Offener Mund mit Zungenpiercing

Piercing im Mundbereich

Orale Komplikationen durch Piercing im Mundbereich möglich

Sowohl das Piercing der Lippen als auch der Zunge kann labiale bzw. linguale Rückbildungen des Zahnfleischs der Inzisiven nach sich ziehen, so das Ergebnis einer neuseeländischen Studie. Dabei scheint das Alter bei der Durchführung des Piercings für die Entstehung lingualer Rückbildungen von Bedeutung zu sein: Je älter, desto wahrscheinlicher.

Immer mehr Patienten mit Lippen- oder Zungenpiercing stellen sich bei ihrem Zahnarzt vor. Neuere Erkenntnisse weisen auf orale Nebenwirkungen hin, so kann es zu Schwellungen, Schmerzen oder Infektionen kommen, aber auch abnorme Zahnabnutzung oder Rückbildungen des Zahnfleischs wurden beschrieben. Herauszufinden, welche allgemeinen und dentalen Komplikationen nach Piercings entstehen können, war das Ziel der vorliegenden Studie.

Die Studienpopulation bestand aus 43 erwachsenen Patienten mit Zungen- und/oder Lippenpiercing, davon waren 40 (93%) weiblich. Das Durchschnittsalter betrug 21 Jahre. Daten zu Art des Piercings, Zeitpunkt der Applikation, Operateuren und Komplikationen wurden mit Hilfe eines Fragebogens erhoben. Des Weiteren fand eine ausführliche zahnärztliche Untersuchung statt, Augenmerk lag dabei auf lingualen oder wangenseitigen Rückbildungen sowie Abnutzungen der oberen und unteren Schneidezähne.

Ein Zungenpiercing hatten 33 (76,7%), ein Lippenpiercing 15 (34,9%) und beide Piercings 5 (11,6%) der Teilnehmer. Nur vier der Applikationen waren von einem Arzt oder Zahnarzt durchgeführt worden. Postoperative Komplikationen gaben 15 (34,9%) Probanden an: Schwellungen und/oder Infektionen traten am häufigsten auf, gefolgt von Schmerzen und Erkrankungen der Lymphknoten. Mindestens eine labial lokalisierte Zahnfleischrückbildung hatten 80% der Personen mit einem Lippenpiercing, ungefähr ein Drittel der Teilnehmer mit gepiercter Zunge wiesen wenigstens eine linguale Zahnfleischrückbildung auf. Alle Probanden mit Piercings der Zunge und der Lippen zeigten mindestens eine Zahnfleischrückbildung. Ein signifikanter Zusammenhang zwischen Piercingart und abnormer Zahnabnutzung konnte nicht bestätigt werden. Das Alter stellte sich als Prädiktor für die Häufigkeit und die Anzahl der lingualen – aber nicht der labialen – Rückbildungen heraus. Nach dem 14. Lebensjahr betrug die Odds Ratio für jedes weitere Jahr 1,17.

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Piercings führen oft zu Zahnfleischrückbildungen

Vor allem Zahnfleischrückbildungen können sich offenbar nach Durchführung von Piercings herausbilden, Zahnabnutzungen scheinen dagegen seltener aufzutreten. Mit jedem weiteren Lebensjahr – nach dem 14. – erhöht sich das Risiko derartiger Komplikationen. Deshalb betonen die Autoren die Notwendigkeit, Interessierte vor der Piercing-Applikation umfassend über mögliche allgemeine und dentale Komplikationen aufzuklären.


Quelle: Kieser JA et al.: Oral piercing and oral trauma in a New Zealand sample. Dental Traumatology 2005; 21: 254-257
Autor: Springer Medizin
Stand: Mar 9, 2007


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