Mit Bluthochdruck beim Zahnarzt

Was bei der Zahnbehandlung beachtet werden muss

In der Allgemeinanamnese findet sich vor allem bei älteren Patienten häufig die Angabe „Bluthochdruck". Sowohl in der Ausprägung der Erkrankung als auch in der medikamentösen Therapie gibt es deutliche Unterschiede, welche in verschiedenem Maße Einfluss auf die zahnärztliche Behandlung haben können.

Erhöhte Blutdruckwerte sind begünstigende Faktoren für die Entwicklung von Herz-Kreislauferkrankungen. Aufgrund prospektiver Studien hat die Weltgesundheitsorganisation WHO eine Klassifikation für Blutdruckwerte aufgestellt. Demnach erfolgt die Unterteilung in den systolischen und in den diastolischen Blutdruck. Wobei letzterer offenbar weniger Einfluss auf die Ausprägung von Herzkreislaufereignissen hat als ersterer. Als optimal gelten Werte von < 120/80 mm Hg. Als normal werden Werte von < 130/85 angesehen. Patienten mit Werten von 140 – 159/90 – 99 haben einen leichten Bluthochdruck (Hypertonie). Eine mittelschwere Hypertonie gilt von 160 – 179/100 – 109. Bei Werten von > 180/>110 liegt eine schwere Hypertonie vor (Leitlinien für die Prävention, Erkennung, Diagnostik und Therapie der arteriellen Hypertonie. Deutsche Liga zur Bekämpfung des hohen Blutdruckes e.V. AWMF-Leitlinienregister: Nr. 046/001. Stand 22.11.2003.).

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Begleiterscheinungen und medikamentöse Therapie

In Folge der Blutdruckerhöhung können je nach Ausmaß unterschiedlichste Reaktionen an den Endorganen und/oder andere Begleiterkrankungen auftreten. Endorganschäden beinhalten die Linksherzhypertrophie, Mikroalbuminurie, das Auftreten arterosklerotischer Plaques in den Gefäßen, Proteinurie (vermehrte Eiweißausscheidung im Harn), leichte Kreatininerhöhung oder Erkrankungen der Netzhaut. Als Folgeerkrankungen können Schlaganfall, der Verschluss von peripheren Gefäßen, Herzinsuffizienz, koronare Herzerkrankungen (Angina pectoris) und/oder Nierenschäden auftreten. Die nichtmedikamentöse Therapie wird jedem Patienten empfohlen. Sie beinhaltet die Vermeidung bzw. Reduktion der typischen Risikofaktoren. Die Gewichtsreduktion, das Vermeiden von Alkohol und Nikotin, körperliche Bewegung und eine Kochsalzrestriktion werden dem Patienten ans Herz gelegt. Eine Ernährungsumstellung mit einem erhöhten Anteil an mehrfach ungesättigten Fettsäuren nimmt ebenfalls einen positiven Einfluss auf die Blutdruckentwicklung. Eine medikamentöse Therapie wird als Monotherapie, Stufentherapie (-Stufentherapie) oder als sequentielle Monotherapie durchgeführt. Als Medikamente werde Antihypertensiva, also Betablocker, Diuretika, Kalziumantagonisten, Angiotensin-II–Antagonisten und ACE–Hemmer verschrieben (Deutsche Liga zur Bekämpfung des Bluthochdruckes e.V., Aubertin, M. et al.: The hypertensive patient in dental practice: Update recommendations for classification, prevention, monitoring, and dental management. General Dentistry (2004); November-December; 544 – 553).

Blutdruckmessung und Bluthochdruck-Notfall

Da der Blutdruck tageszeitabhängige Schwankungen aufweist, ist zur aktuellen Bestimmung die Messung in der Zahnarztpraxis sinnvoll. Empfohlen wird dabei von der DGZMK das Verfahren nach Korotkow (Reichert, P et al.: Die Messung des Blutdruckes in der zahnärztlichen Praxis. Wissenschaftliche Stellungnahme der DGZMK. Stand 5/95.). Nach dem Anlegen einer Oberarmmanschette wird durch Aufpumpen derselben ein Druck von etwa 200 mm Hg erzeugt. Das Pulsationsgeräusch wird mit dem Stethoskop in der Ellenbeuge verfolgt. Das erste Auftreten nach dem Entweichen der Luft entspricht dem systolischen Blutdruck. An dem Punkt wo das Geräusch verschwindet, wird der diastolische Wert ermittelt. Tritt ein hypertensiver Notfall auf, so sind verschiedene Begleiterscheinungen zu beobachten: Sehstörungen, Schwindel und Bewusstseinseintrübung und/oder Ausfallserscheinungen, des Weiteren frische Blutungen im Augenhintergrund, intracranielle Blutungen und/oder das Lungenödem. Es ist in der Regel die sofortige Gabe von 5 mg Nifidipin/Nitrendipin indiziert. Dies gilt nicht bei einem Myokardinfarkt und instablier Angina pectoris. In diesem Fall sollte 1,2 mg Nitroglyzerin als Spray oder Kapsel gegeben werden. Clonidin und Urapidil weisen einen verzögerten Wirkungseintritt von etwa 10 min auf. Im optimalen Fall sollte dann bereits der hinzugezogene Notarzt vor Ort sein.

Behandlungsprobleme für den Zahnarzt

Neben deutlicher Blutungsneigung bei chirurgischen Eingriffen sind Nebenwirkungen der aktuellen Medikation des Patienten zu beachten. Kalziumantagonisten können beispielsweise Wucherungen des Zahnfleischs hervorrufen. Durch Diuretika kann Mundtrockenheit und Durst ausgelöst werden. Die Anwendung von adrenalinhaltigen Anästhetika sollte vorsichtig erfolgen. Im Zweifel ist immer die Rücksprache mit dem behandelnden Hausarzt oder Internisten vorzuziehen. Gerade wenn es sich um geplante Eingriffe handelt, kann dieser doch sehr geringe Aufwand hilfreiche Zusatzinformationen liefern. Zumal manche Patienten in Bezug auf Ihre Auskunftsfreudigkeit recht sparsam dem Zahnarzt gegenüber bei allgemeinmedizinischen Fragen sind. Generell stellt die Behandlung von Bluthochdruckpatienten bei entsprechender Information über Ausmaß der Erkrankung und Therapie kein gravierendes Risiko dar. Die Erkrankung tritt relativ häufig auf. Es ist in weiten Teilen jedoch eine mittlere Erhöhung vorhanden. Ganz besonders schwere Formen treten sehr selten auf. Eine genaue Instruktion in der Praxis, auch des Personals, sollte jedoch regelmäßig stattfinden, um Komplikationen routiniert und im Sinne des Patienten entgegnen zu können.


Quelle: Alle Quellen sind im Text zitiert.
Autor: Springer Medizin
Stand: Jun 27, 2007


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