Externe Aufhellungstherapien
Zähne selber aufhellen ohne Risiken
Maßnahmen zur Zahnaufhellung haben sich in der modernen Praxis etabliert - mit steigender Tendenz. Bei richtiger Anwendung gelten die einzelnen Verfahren als klinisch zuverlässig und komplikationsfrei. Dennoch sollten gewisse Aspekte während und nach dem Bleaching beachtet werden.
Die vitale Zahnaufhellung ist seit vielen Jahren Gegenstand vieler Forschungsarbeiten. Dabei steht weniger ihr aufhellender Effekt im Zentrum der Untersuchungen, denn dieser ist klinisch belegt, als vielmehr mögliche schädigende Effekte. Die zentralen Fragen dabei sind: Wie reagieren Zahnoberfläche, Zahnnerv und Zahnfleisch, welche Mengen des Bleichmittels werden oral freigesetzt und was passiert an diversen Restaurationen?
Die chemischen Grundlagen des Bleichprozesses am Zahn zeigen auf, dass die Peroxid-basierten Aufheller (Wasserstoff-Peroxid und Carbamid-Peroxid) per se keine invasive Wirkung erzielen. Sie oxidieren lediglich die organischen Komponenten, die vor allem für den Gelbanteil des Farbspektrums des Zahnes verantwortlich sind. Bei den organischen Komponenten handelt es sich um meist durch Nahrungs- oder Genussmittel aufgenommene und dann abgelagerte Chromogene. Diese absorbieren an ihren ungesättigten Doppelbindungen Licht und verursachen die ästhetische Beeinträchtigung. Da sich die ungesättigten Doppelbindungen gegenüber Peroxiden instabil verhalten und leicht zu Alkoholen und Caboxylsäuren zerfallen, kann deren Eigenschaft als optische Aufheller genutzt werden. Gegenüber Hydroxylapatit sind die Peroxide vollkommen inert. So können die Substanzen an sich also keine mineralischen Bestandteile des Zahnes zersetzen oder anlösen.
Sanfte Aufhellung ohne große Risiken
Peroxide haben keinen signifikant negativen Einfluss auf (Duschner 2002, Review):
- Mikrohärte des Schmelzes
- Oberflächentextur, -profil
- Sturkurelle Veränderungen von Schmelz und Dentin
- Frakturverhalten (Ausnahme Studie von Seghi & Denry 1992, geringe Zunahme, wurde in weiteren Studien so nicht bestätigt)
- Pulpa
- Keramik, Gold, Glasionomer-Zement
Die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund-, und Kieferheilkunde empfiehlt in einer Stellungnahme vom Juli 2000 den Einsatz von 10-15%igem Carbamid-Peroxid-Gel in über Nacht getragenen, gut adaptierten Applikations-Schienen. Die bedenkliche Menge an verschlucktem Gel liegt bei dieser Methode bei rund dem Hundertfachen des durchschnittlich aufgenommenen Volumens. Die Dauer der Behandlung liegt bei rund acht bis zehn Tagen und sollte sechs Wochen nicht überschreiten.
Neben der Schienenbleichung haben moderne Whitestrip-Systeme eine hohe Patientenakzeptanz sowie gute Erfolge gezeigt. Die Streifen-Applikation ist einfach zu handhaben und bietet vor allem Vorteile in Hinblick auf eine gezielte Platzierung bei geringer oraler Freisetzung des Wirkstoffes. Die Folien bestehen aus Polyethylen und sind (je nach Hersteller) einseitig mit 5,3%igem Wasserstoff-Peroxid beschichtet und werden zweimal täglich für 30 Minuten auf den Labialflächen platziert.
Nebenwirkungen können behoben werden
Allgemein werden wenige mögliche Nebenwirkungen wie temporäre Hypersensibilität und Zahnfleischirritationen durch das Bleaching beschrieben. Sie können wieder behoben werden und treten vor allem bei langer Benutzung und hoher Dosierung auf. Nach dem Einsatz einiger Systeme und hohen Gel-Dosierungen wurde zudem eine leichte Zunahme des Zahnabriebs beschrieben (Kalili et al. 1991; Seghi/Denry et al. 1992), die jedoch durch Maßnahmen zur Förderung der Remineralisierung kompensiert werden kann.
