Frau mit Obstsalat

Vorsicht Zahnerosion!

Wie säurehaltige Nahrung unsere Zähne kaputt macht

Dass Karies unsere Zähne zerstört, wissen die meisten. Doch welche Gefahr von säurehaltigen Lebensmitteln wie Limonaden oder Fruchtsäften ausgeht, ist kaum bekannt.

Wie entstehen Erosionen?

Ein großes Problem, denn ein saures Milieu im Mund kann langfristig zu einem fortschreitenden Verlust der Zahnsubstanz führen – die Fachleute sprechen von Zahnerosion. Mit einer guten Prophylaxe können Sie Ihre Zähne vor der zerstörerischen Krankheit schützen.

Im Unterschied zur Karies ist die Erosion eine Zahnkrankheit, die nicht durch Bakterien, sondern durch chemische Einflüsse (Säuren) hervorgerufen wird. Normalerweise herrscht in der Mundhöhle ein neutraler pH-Wert von 7. Sinkt der pH-Wert durch eine Übersäuerung des Speichels dauerhaft, kann das Zahnfleisch gereizt und mit leichten Entzündungen reagieren. Am schlimmsten jedoch wirkt sich das saure Milieu auf den Zahnschmelz aus. Aus der Schmelzschicht werden zunehmend Mineralien "ausgewaschen". Der Zahnschmelz kann mechanischen Einflüssen nicht mehr richtig standhalten und wird beim Essen oder Putzen stetig stärker abgenutzt. Die so genannte Erosion des Zahnschmelzes schreitet immer dann fort, wenn der pH-Wert in der Mundhöhle unter 5,5 fällt.

Doch nicht nur säurehaltige Lebensmittel und Getränke oder bestimmte Medikamente wie Acetylsalicylsäure (ASS) lösen Erosionen an den Zähnen aus. Oftmals sind auch innere Faktoren dafür verantwortlich, dass es zu einer Übersäuerung im Mundraum kommt. Dazu zählen Krankheiten mit häufigem Erbrechen wie Magersucht und Bulimie oder chronische Magen-Darm-Krankheiten wie die Refluxkrankheit (Sodbrennen). Bei diesen Erkrankungen gelangt Magensäure (pH-Wert 1,0 – 2,0!) oder magensäurehaltiger Speisebrei in den Mund und führt dort zum Auswaschen des Zahnschmelzes. Auch Alkoholismus oder verminderter Speichelfluss, z.B. durch die Einnahme bestimmter Medikamente gegen Depressionen, kommen als Auslöser von Zahnerosionen infrage

Erosionsbedingte Zahnschäden sind irreversibel

Im Anfangsstadium wird eine Zahnerosion meist gar nicht bemerkt, weil sich der Zahnschmelz flächenhaft auflöst. Später weisen erosionsgeschädigte Zähne Dellen und Stufen an den Zahnflächen auf. Die Defekte können bis tief in die untere Zahnschicht, das Zahnbein (Dentin), hineinreichen. Ist dies der Fall, reagieren die Zähne sehr empfindlich auf äußere Einwirkungen wie Hitze oder Kälte. Typisch für eine Zahnerosion ist der Verlust der Zahnhöcker auf den Kauflächen. Die Backen- und Frontzähne wirken abgeflacht, wie abgefeilt, die Furchen (Fissuren) verschwinden. Die Zähne verlieren immer weiter an Substanz, besonders an Höhe. Häufig findet man Zahnfüllungen, deren Ränder durch den zunehmenden Schwund der benachbarten Zahnsubstanz über die Zahnfläche hinausragen.

Die Langzeitfolgen von Erosionen können gravierend sein: Zahnwanderungen, Fehlstellungen und das Abflachen des Gebisses bis zum fast vollständigen Verlust der sichtbaren Zahnsubstanz. Die abgetragene Zahnsubstanz ist für immer verloren. Vor einer weiteren Zerstörung können die Zähne oft nur noch durch Überkronung geschützt werden.

Deshalb sollten Sie spätestens, wenn Sie erste Anzeigen einer Zahnerosion an sich oder Ihren Kindern bemerken, mit vorbeugenden Maßnahmen beginnen.

Wie kann man die Zähne schützen?


  • Reduzieren Sie Menge und Einwirkungsdauer von säurehaltigen Lebensmitteln wie Fruchtsäften, Cola, kohlensäurehaltigen und alkoholischen Getränken, Obst und Vitamin-C-Tabletten. Lassen Sie Kleinkinder nicht ununterbrochen an Fruchtsaftfläschchen nuckeln. Verabreichen Sie lieber milde Tees oder Wasser und nur selten und zügig Fruchtsäfte.

  • Warten Sie mit dem Zähneputzen bis mindestens eine halbe Stunde nach dem Essen, denn der Genuss von säurehaltigen Lebensmitteln macht den Zahnschmelz angreifbar und führt dazu, dass dieser mit der Zahnbürste leicht abgetragen werden kann.

  • Benutzen Sie regelmäßig fluoridhaltige und säurebindende Mundspüllösungen und tragen Sie einmal in der Woche ein Fluoridgel auf. Fluorid stabilisiert die Deckschicht der Zähne und führt zum Verschluss offen liegender Dentinkanälchen.

  • Regelmäßig medizinische (zuckerfreie) Kaugummis zu essen, ist eine weitere Maßnahme, die vor Zahnerosion schützt. Das Kaugummikauen regt den Speichelfluss an und Speichel verdünnt und neutralisiert die Säure.

  • Auf die Verwendung aufhellender Zahnpasten sollten Sie hingegen verzichten. Sie greifen den Zahnschmelz zusätzlich an.

  • Mit kalziumhaltigen Lebensmitteln wie Milch oder Käse lässt sich die zahnschädigende Wirkung von stark säurehaltigen Lebensmitteln neutralisieren. Trinken Sie z.B. nach dem Genuss von Obst ein Glas Milch.

  • Lassen Sie Magen-Darm-Erkrankungen oder Bulimie, welche zu häufigem Kontakt der Zähne mit Magensäure führen, unbedingt behandeln.















Autor: Springer Medizin
Stand: Jun 20, 2007


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