
Parodontose-Behandlung
Fortschritte bei den manuellen und elektrischen Instrumenten
Für die parodontale Reinigung stehen manuelle und elektrische Geräte zur Verfügung. Erwiesen ist die Effizienz beider Gruppen. Neben den Vorlieben des Behandlers spielen auch das Zeitmanagement, die Patientenakzeptanz und die Kostenfrage eine Rolle bei der Auswahl der Technik.
Die klassische Grundlage für die Parodontaltherapie bilden die Handinstrumente. Bereits 1930 entwickelte Dr. Gracey seinen nach ihm benannten Kürettentyp. Des Weiteren gibt es noch den Sichel- und Hakenscaler, den Meißel, die Feilen und die Universalküretten.
Weltweit verbreitet: Graceyküretten
Graceyküretten haben sich weltweit als die am meisten verwendeten Instrumente für die Wurzelreinigung etabliert. Die Feilen, Meißel und Scaler finden ihre Anwendung vor allem in der Reinigung oberhalb des Zahnfleischs bzw. in der Entfernung besonders grober Partikel unter dem Zahnfleisch. Der Vorteil von Graceyküretten besteht in der einseitigen Schneide. Das empfiehlt sie besonders für das geschlossene Debridement. So werden Schäden am Zahnfleisch weitgehend vermieden. Universalküretten schneiden beidseits. Deshalb können sie gut bei der offenen Reinigung verwendet werden. Neben der Gestaltung der Arbeitsenden kann noch unterschieden werden in Standard, rigide und extra rigide Küretten. Erstere verwendet man bei leichter Zahnsteinbildung und zur Glättung. Die rigiden Instrumente eignen sich bei mittlerer Zahnsteinbildung und mehrfachem Scaling. Bei hartnäckigen Konkrementen und zur groben Vorreinigung sind extra rigide Instrumente indiziert. Die drei Typen unterscheiden sich im Material, der Verarbeitung und der Griffgestaltung (WilleKollmar, W. et al.: Küretten sind nicht gleich Küretten es gibt erhebliche Unterschiede. Dentale Implantologie und Parodontologie (2005); 9 (8): 778773) Zur Vermeidung von Ermüdungserscheinungen werden oftmals breite Griffe konzipiert. Auch sollte die Griffgröße variieren. Gerade wenn viel Scaling durchgeführt werden muss, kann so der Bildung von Handgelenksentzündungen oder gar der Etablierung eines Karpaltunnelsyndroms möglicherweise vorgebeugt werden.
Elektrische Geräte auf dem Vormarsch
In den letzten Jahren ist die Entwicklung elektrischer Geräte zur Zahnsteinentfernung rasant vorangeschritten. Ultraschallgeräte können in piezoelektrische und magnetostriktive eingeteilt werden. Beide arbeiten zwischen einer Frequenz von 25 42 kHz. Bei den piezoelektrischen Instrumenten wird am Arbeitsende eine lineare Bewegung erzeugt. Bei den magnetostriktiven findet man dagegen eine kreisförmige bis ellipsoide Bewegung am Arbeitsende. Schallscaler arbeiten mit einer Frequenz zwischen 2.000 8.000 Hz. Die Arbeitsbewegung erfolgt ebenso ellipsoid. Alle diese Geräte wurden speziell zur Reinigung unterhalb des Zahnfleischs konzipiert (Oda, S et al.). Der Vorteil von Schallscalern liegt in einer geringeren Temperaturentwicklung. Man geht von einer schonenderen Behandlung aus. Das Saumepithel kann besser geschützt" werden. Der Vector basiert auch auf der Ultraschalltechnik. Die Bewegung am Arbeitsende wird jedoch in eine vertikale Bewegung umgelenkt. Ein Kavitationseffekt wird zusätzlich diskutiert. Der Er:YagLaser ist für die Parodontalbehandlung geeignet. Wichtig ist die FeedbackAblation. Dabei wird die Wurzeloberfläche ständig gescannt und nur bei Rückmeldung durch ein Konkrement ein Arbeitsimpuls abgegeben. So können Schäden durch Überhitzung am gesunden Gewebe verhindert werden (Ishikawa, I. et al.: Potential applications of Erbium-YAG laser in periodontics. J Periodont Res (2004); 39: 275-285).
Techniken im Vergleich
Die verschiedenen Methoden wurden in zahlreichen Untersuchungen gegenübergestellt und unter verschiedenen Gesichtspunkten miteinander verglichen:
Bezogen auf die Plaque- und Zahnsteinentfernung sowie die klinischen Parameter, zeigen sich bei den meisten Autoren keine signifikanten Qualitätsunterschiede zwischen manueller und elektrischer Vorgehensweise. Ein zeitlicher Gewinn wird jedoch häufig mit den Schall- und Ultraschallscalern angegeben. Piezoelektrische Scaler arbeiten zeitlich effizienter als magnetostriktive. Die Wurzeloberfläche weist nach Behandlung allerdings auch deutlich größere Rauhigkeiten auf. In tiefen Taschen eigenen sich die Ultraschallscaler gut. Die diamantierten Spitzen (z. B. bei Cavitron®) sind effizienter in der Konkrement- und Plaquentfernung. Sie hinterlassen aber auch eine höhere Rauhigkeit der Oberfläche. Bei der Behandlung von Furkationen kann mit Ultraschall eine höhere Reinigungsleistung erreicht werden. Bis zum Furkationsgrad I zeigen auch Graceyküretten sehr gute Ergebnisse. Danach können die gebogenen Ultraschallansätze ein besseres Ergebnis erzielen (Oda, S. et al.: Current concepts and advances in manual and power driven instrumentation. Periodontology 2000 (2004); Vol. 36: 4558).
Viele Autoren favorisieren auch eine Anwendung beider Techniken (manuell und elektrisch). Durch diese Kombination können die Vorteile beider Vorgehensweisen für einen optimalen Therapieerfolg ausgenutzt werden.






