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Mit Kindern zum Zahnarzt

Die kinderfreundliche Zahnarztpraxis

Kinder laufen oftmals in der Zahnarztpraxis als Patienten „nebenher" mit. Das sie ein eigenes Klientel mit anderen Bedürfnissen als Erwachsene sind, wird häufig ignoriert. Mit etwas Aufmerksamkeit kann man jedoch auch den kleinen Patienten gerecht werden.

In jeder Praxis gehören auch Kinder zum Patientenstamm. Ihre Behandlung wird nicht nur von spezialisierten Kinderzahnärzten übernommen. Häufig werden sie vom Personal und Behandler auch als willkommene Abwechslung im Praxisalltag betrachtet. Vielfach gehören ganze Familien zum Patientenstamm und es ergibt sich eine soziale Bindung über das Arzt–Patienten-Verhältnis hinaus, wenn über lange Zeit das Aufwachsen und die Entwicklung mitverfolgt werden kann.

Normal- oder Problemfall?

Eltern, die mit ihrem behandelnden Zahnarzt zufrieden sind, werden häufig früher oder später auch ihren Nachwuchs in der Praxis vorstellen. Es scheint eine optimale Einführung zu sein, dass die Kinder quasi als „Begleitung" die Umgebung, den Behandler und das Personal kennen lernen. Das gilt natürlich nur, solange die Eltern selbst keine Probleme mit dem Zahnarztbesuch haben und kein negatives Beispiel für die Kinder darstellen. Normalerweise kann der Zahnarzt auf diesem Wege unkompliziert eine erste Inspektion beim Kind mitmachen. Eröffnen sich dabei Behandlungsprobleme – z.B. mehrfache Schädigungen bei sehr jungen Patienten - kann bereits beurteilt werden, ob eine Behandlung im Praxisrahmen möglich ist oder eine Überweisung zum Spezialisten sinnvoll erscheint.

Kinderfreundliche Atmosphäre schaffen

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, sondern haben je nach Alter und Entwicklungsstand andere Verhaltensmuster und Bedürfnisse. Darüber sollte man sich klar sein und gestalterisch darauf eingehen. Ein Tresen in Erwachsenhöhe hilft keinem Kind, sich wohl zufühlen. Es sollte üblich sein, das Kind (nicht nur als Patient, auch als Begleiter!) gesondert zu begrüßen. Oralpathologische reiche Bebilderungen im Wartebereich wirken, vorsichtig ausgedrückt, sehr befremdlich. Es wird sehr genau registriert, ob eine Kinderecke lediglich mit alten ausrangierten Kuscheltieren und zerlesenen Kinderbüchern oder aufmerksam und liebevoll eingerichtet ist (Cunea, E. et al.: Strategien zur zahnmedizinischen Angstprävention bei Kleinkindern im Alter von ein bis drei Jahren (II). Die Quintessenz (1997); 12: 1649ff).

Der Angst vorbeugen

Unterschiedliche Faktoren tragen zur Entwicklung einer Zahnbehandlungsangst bei. Dazu gehören traumatische Erlebnisse, eine niedrige Schmerztoleranz, soziale Prägung und familiäre Einstellungen und vieles mehr. Sie wird nicht „zwangsläufig" ausgelöst!

Eine „natürliche" Angst entsteht als Schutzmechanismus des Körpers auf fremde Personen, Geräusche, strenge Gerüche etc. Als emotionale Indikatoren fungieren noch ein Bedrohungsgefühl, Enge und Hilflosigkeit. Kognitiv sind eine eingeschränkte Umgebungswahrnehmung, die eingeschränkte kognitive Leistungsfähigkeit und die fokussierte Aufmerksamkeit auf Bedrohungsreize und auf die eigenen Körperempfindungen Indikatoren. Im Bewusstsein dieser Vorgänge kann man als Behandler einiges dagegen tun.

Dennoch sind in einer Zahnarztpraxis viele natürliche Angstauslöser zu finden. Diese sollte man erkennen und minimieren. So haben unbekannte Instrumente auf dem Trey nichts zu suchen und CHKM–Gerüche können durch ausgiebiges Lüften entfernt werden.

Lob und Aufmerksamkeit

Bewährt hat sich – nicht nur bei Kindern - die Tell–Show–Do–Methode. Allerdings ist dabei zu beachten, dass erst ab einem Alter von 6 Jahren das konkrete operative Denken soweit ausgebildet ist, um diese Methodik nachvollziehen zu können. Belobigungen und Aufmerksamkeit erzeugen eine positive Rückkopplung (Weilemann, W et al.: Sechs einfache Hilfen für Angstpatienten. Schweiz Monatsschr Zahnmed (2004); 7(114): 699–707). Es ist auch denkbar, diese vor der Behandlung zu vereinbaren. Dabei zählen nicht nur materielle Vergünstigungen, sondern auch Tätigkeiten wie z.B. das Bedienen der Wasserspritze oder das Einlegen zusätzlicher Behandlungspausen. Durch differenzielle Verstärkung kann dem Kind in positiver Weise vermittelt werden, welches Verhalten nicht erwünscht ist.

Vor dem Erstbesuch ist es empfehlenswert, von den Eltern einen speziellen Fragebogen ausfüllen zu lassen. Dabei können individuelle Besonderheiten des Kindes erfasst werden und man kann sich bereits ein Bild über den kleinen Patienten machen.

Durch solche Aufmerksamkeiten kann man erreichen, dass sich auch Kinder in der allgemeinen Zahnarztpraxis „wohlfühlen". Es muss nicht immer der Spezialist sein. In etlichen Fällen wird man auf diesen trotzdem angewiesen sein.


Quelle: Alle Quellen werden im Text zitiert.
Autor: Springer Medizin
Stand: Jun 13, 2007


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