Parodontose

Welchen Einfluss haben verschiedene Umweltfaktoren?

Neben Nikotinmissbrauch, Hormonstatus, allgemeinen Erkrankungen wie z.B. Diabetes und/oder die Einnahme bestimmter Medikamente, spielen auch psychische Belastungen und sozioökonomische Faktoren eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung einer Parodontitis.

Wann und warum entwickelt sich bei einigen Patienten aus einer Zahnfleischentzündung eine Parodontitis? Warum sind die Schäden manchmal lokal begrenzt und manchmal nicht? Und wodurch wird das Ausmaß der Erkrankung bestimmt? Generell gibt es einen Zusammenhang zwischen der Anwesenheit bestimmter Mikroorganismen und dem Ausbruch der Erkrankung. Auf der anderen Seite genügt ihre bloße Existenz nicht, um eine Parodontitis zu induzieren. Die Parodontalerkrankung ist ein Resultat aus dem Zusammenwirken genetischer Voraussetzungen, Umwelteinflüssen, der mikrobiellen Flora und wirtsspezifischer Faktoren wie Alter, Geschlecht, soziale Stellung, allgemeine systemische Erkrankungen und Nikotinmissbrauch.

Systemische Einflüsse

Die Gesamtsituation der Immunreaktion entscheidet über die destruktive Qualität der Erkrankung. Besonders deutlich wird das bei Patienten mit einem Verlust an polymorphkernigen weißen Blutzellen. Bei ihnen werden stets größere Verluste registriert als in Vergleichsgruppen. Auch der Diabetes steht im direkten Zusammenhang mit parodontalen Erkrankungen. Diese Erkenntnis gilt als gesichert und wurde in zahlreichen Untersuchungen belegt. Dabei spielt auch die Art des Diabetes eine Rolle. In einer cross–sektionalen Studie mit fast 1.500 Patienten wurde ein 2,6-fach höherer Knochenverlust bei insulinpflichtigen Diabetikern als in einer Vergleichsgruppe nichtinsulinpflichtiger Diabetiker nachgewiesen. Ein gut eingestellter Diabetes wirkt sich positiv auf das PA–Risiko aus. Umgekehrt sinkt das Risiko von Herz-Kreislauf- sowie Nieren-Problemen bei Diabetespatienten mit einer gut behandelten Parodontitis.

Medikamenteneinfluss seit langem bekannt

Phenytoin ist als Medikament bei Epileptikern verbreitet und führt nachweislich zu Zahnfleischwucherungen. Etwa 50% der entsprechenden Patienten sind davon betroffen. Nach Erstmedikation vergehen durchschnittlich drei Monate bis zum Sichtbarwerden der Symptome. Betroffen ist vornehmlich der Front-, weniger der Seitenzahnbereich. Auch bei Kalziumkanalblockern ist ein, wenn auch deutlich geringerer, Einfluss auf die Ausbildung von Zahnfleischwucherungen bekannt. Auch Nifidipin fällt durch diese Nebenwirkung auf. Cyclosporine, nach Transplantationen verordnet, führen in etwa 30% der Fälle zu Zahnfleischwucherungen. Studien, mit Patienten, welche Steroide verschrieben bekamen, führten bislang zu widersprüchlichen Ergebnissen. In Tierstudien wurde bei Verabreichung von Steroiden ein parodontaler Break down induziert. In anderen Studien konnte derweil kein Einfluss auf den parodontalen Knochenverlust registriert werden. Ein Zusammenhang zwischen Osteoporose und Parodontitis wird zwar beschrieben, dennoch sind noch umfangreiche Studien nötig, um den Zusammenhang endgültig nachzuweisen.

Emotionaler Stress, Rauchen und genetische Voraussetzungen

Der Zusammenhang zwischen Rauchen und Parodontitis wurde in den letzten 15 Jahren intensiv untersucht. Raucher haben ein bis zu 7-fach höheres Risiko, eine Parodontitis zu entwickeln als Nichtraucher. Auch der Umfang des Rauchens spielt dabei eine Rolle. Gelegenheitsraucher weisen im Gegenzug zu starken Rauchern, eine odds ratio von 2,05 zu 4,75 in Bezug auf den Attachmentverlust auf. Es spielt auch eine Rolle, wie lange der Patient bereits geraucht hat.

Stehen Patienten unter starkem psychisch-emotionalem Druck steigt das Risiko für absterbendes Zahnfleisch und Geschwürbildung. Ein Zusammenhang wird u.a. in einer vernachlässigten Mundhygiene, verstärktem Nikotinmissbrauch und eingeschränkter Immunantwort gesehen. Ebenso wird ein Einfluss des erhöhten Kortikoidspiegels diskutiert. Bei Patienten mit hohem Stressfaktor wurden auch vermehrt Entzündungen fördernde Substanzen im Blut gefunden.

Einige genetische Erkrankunken werden auch mit einem erhöhten Parodontitisrisiko assoziiert. Dazu gehört neben dem Chediak–Higashi–Syndrom auch das Ehlers–Danlos–Syndrom. Beim Cohens–Syndrom ist mit einem höheren Knochenverlust als bei Vergleichspatienten zu rechnen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass eine Parodontitis ohne bestimmte Mikroorganismen nicht ausbrechen würde, der Ausprägungsgrad jedoch, wird durch sehr viele Faktoren individuell bestimmt.


Quelle: Kinane, D. F. et al.: Environmental and other modifying factors of the periodontal deseases. Periodontology 2000 (2006); Vol. 40: 107–119
Autor: Springer Medizin
Stand: Jun 13, 2007


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