
Prävention & Prophylaxe
Effektive Maßnahmen gegen Karies
Die Etablierung kariesprophylaktischer Maßnahmen in den letzten zwanzig Jahren hat zu einer deutlichen Reduktion der Volkskrankheit Nr. 1" geführt. Mit der sinnvollen Kombination einzelner Methoden werden die größten Erfolge erzielt.
Seit den 70er und 80er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde die Gruppenprophylaxe in Deutschland unter Federführung der Landesarbeitsgemeinschaften (LAG) systematisch ausgebaut. Fissurenversiegelungen und Fluoridierungsmaßnahmen gehören mittlerweile zum State of the art". Die Aufklärung über (zahn)gesunde Ernährung beginnt bereits im Kleinkindalter, und es werden Reihenuntersuchungen zur Erfassung von Kindern mit erhöhtem Kariesrisiko durchgeführt.
Gruppenprophylaxe fördert Selbstverständnis und Compliance
Das Ziel gruppenprophylaktischer Maßnahmen besteht in erster Linie in der Prävention und Aufklärung. Gleichzeitig ermöglicht sie aber auch die Früherkennung (sekundär präventive Maßnahmen). Die Gruppenprophylaxe sollte Zahnputzübungen, Ernährungsberatung, lokale Fluoridapplikation und Aufklärungs- und Beratungsangebote für Eltern und Betreuer einschließen. Im Vorschulalter ist die Gruppenbetreuung im Kindergarten zu empfehlen. Das soziale Umfeld ist ihnen dort vertraut und die Bereitschaft zum organisierten Lernen groß. Kinder mit erhöhtem Kariesrisiko können erfasst und der notwendigen Intensivprophylaxe zugeführt werden. Nach einer Empfehlung der DGZMK sollten zweimal im Jahr Prophylaxeübungen stattfinden. Die Fluoridlackapplikation ist in Abstimmung mit dem Hauszahnarzt ebenfalls zweimal jährlich empfohlen oder sollte zwei- bis sechsmal jährlich durch das Einbürsten von Fluoridgelee erfolgen.
Fluoridierung: Das Mittel der Wahl
Nach neuesten Erkenntnissen wirken Fluoride in erster Linie durch den direkten Kontakt mit der Zahnoberfläche karieshemmend. Die in der Vergangenheit übliche systemische Gabe wird deshalb nicht mehr angeraten. Die DGZMK empfiehlt das Zähneputzen mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta (Fluoridgehalt 500 ppm) einmal am Tag, sobald der erste Milchzahn durchgebrochen ist. Die Zahnpasta sollte geschmacklich nicht dazu verleiten heruntergeschluckt zu werden. Ab dem zweiten Lebensjahr kann die Zahnreinigung zweimal täglich mit fluoridhaltiger Zahnpasta erfolgen. Mit dem Schulbeginn wird die Verwendung einer Zahnpasta mit einem Gehalt von 1.000-1.500 ppm angeraten. Die Fluoridsupplementation wird zielgerichtet von 0,25 mg/d (ab sechs Monate) auf 1 mg/d (ab sechs Jahre) gesteigert. Dabei ist die bereits vorhandene Konzentration an Fluoriden im Trinkwasser und in der Nahrung mit einzubeziehen. Die Bemühungen gehen dahin, die Fluoridspeichelkonzentration zu erhöhen. Eine optimale Methode stellt die Verwendung von fluoridiertem Speisesalz dar. Dabei wird gewährleistet, dass mehrmals täglich eine Zufuhr von Fluoriden stattfindet. Dadurch wird eine gleichmäßige und kontinuierliche Speichelkonzentration als Basis für das Remineralisationspotenzial des Speichels geschaffen. Die Furcht vor einer toxikologischen Überdosierung wurde durch Studien widerlegt (Schulte et al.: Fluoridausscheidung im Urin von in Deutschland lebenden Erwachsenen. Deutsche Zahnärztliche Zeitschrift;2001; 56:549-553). Leider ist in Deutschland für Großküchen immer noch eine Ausnahmegenehmigung erforderlich, wenn diese fluoridiertes Speisesalz verwenden wollen. Ein hoher Prozentsatz der Bevölkerung nimmt aber mindestens eine Hauptmahlzeit am Arbeitsplatz oder in der Schule ein. Von der prophylaktischen Maßnahme würden also sowohl Kinder als auch Erwachsene profitieren (Schulte et al.: Fluoridiertes Speisesalz für Großküchen. Zahnärztliche Mitteilungen; 2003;11:38-41).
Fissurenversiegelung notwendig?
Durch die heute vielfältigen Möglichkeiten bei der Diagnostik der Fissurenkaries stellt sich die Frage nach der Versiegelungsnotwendigkeit. Das Aussondieren der Fissur wird mittlerweile von einigen Wissenschaftlern abgelehnt. Die Gefahr, dass die Fissur beim Sondieren beschädigt wird und Bakterien auf Nachbarfissuren übertragen werden, sei zu groß. Aber auch mit Hilfe der Diapheinoskopie oder elektrischer Widerstandsmessung ist es nicht immer möglich, eine zweifelsfreie Diagnose zu stellen. Die DGZMK empfiehlt in diesem Fall eine gering gradige Erweiterung der Fissur. Unter Sicht kann dann das weitere Vorgehen entschieden werden. Grundsätzlich sollte eine Versiegelung bei stark zerklüftetem Relief und /oder als Präventionsmaßnahme bei Kindern mit erhöhtem Kariesrisiko vorgenommen werden. Es sollten die Fissuren auf den Kauflächen und den Seitenflächen versiegelt werden. Einziehungen am Übergang zum Tuberculum carabelli und Foramina coeca stellen ebenfalls eine Indikation dar. Der Zeitpunkt nach dem Zahndurchbruch ist dabei so festzulegen, dass eine ausreichende Trockenlegung möglich ist. Entweder mit Hilfe der Kofferdam- oder der Vierhandtechnik. Als Versieglungsmaterial werden fluoridabgebende Kunststoffe empfohlen. Die Möglichkeit mit Glasinonomerzementen zu versiegeln, sollte bei Allergien (Formaldehyd, Monomere) und unkooperativen Kindern in Betracht gezogen werden. Die Kontrolle der Versiegelung sollte ein- bis viermal im Jahr erfolgen. Nicht mehr intakte Versiegelungen können dann rechtzeitig ergänzt oder erneuert werden.






