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Kariesprophylaxe

Fluorid, Kalzium, Ozon und Co.

Als Eckpfeiler zahnmedizinischer Prävention gelten eine ausgewogene Ernährung, zweckmäßige Zahn- und Mundpflege sowie die Anwendung von beispielsweise Fluoriden. Neue Untersuchungen beschäftigen sich mit dem Nutzen von Kalzium oder Ozon in der Prophylaxe.

Karies ist eine multifaktorielle Erkrankung, die durch kariogene Bakterien ausgelöst wird. Auf dem Weg zu einem schönen und gesunden Gebiss und zum Erhalt der eigenen Zähne ein Leben lang gilt die Prophylaxe als unbestritten wirksame Maßnahme. In den letzten Jahren ist auch in Deutschland ein Kariesrückgang zu verzeichnen. Dies ergab die zum vierten Mal bundesweit erhobene Studie zum Zahngesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege: Dokumentation gruppenprophylaktischer Maßnahmen - Auswertung des Schuljahres: 2003/2004; Bonn 2005).

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Unverzichtbar: Fluorid

Dieser erfreuliche Rückgang lässt sich vornehmlich auf die flächendeckende lokale Anwendung von Fluoriden zurückführen. Die direkte Fluoridexposition liefert erwiesenermaßen den besten Kariesschutz. Dennoch spielt auch die systemische Fluoridprophylaxe eine Rolle. Der Verkauf von fluoridiertem Speisesalz ist in Deutschland seit 1991 erlaubt. Allerdings dürfen Bäckereien, Restaurants, Kantinen und die Lebensmittelindustrie kein fluoridiertes Speisesalz verwenden. Da aber immer mehr Kinder und auch Erwachsene sich von Fertigprodukten ernähren oder ihre Mahlzeiten in Kantinen einnehmen, besteht nach wie vor die Gefahr einer Unterversorgung (Schulte AG et al.: Salt fluoridation in Germany since 1991. Schweiz Monatsschr Zahnmed 2005; 115: 659-662).
Auf der anderen Seite steigt aber auch das Risiko für die Entwicklung einer Dentalfluorose. Zur Vermeidung einer Fluorose ist eine Fluoridanamnese in Kombination mit einer Erhebung des individuellen Kariesrisikos von entscheidender Bedeutung (Browne, D. et al.: Fluoride metabolism and fluorosis. Journal of Dentistry (2005); 33:177-86).

Plaquekontrolle – das A & O

Im Bemühen, die Effizienz der Plaquekontrolle noch weiter zu verbessern, sind neben den Fluoridpasten in den letzten Jahren verstärkt Pasten mit dem Wirkstoff Triclosan auf den Markt gekommen. Der Zusatz des breit wirksamen antimikrobiellen Triclosans in Konzentrationen von 0,1-1% zu Zahnpasten kann Plaque und Gingivitis effektiver vermindern, als es herkömmliche Fluoridpasten vermögen. Insbesondere bei schwierigen Putzsituationen lässt sich so eine bessere Keimreduktion erzielen (Hioe KPKJ et al.: The effectiveness of self-performed mechanical plaque control with triclosan containing dentifrices; Int J Dent Hygiene 3, 2005: 192-204).

Aber nicht immer lässt sich Karies durch die persönliche Mundhygiene und die Anwendung von Fluoriden stoppen – daher werden derzeit verschiedene andere Möglichkeiten auf ihre Praxistauglichkeit hin untersucht.

Das Beste aus der Milch – Kalzium in der Kariesprophylaxe

Milchprodukte können erwiesenermaßen einen pH-Abfall reduzieren, die Demineralisierung verhindern und die Remineralisierung fördern. Dies machten sich Wissenschaftler zunutze und entwickelten ein Mundhygieneprodukt, welches ein in der Milch vorkommendes Protein enthält: Kaseinphosphopeptid (CPP). Dieses geht Verbindungen mit Kalzium und Phosphaten ein und vermag amorphes Kalziumphosphat (ACP) zu stabilisieren. In verschiedenen Studien konnte die antikariogene und remineralisierende Wirkung dieses CPP-ACP-Komplexes gezeigt werden. Als Applikationsform verwendete beispielsweise Shen et al. einen CPP-ACP-Kaugummi. Im Vergleich mit einem CPP-ACP-freien Kaugummi konnte eine um bis zu 152% bessere Remineralisierung erreicht werden (Shen P. et al.: Remineralization of enamel subsurface lesions by sugar-free chewing gum containing casein phosphopeptide-amorphous calcium phosphate. J Dent Res. 2001 Dec;80(12):2066-70). Auch die Säureresistenz von remineralisiertem Schmelz war stärker ausgeprägt (Iijima Y. et al.: Acid resistance of enamel subsurface lesions remineralized by a sugar-free chewing gum containing casein phosphopeptide-amorphous calcium phosphate. Caries Res. 2004 Nov-Dec;38(6):551-6).

Nutzen von Ozon nicht zweifelsfrei geklärt

Über die Bedeutung von Ozon in der Kariesbehandlung wird derzeit noch kontrovers diskutiert. Bewährt hat sich die Ozonbehandlung bei ängstlichen Kindern. Die schmerzfreie Kariesbehandlung führte bei 65% der Fälle bei Kindern mit offenen, leicht zugänglichen Kariesschädigungen zu einem Angstabbau. Alle Kinder kamen daher auch stress- und angstfrei zur nächsten Behandlung (Dähnhardt JE et al.: Rund ums Ozon in der Zahnmedizin. ZM 94(7):40-44).

Eine Analyse verschiedener Studien zeigte jedoch inkonsistente Effekte der Ozonanwendung bei Karies (Rickard GD et al.: Ozone therapy for the treatment of dental caries (Cochrane Review); In the Cochrane Library; 2005 (3)). Daher ist derzeit keine verlässliche Aussage möglich, ob Ozon die Karies stoppt oder zurückgehen lässt. Weitere klinische Studien sind nötig, bevor ein routinemäßiger Einsatz in der Praxis empfohlen werden kann ( McComb D : No reliable evidence that ozone gas stops or reverses tooth decay; Evid Based Dent. 2005;6(2):34).


Quelle: Alle Quellen werden im Text zitiert.
Autor: Springer Medizin
Stand: Jun 13, 2007


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