Fundierte Diagnostik als Routinemaßnahme
Ein einfaches Routineschema zum kieferorthopädischen Check-up bietet sich an, um die kieferorthopädische Frühdiagnostik schnell und einfach in den Praxisalltag des Allgemeinzahnarztes zu integrieren. Interdisziplinäre Zusammenarbeit erhöht die Patientenzufriedenheit und wirkt sich so langfristig positiv auf die Patientenbindung an die Praxis aus. Ist der Zeitpunkt für den optimalen Therapiebeginn erst mal verstrichen, sieht sich der behandelnde Facharzt oft mit größeren Hindernissen bei der Verwirklichung seines Therapieziels konfrontiert.
Entsprechend einer Empfehlung von Prof. J.M.H. Dibbets, Leiter der Klinik für Kieferorthopädie an der Universität Marburg, sollte grundsätzlich jeder neue kleine Patient einem kurzen kieferorthopädischen Screening unterzogen werden. Eine solche Erstdiagnostik kann im Rahmen der konservierenden Befunderhebung erfolgen und nimmt mit etwas Routine ca. drei Minuten in Anspruch. Wichtig beim Sammeln der Diagnosen ist dabei der ständige gedankliche Vergleich der sichtbaren Befunde mit der Situation, die man vorzufinden erwartet hat.
Was ist noch zu beachten?
- Keine Verwendung von Peroxiden in Reinsubstanz (Gelmatrix bindet Wirkstoff, beeinflusst Migrationsverhalten und pH-Werte)
- auf ausreichende Füllungen achten, um unnötige Nähe zum Zahnnerv zu vermeiden
- gut sitzende Applikations-Schienen verwenden
- Methacrylat-basierte Füllungswerkstoffe werden sich verfärben (orange)
- geringe Abnahme der Härte von Kompositfüllungen möglich
- Amalgamfüllungen nicht mit Aufheller in Kontakt bringen (Freisetzung von gasförmigen Quecksilber sowie Fleckenbildung oder Farbveränderung möglich)
- keine Verankerung von Restaurationen an frisch gebleichten Zähnen durchführen (Optimal: 2 Wochen nach Bleaching, ggf. Zahnflächen vor der Restauration/nach direktem Bleaching mit Azeton reinigen)
- Remineralisierung nach Bleaching fördern (Fluorid-Applikation, Patientenverhalten beeinflussen)
- massive abreibende Maßnahmen direkt nach dem Bleaching unterbinden (Patienten aufklären)
Resümierend wird den Verfahren der vitalen Zahnaufhellung in einer Fülle von Studien eine gute klinische Verträglichkeit attestiert. Die Vitalität der Zähne wird durch die Therapie nicht gefährdet. Dennoch variieren einzelne auf dem Markt befindliche Systeme, sei es bezüglich Applikationsart oder Zusammensetzung der Trägermatrix. Je sicherer das Peroxid eingebunden ist, bei pH-Neutralität des Träger-Mediums, und je kontrollierter die Substanzen genau mit den Zielflächen in Kontakt kommen, desto sicherer ist das eingesetzte Verfahren.
Auch das Fazit eines aktuellen internationalen Reviews über Carbamid-Peroxid-Aufheller gibt wider, dass zwar "keine dentale Behandlung ganz ohne Risiko" sei, das Bleichen von Zähnen jedoch "offensichtlich ziemlich sicher scheint" (Dadoun/Bartlett, Eur J Prosthodont Restor Dent, März 2003).
Unabhängig von der Verbesserung der Ästhetik haben alle Bleaching-Maßnahmen zudem weitere positive Nebeneffekte: Der Patient kann die dadurch erzielten Ergebnisse als Startsignal für eine intensivierte Präventionsbetreuung begreifen. Zudem wird durch die Zufriedenheit mit der Behandlung die allgemeine Akzeptanz der Patienten erhöht.



