequin, M et al.: Significance of oral health in persons with Down syndrom: a literature review. Developmental Medicine & Child Neurology (1999); 41: 275–283 / Gabre, P. et al.: Longitudinal study of dental caries, tooth mortality and interproximal bon
Autor: Springer Medizin
Stand: Jun 13, 2007


Sie lesen gerade:

Mundgesundheit ist in vielen Fällen erschwert

Seite empfehlen:
A A A
Anzeige
Springer Ratgeber Gesundheit

Expertenräte

Ratgeber Pharmazie und Gesundheit 2010

logo_springer_footer_neu

LIFELINE Web-TV

Weiße Zähne, um welchen Preis?

Keine Angst vor Zahnimplantaten mehr
Weisheitszähne mehr
Zum laufenden Programm

Kooperationspartner Zahnforum.org

Buchtipp

test_spezial_zaehne_cover

Stiftung Warentest SPEZIAL Zähne

Optimal vorsorgen – das Beste für die Zähne und Ihren Geldbeutel.

mehr

Umfrage: Gesundheit im Internet

frau_laptop_computer_6051832

Wo geht die Reise hin?

Welche medizinischen Dienste sind für Sie im Internet besonders wichtig? Welches Vertrauen haben Sie in die Onlineangebote? Welche Services möchten Sie noch stärker nutzen?
Diese und weitere Fragen soll jetzt eine wissenschaftliche Studie klären.

Nehmen Sie an der Studie teil!

Special Schönheits-Operationen

frau_jung_schoen_4728913

Alles rund um das Thema Schönheitsoperationen

Ausführliche und aktuelle Informationen rund um das Thema Schönheitsoperationen.
Im Expertenrat antworten Fachärzte auf Ihre Fragen.

 mehr