Alles pure Zauberei

Unkooperative Kinder lassen sich überzeugen

Willensstarke Kinder, die sich zunächst der zahnärztlichen Untersuchung verweigern, lassen sich von der Magie verführen. Ein Zaubertrick macht es möglich: sie sitzen schneller auf dem Untersuchungsstuhl und sind eher bereit, Röntgen-Aufnahmen zuzulassen.

Unkooperativem Verhalten bei Kindern liegt häufig Angst vor der unbekannten Situation zugrunde, aber auch ein starker Wille kann die Ursache sein. Verzögerungen des Untersuchungsablaufes, Untersuchungsabbrüche oder Qualitätsverluste sind mögliche Folgen. Verschiedene Strategien wurden entwickelt, um unkooperative Kinder zu überzeugen, so z.B. die tell-show-do (TSD)-Methode. Dabei erklärt der Zahnarzt zuerst das Vorgehen, dann führt er es vor und zuletzt erfolgt die eigentliche Untersuchung des Kindes. Eine andere Vorgehensweise ist die Vorführung eines Zaubertricks. Dabei wird das Kind von der eigentlichen Situation abgelenkt und lässt sich eventuell leichter der Untersuchung unterziehen. Ziel dieser Studie war es nun, die TSD-Methode mit dem Zaubertrick-Verfahren zu vergleichen.

Insgesamt nahmen 70 willensstarke Kinder im Alter zwischen drei und sechs Jahren an der Studie teil, 35 sollten mit der TSD-Methode und 35 mit einem Zaubertrick zur Durchführung der zahnärztlichen Untersuchung bewegt werden. Den Kindern der zweiten Gruppe zeigten die Zahnärzte ein „magisches Buch", in dem Bilder wie von Zauberhand verschwanden und wieder auftauchten. Parameter wie Zeit von Sitzungsbeginn bis zum Sitzen des Kindes auf dem Stuhl, die Möglichkeit radiographischer Aufnahmen und Kategorien der Verhaltensskala nach Frankl (Einteilung des Verhaltens in vier Gruppen: definitiv negativ, negativ, positiv, definitiv positiv) wurden erhoben.

Auf den Behandlungsstuhl gezaubert

Kinder der Zaubertrickgruppe saßen signifikant schneller auf dem Zahnarztstuhl als ihre Altersgenossen der TSD-Gruppe (141,2 s gegenüber 221,7 s). Zudem konnten die Untersucher deutlich mehr radiologische Aufnahmen bei Kindern der ersten Gruppe (91%) vornehmen als bei den jungen Probanden der zweiten Gruppe (54%). Die weitere Auswertung ergab, dass die kleinen Zaubertrickpatienten im Vergleich zu den Kindern der TSD-Methode eher ein kooperatives Verhalten (Kategorie 3 und 4 der Verhaltensskala nach Frankl) aufwiesen.

Ein Zaubertrick unterstützt die Arbeit der pädiatrischen Zahnärzte, er ermöglicht es ihnen, ihre kleinen Patienten, die sich zunächst der Untersuchung verweigern, doch noch überzeugen zu können. Die Kinder lassen sich so ablenken und sehen in dem Zahnarzt einen Verbündeten, vermuten die Autoren. Andererseits könnte der Zaubertrick aber auch ihre Intelligenz und Neugier herausfordern.


Quelle: Peretz B et al.: Magic trick: a behavioural strategy for the management of strong-willed children. International journal of paediatric dentistry 2005; 15: 429-436
Autor: Springer Medizin
Stand: Jun 13, 2007


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