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Alzheimer und Zahnmedizin

Behandlungsführung von Alzheimerpatienten in der Zahnarztpraxis

Zwischen 4 und 5 Millionen Menschen in der USA leiden an Alzheimer. Dabei liegt der Anteil der über 65jährigen bei 11 %. In der Altersgruppe der über 85jährigen liegt der Anteil der an Alzheimer erkrankten Menschen sogar bei 50 %. Eine Einstellung auf diese Patienten ist daher auch aus zahnärztlicher Sicht notwendig.

Die Ursache der Alzheimererkrankung ist noch nicht abschließend geklärt. Es gilt als sicher, dass die genetische Vorbelastung eine entscheidende Rolle spielt. Häufig wird die Erkrankung auch spät diagnostiziert. Morphologische Veränderungen treten auch während der „normalen" Altersdemenz auf. Die Diagnostik setzt voraus, dass bereits Störungen bei der normalen Alltagsbewältigung auftreten. Dabei stehen Einbußen der Gedächtnisleistung im Vordergrund. Röntgenschichtaufnahmen zeigen eine Hirnvolumenminderung, insbesondere im Bereich des Schläfen- und Scheitellappens. Gerade im frühen Krankheitsstadium kann der Befund aber auch unauffällig sein.

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Amyloidplaques zwischen den Nervenzellen

Ein gravierendes Merkmal der Erkrankung ist das Absterben von Nervenzellen. Dieser Vorgang findet nicht nur in der Hirnrinde, sondern auch in tieferliegenden Hirnstrukturen statt. So ist besonders früh auch der Meynert - Basalkern betroffen. Dort wird normalerweise der Botenstoff Acetylcholin produziert. Durch die Verminderung dieses Stoffes treten erhebliche Störungen bei der Informationsweiterleitung und –verarbeitung auf. Das Absterben der Nervenzellen geht einher mit einer abnormen Ablagerung von Eiweißbruchstücken. Das sind u. a. die bekannten Amyloidplaques. Der zentrale Amyloidkern wird von pathologisch veränderten Nerven- und Stützzellen eingehüllt. Diese Plaques können sich auch in kleinen Blutgefäßen ablagern und deren Durchlässigkeit verringern. Es resultiert zusätzlich eine verminderte Sauerstoff- und Energieversorgung des Gehirns.
Veränderungen dieser Art können auch durch chromosomale Deformationen hervorgerufen werden. Diese sind auf den Chromosomen 1, 14 oder 21 zu finden.

Symptome und Therapie

Störungen der sprachlichen Leistung, räumliche und zeitliche Orientierungsschwierigkeiten gehören zu typischen Symptomen der Erkrankung. Zur Abgrenzung gegenüber anderen Erkrankungen kann zunächst der Mini Mental Status Test eingesetzt werden. Die Blutwerte sind im Gegensatz bei vielen anderen Krankheitsbildern normal und können zusammen mit eindeutigen Befunden aus der Röntgenschichtaufnahme eine Eingrenzung der Erkrankung ermöglichen. Spezifiziert werden kann die Diagnose durch eine Darstellung der regionalen Hirndurchblutung und/oder des regionalen Hirnstoffwechsels (Meißner, T. et al.). Eine eindeutige Befundung liefert nur die Autopsie. Eine Behandlung kann sowohl medikamentös als auch verhaltenstherapeutisch erfolgen. Letztere Maßnahmen sollten dabei im Vordergrund stehen. Verhaltenstherapie, kognitives Training, Realitätsorientierungstraining und Erinnerungstherapie können hilfreich bei der Beseitigung von Unruhezuständen, Sinnestäuschungen und Aggressivität sein. Eine Behandlung mit Antidementiva kann nie die Ursache der Erkrankung behandeln. Mit ihr werden lediglich Folge- und Begleiterscheinungen gemildert (Little, J. W. et al.).

Zahnärztliche Intervention nach strengem Programm

Das zahnärztliche Behandlungsprogramm sollte regelmäßige orale Untersuchungen, Prophylaxesitzungen, Mundhygieneunterweisungen, prothetische Rehabilitation und einen dreimonatigen Recall beinhalten. Alzheimerpatienten nehmen Schmerzzustände anders wahr und drücken diese kaum aus. Nur mit einer besonderen Sensibilität können orale Beschwerden registriert und dann auch behandelt werden. Die Medikamente bewirken zum Teil eine krankhafte Mundtrockenheit. Nur durch eine gezielte Prophylaxe kann die Entwicklung von Karies und Parodontitis eingedämmt werden. Ein wichtiger Parameter ist die Einbeziehung von Angehörigen und/oder Betreuungspersonal. Nur mit ihrer Hilfe ist die häusliche Mundhygiene zu gewährleisten. Als Ziel sollte ein oraler Zustand hergestellt werden, der funktionell und komfortabel, aber auch hygienisch gut kontrollier- und handhabbar ist. Zur Vermeidung oralen Pilzbefalls aufgrund der Mundtrockenheit können die bekannten herkömmlichen Maßnahmen empfohlen werden. Patienten mit geringgradiger Ausprägung sollten aufgrund der schnellen Progression rasch oral rehabilitiert werden. Die psychische Komponente darf dabei nicht vergessen werden. Patienten neigen dabei auch zu Selbstverletzungen, gerade im oralen Bereich. Sie weisen auch oftmals Geschwürbildungen an Lippe, Zunge oder Alveolarmukosa auf – Folgen beim Kauen und oraler Habits. Ihre Motivation zum Selbsterhalt ist gering. Das macht sich in mangelnder Mundhygiene und denn daraus resultierenden Erkrankungen bemerkbar. Darin liegt auch das größte Problem, beim Versuch, einen oral gesunden Zustand herbeizuführen oder zu erhalten. Dieses Ziel ist schlussendlich nur mit der Einbeziehung der betreuenden Personen zu erreichen (Little, J. W. et al.).


Quelle: Little, J. W. et al.: Dental managment of patients wtih Alzheimer`s disease. General Dentistry (2005) ; July-August : 289 – 296. Meißner T. et al.: Morbus Alzheimer – ohne Frühdiagnostik keine Therapie – Erfolge. Zahnärztliche Mitteilungen (2005);
Autor: Springer Medizin
Stand: Jun 13, 2007


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