Geschlossene Zahnreihen?
Probleme beim Zahnreihenschluss vermindern die Lebensqualität
Nicht-optimaler Zahnreihenschluss ist eine der häufigsten Fehlfunktionen im Mund- und Gesichtsbereich. Er ist auf zahlreiche genetische wie äußere Faktoren zurückzuführen. Schmerzen, Hart- und Weichgewebstraumata und Einschränkungen bei Kaufunktion und Sprachbildung sind nur einige Konsequenzen und machen den Wunsch der Patienten nach kieferorthopädischen Regulierungen zur Verbesserung der Schließverhältnisse verständlich.
Die vorliegende Studie zeigt eine Literaturübersicht über die physischen, psychischen und sozialen Auswirkungen des nicht-optimalen Zahnreihenschlusses und dessen Veränderung bei kieferorthopädischer Regulierung. Erfasst wurden in der Medline veröffentlichte retrospektive und prospektive Langzeitstudien zwischen 1966 und 2004.
Physische Auswirkungen auf die Lebensqualität der Patienten haben Schmerzzustände unterschiedlicher Krankheitsursachen, resultierend aus Fehlfunktionen des Kiefergelenks, schmerzender Kaumuskulatur und dentalen oder mukösen Traumata. Besonders bei Klasse-2-Patienten wurden mit kieferorthopädischer Behandlung Verbesserungen erzielt. Zusammenhänge von nicht-optimalem Zahnreihenschluss und Kauvermögen und -effizienz waren schwer nachweisbar. Im Weiteren können Zahnfehlstellungen Sprachstörungen bedingen (z.B. Schwierigkeiten bei s-, z-, und ch- Lauten bei Über- und Tiefbiss).
Missverhältnisse im Zahnreihenschluss haben auch psychische Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein der Patienten. Je massiver die Abweichung umso minderwertiger fühlten sich die Befragten. Soziale Auswirkungen wurden vor allem bei Kindern dokumentiert. Hemmungen bei sozialen Interaktionen und fehlende soziale Integration, bis hin zu Angstzuständen und Depressionen, die sich im Erwachsenenalter verstärken können, sind die Folge. Als häufigste Ursache wurden in diesem Zusammenhang Frontzahnanomalien wie Engstände oder Zahnlücken genannt.
Sehr unterschiedliche Ergebnisse bezüglich der sozialen Auswirkungen
Zusammenfassend ist zu sagen, dass in den untersuchten Studien teilweise sehr kontroverse Meinungen über physische, psychische und soziale Auswirkungen von nicht-optimalem Zahnreihenschluss und dessen kieferorthopädischer Korrektur herrschen. Unterschiedliche Interpretationen der Autoren und ein Mangel an standardisierten, über einen längeren Zeitraum angelegten Kohortenstudien mit homogener Probandenstruktur machen einen Vergleich der Auswirkungen auf die Lebensqualität der Patienten schwierig. Übereinstimmungen gibt es hingegen bei der Einschätzung des Nutzens kieferorthopädischer Regulationen zur Verbesserung der medizinischen und gesellschaftlichen Gesamtsituation der Patienten.



