Sportverletzungen
Zahnschutz auch im Training
Dentale Traumata aufgrund sportlicher Betätigung treten häufig auf. Je nach ausgeübter Sportart und persönlichen Schutzmaßnahmen variiert die Häufigkeit. Bei Kontakt- und Ballsportarten ist der Anteil an dentalen Verletzungen relativ hoch.
Jeder Zahnarzt wird mit dentalen Traumata konfrontiert. Häufig liegt dabei eine sportliche Betätigung des Patienten zugrunde. Dabei treten sowohl Unterschiede zwischen den Sportarten als auch Unterschiede zwischen Amateur- und Profisportlern auf. Bei vielen Profisportarten mit erhöhter Verletzungsgefahr ist ein Mundschutz mittlerweile vorgeschrieben, leider meistens nur bei Wettkämpfen. Der Trainingsbereich wird oft vernachlässigt.
Mund- und Gesichtsverletzungen beim Reitsport
Die Verletzungsgefahr beim Reitsport ist bekannt. Pferde sind Fluchttiere und ihre Bewegungsmuster schwer vorhersehbar. Trotz erhöhter Gefahren erfreut sich der Sport gerade bei Kindern, überwiegend bei Mädchen, einer großen Beliebtheit. In einem epidemiologischen Survey der Universität Istanbul, Türkei, untersuchten Wissenschaftler die Verletzungsrate im Mund- und Gesichtsbereich aus 9 Reitställen. Von 100% der Befragten gaben 2,3% eine bereits aufgetretene Verletzung an. Dabei verletzen sich Kinder, die mit Pferden konfrontiert waren, signifikant öfter als Kinder, die auf Ponys ritten. Eine Helmpflicht bestand bei allen Kindern und wurde auch ausgeführt. Alle Kinder fielen bei dem Unfall vom Pferd oder vom Pony. Die häufigsten Traumen stellten Weichteilverletzungen der Lippe, gefolgt von Zahnbrüchen im Ober- und Unterkiefer, sowie Knochenverletzungen des Unterkiefers dar. In anderen Untersuchungen wird darauf hingewiesen, das statistisch das Verletzungsrisiko steigt, wenn der/die Reiter(in) unter 18 Jahren ist, weiblich und zwischen 15 und 24 Stunden im Monat den Sport ausübt (Caglar, E. et al.: Dental and orofacial trauma in pony and horseback riding children. Dental Traumatology (2006); 22: 287290).
Kontaktsportarten und ihre Risiken
Kontaktsportarten bieten naturgemäß eine breite Palette möglicher Verletzungsformen. Die Häufigkeit variiert in diesem Bereich zwischen 1,4 33%. Offensichtlich ist das Risiko von vielen verschiedenen Faktoren abhängig. Eine Studie der Universität Helsinki, Finnland, hat alle Verletzungen in den Sportarten: American Football, Bandy, Basketball, Handball, Eishockey und Soccer zwischen 1979 und 1985 verglichen und ausgewertet. Eine Helm- und Mundschutzpflicht gibt es beim American Football. Beim Bandy existiert eine Helmpflicht mit extraoralem Mundschutz, ebenso beim Eishockey. Die höchsten Verletzungsraten traten mit 8,9% beim Eishockey, gefolgt von 8,1% beim Bandy auf. Basketball, Handball und Soccer wiesen mit 5,8%, 5,2% und 4,5% nahe bei einander liegende Werte auf. Dentale Traumata beim American Football traten nur zu 1,4% auf. Die meisten Unfälle passierten bei Kollisionen, Kicks von anderen Spielern und Schlägen mit Stöcken. Zahnverletzungen betrafen am häufigsten die oberen Schneidezähne. Die hohen Verletzungsraten beim Eishockey werden auf die Verwendung der Schläger zurückgeführt, die relativ geringe Gefahr beim American Football, auf die angewandten Schutzmaßnahmen (Sane, J. et al.: Dental trauma in contact team sports. Endod Dent Traumatol (1988); 4: 164169).
Weitere Sportarten und Schutzmaßnahmen
In weiteren Untersuchungen wird auch ein hohes Verletzungsrisiko beim Boxen und Tae kwon do festgestellt. Dabei ist eindeutig belegt, dass ein Mundschutz das Risiko signifikant minimiert. Letzterer wird aber oft nicht regelmäßig getragen. Häufig werden bite-and-boilVarianten benutzt. Dabei ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass ein individueller Mundschutz besseren Schutz bietet. Bei diesen können je nach Sportart die Dämpfungseigenschaften bestimmt werden. Gemessenen an den Kosten einer Traumabehandlung erscheint die Investition in jedem Fall gerechtfertigt. Bei Kindern ist lediglich darauf zu achten, das in der Wechselgebissphase eine regelmäßige Anpassung erfolgt (Tulunoglu, I. Et al.: Oral trauma, mouthguard awareness, and use in two contact sports in turkey. Dental Traumatology (2006); 22: 242246).






