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Körper und Seele

Psychosomatische Aspekte in der Zahnheilkunde

Der Einfluss der Psyche auf die Entstehung oder Manifestation oraler Befunde gerät immer mehr in das Bewusstsein der Zahnheilkundler. Dies beeinflusst auch die Therapieplanung: der Trend geht weg von einem statisch mechanischem Behandlungsansatz hin zu einer immer stärker am Patienten orientierten Therapie.

Jeder Behandler kennt sie: Patienten mit Leidensdruck aber ohne relevantes klinisches Bild. Häufig sind es Frauen mittleren Alters. Sie können in jeder sozialen Schicht zu finden sein. Es gibt aber nicht nur bei den Frauen „schwierige" Patienten. Männer gehören genauso dazu. Für den Behandler ergibt sich das Problem, den Leidensdruck und das tatsächliche klinische Geschehen in Zusammenhang setzen zu müssen. Nur so kann eine patientenorientierte effektive Therapie durchgeführt werden.

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Zusammenhänge sehen und erkennen

Jedes Krankheitsgeschehen beinhaltet eine somatische und eine psychische Komponente. Die Dimensionen beider Bereiche können sehr stark variieren. Je nach Belastbarkeit, Veranlagung und/oder akuter Stresssituation können klinische „Normwerte" trotzdem ein Krankheitsempfinden beim Patienten hervorrufen. Besonders deutlich wird dieser Aspekt bei Patienten, die knirschen. Sie kontrollieren sich häufig selbst und können einem sehr genau sagen, wann und warum sie knirschen. Die okklusalen und muskulären Verhältnisse sind immer gleich. Dennoch gibt es aktive und ruhige Phasen. Wichtig ist das Erkennen einer kombinierten Störung. Das ausschließliche Reduzieren auf somatische Aspekte hilft nicht. Es birgt die Gefahr einer Chronifizierung der Beschwerden. Leider enden viele Patienten in diesem Teufelskreis aus ewigen Arztbesuchen und Arztwechseln (DGZMK – Wissenschaftliche Stellungnahme: Psychosomatik in der Zahn, Mund- und Kieferheilkunde. Stand 02/00).

Mögliche Auswirkungen im Mund- und Gesichtsbereich

In der Zahnheilkunde gibt es einige „typische" Krankheitsbilder. Diese begegnen irgendwann jedem Behandler. Dazu können u.a. die Prothesenintoleranz, das Burning–mouth–Syndrom, chronische Schmerzzustände im Mund- und Gesichtsbereich und/oder eine Amalgamintoleranz gehören. Möglicherweise liegen jedoch bei allen Krankheitsbildern auch rein somatische Ursachen vor. Häufig ist jedoch eine psychische Komponente mit an der Manifestation und Entwicklung beteiligt. Das frühe Erkennen der psychischen Dimension ermöglicht erst einen ganzheitlichen Therapieansatz. Dabei sollte zunächst auf die Beseitigung von Schmerzen, Missempfindungen oder Parafunktionen Wert gelegt werden. Die Therapie kann einen medikamentösen oder einen physiotherapeutischen Ansatz umfassen.

Der schwierigste Teil: Psychische Krankheitsaspekte vermitteln

Begleitend muss eine Sensibilisierung des Patienten für die psychische Beteiligung am Krankheitsgeschehen stattfinden. Nur durch eine gute Akzeptanz und Mitarbeit des Patienten kann eine ursachenbezogene Therapie durchgeführt werden. Diese beinhaltet auch eine psychologische Behandlung. Darin besteht in der Regel der schwierigste Teil für den Zahnarzt. Fast jeder Patient möchte gern einen somatischen Befund hören. Psychischen Krankheitsaspekten haftet oftmals ein anrüchiges Klischee an. Viele Patienten fühlen sich damit in eine Ecke abgeschoben und akzeptieren diesen Befund nicht. Ein offenes und sehr sensibles Vorgehen ist daher ausgesprochen wichtig. Wird der Befund nicht akzeptiert, kann keine erfolgreiche Behandlung stattfinden. Der Patient wird immer wieder von Arzt zu Arzt wechseln, sich unverstanden fühlen, an der medizinischen Kompetenz zweifeln und schlussendlich resignieren (Kreyer, G. et al.: Das Orofazialsystem als Schnittstelle zwischen Psyche und Soma. Zahnärztliche Mitteilungen (2005); (95) Nr. 10: 38–43).

Körper und Psyche behandeln

Die eigentliche Behandlung umfasst immer die Vernetzung somatischer und psychischer Therapie. Dabei ist die Zusammenarbeit mit einem speziell tätigen Psychologen hilfreich. Eine Unterteilung psychosomatischer Aspekte kann in Bezug auf bezahnte, zahnlose oder Patienten mit drohendem Zahnverlust erfolgen. Letzterer tritt insbesondere bei Veränderungen im Frontzahnbereich auf. Die soziale Präsenz und Außenwirkung steht damit unmittelbar im Zusammenhang. Von vielen werden derartige Eingriffe als Bedrohung und Einschränkung ihrer sozialen Interaktion empfunden. Solche gravierenden Eingriffe sollten deshalb möglichst in stabilen Lebenssituationen durchgeführt werden. Zu dieser Einschätzung gehört allerdings mehr als ein Anamnesebogen. Gespräche mit dem Patienten können aufschlussreich sein und sollten ein umfassendes Bild über die derzeitigen sozialen Umstände geben. Im Zweifel sollte eine Behandlung lieber auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden (Kreyer, G. et al., 2005). Aufgrund der fehlenden Präsenz der Psychosomatik in den universitären Lehrplänen hat die DGZMK seit 2004 erstmals ein Curriculum „Psychosomatische Grundkompetenz" initialisiert. Zweifellos eine wichtige Möglichkeit für einen kompetenten Umgang mit betroffenen Patienten (Jöhren, P. et al.: APW – Curriculum „Psychosomatische Grundkompetenz").


Quelle: Alle Quellen werden im Text zitiert.
Autor: Springer Medizin
Stand: Jun 27, 2007


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