Parodontitis begünstigt Herpes
Herpesviren lauern in der parodontalen Tasche
Krankheiten verursachende Einflüsse einer Parodontitis auf den Gesamtorganismus sind seit langem bekannt. In einer aktuellen Studie konnten Wissenschaftler nun nachweisen, dass parodontale Schädigungen Nistplätze für Cytomegalie- und Epstein-Barr-Viren sind und einer Transmission via Speichel Vorschub leisten.
Bislang galt es als gesichert, dass das Hauptreservoir für Herpesviren im Speichel das Speicheldrüsengewebe und die Epithelzellen der Ausführungsgänge sind. Speichel kann bei infizierten Individuen also periodisch Herpesviren enthalten und dient so als Vehikel zur Transmission von einer Person zur anderen.
Nun haben Wissenschaftler der Universitäten Ankara und Los Angeles in einer aktuellen Studie aber herausgefunden, dass bei bestimmten Formen der Parodontitis ebenfalls hohe Herpesvirenladungen in der parodontalen Tasche zu finden sind, die das Speichelreservoir an Viren nähren.
An 20 Patienten mit aggressiver oder chronischer Parodontitis wurden virologische Proben entnommen und jeweils vor Beginn, während und nach der Parodontal-Behandlung mittels PCR untersucht, um Virengenom des humanen Cytomegalie-Virus (HCMV) und des Epstein-Barr-Virus (EBV) zu identifizieren und quantifizieren.
HCMV- und EBV-Infektionen sind vor allem bei immunschwachen Menschen (HIV-Patienten, Patienten nach Organtransplantation) gefürchtet, dort verursachen sie schwerste Krankheitsbilder und tragen zur Entstehung von Tumoren bei. Als Herpesviren werden sie während der Erstinfektion sowie in Episoden der Reaktivation von einer auf die andere Person übertragen. Auch eine Übertragung auf die Gebärmutter ist möglich: HCMV ist in der Schwangerschaft die Hauptursache infektiöser Komplikationen und daraus resultierender Fehlbildungen des Babys.
Parodontose-Behandlung führt zu weniger Herpesviren
Häufig jedoch ist das Transmitter-Medium der Speichel. Hauptziel der Studie war es daher zu untersuchen, inwieweit eine Parodontal-Therapie den Speichellevel der beiden Viren zu reduzieren vermag und so das Risiko mindert, nahe Verwandte und andere Personen in engem Kontakt zu infizieren. Es zeigte sich, dass die Behandlung bei allen Patienten zu einer signifikanten Verminderung der Virenlast im Speichel führte, was von den Forschern als wichtige Erkenntnis für die öffentliche Gesundheit gewertet wurde: Dem Fortbestehen von HCMV- und EBV-Viren im Mund kann durch eine Parodontal-Therapie entgegengewirkt werden. So lässt sich eine wichtige Quelle für infektiöse Herpesviren im Speichel ausschalten.



