Junge Frau wird beim Zahnarzt behandelt.

Osteoporose und orale Gesundheit

Der Zahnarzt kann zur Früherkennung beitragen

Die weit verbreitete Krankheit Osteoporose geht mit einem Schwund der Knochendichte und –struktur einher. Auswirkungen können sich auch im oralen Bereich zeigen. Der aufmerksame Behandler kann zum Screening der betroffenen Patienten beitragen und so eine frühzeitige Behandlung ermöglichen.

Die Zahl der in Deutschland von Osteoporose betroffenen Patienten wird auf etwa 4–6 Millionen geschätzt. Der weitaus größte Teil betrifft Frauen. Gerade im fortgeschrittenen Alter und bei Eintritt der Menopause nimmt die Wahrscheinlichkeit, eine Osteoporose zu entwickeln, deutlich zu.

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Verlust an Knochenstruktur und -substanz

Die im Knochen befindliche Kalziummenge wächst im Laufe des Lebens auf etwa 1–1,5 kg an. Dieser Anteil bleibt zunächst stabil. Erst im Alter nimmt sie wieder um 1–1,5% im Jahr geschlechterabhängig ab. Dabei verändert sich nicht nur die Quantität, sondern auch die Qualität. Letztere wird u.a. durch die Mikro- und Makroarchitektur bestimmt. Bei der Osteoporose gehen insbesondere die Quervernetzungen (Trabekel) der Spongiosa verloren bzw. verlieren an Qualität. Eine bis dahin „normale" Belastung kann bei den Patienten bereits zu Frakturen führen. Die Belastbarkeit des Knochens ist stark reduziert. Als erste Anzeichen bzw. Risikofaktoren einer Erkrankung gelten häufige Frakturen ohne starkes Trauma, ein Verlust an Körperhöhe von mehr als 4 cm, eine deutliche Gewichtsabnahme und/oder eine genetische Disposition (Osteoporose bei der Mutter). Als relative Faktoren kommen Allgemeinerkrankungen wie z.B. fortgeschrittene Niereninsuffizienz, Nebenschilddrüsenüberfunktion, Schilddrüsenüberfunktion oder Störungen der Nahrungsverwertung in Frage. Eine dauerhafte Einnahme von Glukocortikoiden kann ebenfalls eine Osteoporose induzieren (Weiss, W. et al., 2004).

Gestörtes Verhältnis zwischen Knochenab- und -aufbau

Die Balance zwischen Knochenneubildung und Knochenabbau ist bei der Osteoporose zugunsten der Knochenauflösung gestört. Gleiches Phänomen tritt bei der Parodontitis auf. Sie tritt ebenso verstärkt ab dem mittleren Lebensalter auf. Bei Frauen in der Postmenopause hat man zudem einen Anstieg der IL–6– und IL–8–Konzentration im Speichel festgestellt. IL–1 und der TNF sind für knochenauflösende Prozesse bei der Parodontitis verantwortlich. Die Hemmung der genannten Faktoren führt zu einer deutlichen Verringerung der Aktivität der Knochenfresserzellen (Weiss, W. et al., 2004). In einer amerikanischen Untersuchung wurde ein erhöhtes Risiko für einen progredienten Parodontitisverlauf bei Osteoporosepatienten festgestellt (Reddy, MS. Et al.: Oral osteoporosis: is there an association between periodontitis and osteoporosis? Comp Cont Educ Dent (2002); 23(10): 21–28). Ein Zuwachs der Knochenmasse auch im Bereich des Gesichtsschädels ist bei Durchführung einer hormonellen Ersatztherapie mit Östrogen und/oder Kalzium und Vitamin D zu erwarten. Dies bestätigen US–amerikanische Forscher (Hildebolt, C. et al.: Estrogen and/or Calcium Plus Vitamin D Increase Mandibular Bone Mass. J Peridontol (2004); 75: 811–816). Gleichzeitig wird jedoch bei dieser hormonellen Substitution vor einem erhöhtem Schlaganfall- oder Brustkrebsrisiko gewarnt.

Pathomechanismen durch Bisphosphonate beeinflussen

Neben der Kalziumsupplementation (auch als vorbeugende Maßnahme geeignet) ist eine Therapie mit Bisphosphonaten möglich. Diese hemmen effektiv die Aktivität der Knochenfresserzellen. Fluoride bewirken eine Steigerung der Knochendichte. Auch der Einsatz von Parathormon führt zu einer Steigerung der Knochenqualität. Bei den Bisphosphonaten besteht jedoch möglicherweise ein erhöhtes Risiko zur Entwicklung aseptischer Nekrosen im Bereich des Kieferknochens. Patienten unter dieser Medikation sollten daher bei chirurgischen Maßnahmen unter besonderer Sorgfalt behandelt und nachversorgt werden (Diel, I. et al.: Kieferknochenosteonekrose – Nebenwirkung unter Bisphosphonattherapie. InFo Onkologie (2004); 7(4): 328–330).

Der Zusammenhang zwischen Osteoporose und aggressiverem Knochenverlust bei bestehenden Parodontitiden ist unstrittig. Für bereits Betroffene oder Risikopatienten ist daher eine intensive Mundhygieneinstruktion und Aufklärung notwendig, um weitreichende Schäden am Zahnhalteapparat und Zahnlockerung zu vermeiden. Bei Erstpatienten mit relevanter Anamnese sollte auch an eine vorliegende Osteoporose gedacht werden und die entsprechende Überweisung zur Abklärung erfolgen. Bezüglich der Lebensführung ist eine negative Beeinflussung des Krankheitsverlaufes durch unausgewogene Ernährung, mangelnder sportlicher Betätigung, Nikotinmissbrauch und übermäßigen Koffeingenuss bekannt (Chohayeb, A. A. et al.: Influence of osteoporosis on the oral health of menopausal women. General Dentistry(2004): 258–262). Da die Knochendestruktion im Verlauf der Erkrankung auch den Gesichtsschädel betrifft, sollte bei der Planung implantologisch-restaurativer Maßnahmen diesem Aspekt besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden.


Quelle: Weiss, W. et al.: Osteoporose geht alle an – auch die Zahnarztpraxis. ZMK–Sonderheft „Implantologischer Brückenschlag". ZMK (20) SH 10/04: 29–33. Weitere Quellen werden im Text zitiert.
Autor: Springer Medizin
Stand: Jun 13, 2007


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