Versorgung von Bisswunden
Das Gesicht ist besonders häufig betroffen
Bisswunden, verursacht durch Tiere und Menschen, zählen zu den am häufigsten vorkommenden Verletzungen. In einer Vielzahl der Fälle ist das Gesicht betroffen. Therapeutisch stehen neben Infektionsprophylaxe bzw. -behandlung kosmetische und funktionelle Aspekte im Vordergrund.
Tierische Bisswunden werden vielfach von Hunden verursacht. Bei Kleinkindern treten dabei vor allem Verletzungen im Gesicht, Hals- und Nackenbereich auf. Bei älteren Kindern und Erwachsenen sind meist die Gliedmaßen betroffen. Dagegen beißen Katzen oft in die Arme. Hundebisse rufen insbesondere oberflächliche Hautabschürfungen oder Risswunden hervor, aber auch Crushverletzungen treten auf. Katzen hinterlassen auf Grund ihrer schmalen scharfen Zähne eher kleine, tiefe Wunden. Bissverletzungen durch den Menschen entstehen häufig in Folge von Schlägereien, aber auch sexuelle Aktivitäten können Ursache sein.
Infektionsrisiko und Erregerspektrum
Je nach Verletzungsart, Verursacher und Gesundheitszustand des Gebissenen ist das Infektionsrisiko unterschiedlich groß. Die höchste Gefahr einer mikrobiellen Entzündung besteht nach Crush- und Handverletzungen sowie kleinen tiefen Wunden. Crushverletzungen nach Menschenbissen haben ein mittleres Infektionsrisiko. Patienten mit einer Immundefizienz, wie beim Diabetes, unter Kortikoidtherapie oder mit peripheren Gefäßerkrankungen, haben generell eine erhöhte Entzündungsgefahr.
Das Erregerspektrum bei Wundinfektionen nach Katzen- und Hundebissen umfasst u.a. Pasteurella- und Streptokokken-Spezies, Staphylococcus aureus, Capnocytophaga canimorsus und Anaerobier. Mit Ausnahme der Pasteurellen und des C. canimorsus haben entzündete menschliche Bissverletzungen ein vergleichbares Keimspektrum, zusätzlich kommt das Bakterium Eikenella corrodens hinzu.
Infektionsprophylaxe und -behandlung
Infizierte Bissverletzungen lassen sich am effektivsten mit einer Kombination aus einem Breitband-Penicillin und einem Beta-Laktamase-Inhibitor wie z.B. Amoxicillin/Clavulanat sowie Moxifloxacin behandeln. Beide Therapiestrategien decken das Erregerspektrum ab.
Tetanus-Auffrischimpfungen sollten erfolgen, wenn die letzte Impfung mehr als fünf Jahre zurückliegt. Bei unklarem Impfstatus sind eine Tetanus-Grundimmunisierung und eine Gabe von Tetanus-Immunglobulinen angebracht. Eine Indikation zur postexpositionellen Tollwutprophylaxe stellen Tierbisse, die der Verletzte nicht selbst provoziert hat, dar. Aber auch das örtliche Tollwutrisiko spielt eine Rolle.
Chirurgische Therapie
Eine angemessene chirurgische Therapie umfasst Säuberung, Spülung und nachfolgender Wundreinigung. Danach folgt als Therapie der Wahl der Primärverschluss der Verletzung. Ausnahmen stellen Betroffene mit infizierten Wunden oder einem hohen Entzündungsrisiko dar. In diesen Fällen ist ein verzögerter Wundverschluss angebracht. Aber auch Punktionswunden nach Katzenbissen, tierische Bissverletzungen der Arme und Beine sowie mehr als 6-12 Stunden alte Wunden sollten zunächst offen gehalten werden. Menschenbissverletzungen erfordern je nach Art und Lokalisation der Wunde unterschiedliche Vorgehensweisen. Der primäre Wundverschluss ist bei Weichteilverletzungen möglich, wenn sie frühzeitig dem Arzt vorgestellt und adäquat chirurgisch behandelt wurden.
Gesichtsverletzungen durch Hunde betreffen vor allem Lippen, Wangen und Nase insbesondere bei Kleinkindern und können mit Frakturen verbunden sein. Menschen hinterlassen ihre Spuren häufig an den Ohren, aber auch an Nase und Lippen. Das therapeutische Vorgehen ist im Allgemeinen unabhängig vom Verursacher. Generell werden manuelle Spülungen mit Salzlösungen empfohlen. Die Anwendung der pulsatilen Jet-Lavage sollte extrem verunreinigten Wunden vorbehalten sein. Nach anschließender Wundreinigung kann eine Wundnaht folgen, wenn zuvor Schäden an Nerven und Speicheldrüsen ausgeschlossen wurden. Gerade in Bezug auf kosmetische Aspekte bringt der primäre Wundverschluss die besten Ergebnisse.






