Zahn ziehen bei HIV-Patienten

Schnellere Heilung nach Zahn ziehen durch Desinfektion der Alveole

Patienten mit einer HIV–Infektion können mit einer deutlich schnelleren Wundheilung rechnen. Wird in die Alveole sofort nach der Extraktion eine antimikrobielle Paste eingebracht, treten kaum postoperative Ereignisse ein.

In einer Untersuchung der Universität Sao Paulo (Brasilien) wurde die Wundheilung nach einer Extraktion bei HIV–positiven Patienten untersucht. In einer vorbereitenden Arbeit konnte im Tierexperiment (bei Mäusen) eine verbesserte Wundheilung durch Applikation einer antimikrobiellen Paste nachgewiesen werden.

An der Studie nahmen 40 Patienten (33 Männer und 7 Frauen im Alter von 27–47 Jahren) teil. Sie wurden randomisiert in zwei Gruppen zu je 20 Patienten eingeteilt. Nicht teilnehmen durften Patienten mit einer Strahlen- oder Antibiotikatherapie bzw. Patienten mit Drogenkonsum oder neurologischen Störungen. Sie wiesen alle eine HIV-Infektion auf und einen CD4–Wert von durchschnittlich 45 Zellen/mm3. Die Bandbreite lag zwischen 2–115 Zellen/mm3. Die Extraktion jeweils nur eines Molaren wurde von dem selben Chirurgen ausgeführt. Sie fand in Lokalanästhesie (Prilocain/Felypressin) unter Anwendung einer festgelegten Extraktionszange statt.

Nach der Extraktion wurde bei 20 Patienten das Alveolenblut mit einer desinfizierenden Paste vermischt. Diese bestand aus: Jodoform, Kampferparachlorophenol und Rifocort® (Prednisolon, Rifamycin, Propylenglykol). Die Wunde wurde vernäht und der Sitz des Koagulums mit einem Röntgenbild überprüft. Die Kontrollen (klinisch und radiologisch) fanden 2, 7, 14 und 30 Tage nach dem Eingriff statt.

Desinfizierende Paste kann Wundheilung beschleunigen

In beiden Gruppen traten bei zwei Patienten Ereignisse ein. Diese unterschieden sich jedoch deutlich in Intensität und Anlass. Ein prägnanter Unterschied war bei der Wundheilung zu sehen. In der behandelten Gruppe konnte bei 18 der Patienten bereits nach 14 Tagen eine reizlose blassrosa Mukosa ohne jegliche Entzündungszeichen gefunden werden. Nach 30 Tagen fand sich dieser Befund bei allen behandelten Patienten. In der Kontrollgruppe konnten nur 12 Patienten mit diesem Ergebnis gezählt werden.

Da Infektionen das größte Komplikationsrisiko nach einer Zahnextraktion darstellen, insbesondere bei Patienten mit eingeschränkter Abwehrkraft, kann mit der Applikation dieser Medikamentenkombination eine deutlich schnellere und sicherere Wundheilung erreicht werden.


Quelle: Ortega, K. L. et al.: Effect of a topical antimicrobial paste on healing after extraction of molars in HIV positive patients: Randomised controlled clinical trial. British Journal of Oral and Maxillofacial Surgery xxx (2006) xxx-xxx.
Autor: Springer Medizin
Stand: Apr 8, 2008


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