Craniomandibuläre Dysfunktionen
Wenn das Kiefergelenk in die Schieflage gerät
Wenn der Kauapparat Probleme bereitet, leiden nicht nur die Zähne. Dennoch werden Warnzeichen häufig ignoriert - mit mitunter weitreichenden Folgen.
Mit der Nachtruhe beginnt in vielen deutschen Schlafzimmern die Zeit des großen Zähneknirschens. Viele Menschen wissen, dass das nächtliche Knirschen den Zähnen schadet. Weniger bekannt ist, dass auch das Kaugelenk in Mitleidenschaft gezogen werden kann. Dies wiederum kann Konsequenzen für den ganzen Körper nach sich ziehen, denn längst konnte wissenschaftlich bewiesen werden, dass die Funktion des Kausystems und die Funktion der gesamten Wirbelsäule direkt miteinander zusammenhängen. Entsprechend breit sind die Symptome gestreut.
Erste Warnzeichen werden häufig ignoriert
Ein Knacken beim Gähnen oder Kauen ist häufig ein untrüglicher Hinweis, dass mit dem Kiefergelenk etwas nicht stimmt. Weil das Geräusch jedoch keine weiteren Probleme wie Schmerzen mit sich bringt, suchen die wenigsten der Betroffene einen Arzt auf. Ein Fehler, der sich schon bald rächen kann, denn hinter dem Knacken verbergen sich häufig sogenannte Craniomandibulären Dysfunktionen (CMD). Dabei handelt es sich um Funktionsstörungen, die durch Fehlstellungen zwischen Schädel und Unterkiefer verursacht werden.
Patienten mit CMD leiden nicht immer sofort unter deutlichen Beschwerden wie Bewegungseinschränkungen des Kiefergelenks. Häufig führt die Funktionsstörung jedoch früher oder später zu schmerzhaften Bewegungseinschränkungen, wenn der Patient den Mund öffnen will. Sitzt der Gelenkkopf des Kiefergelenks aufgrund der Fehlstellung nicht richtig in der Gelenkpfanne, ist auch ein Ausrenken des Kiefers ist möglich.
Diffuse Krankheitsbilder erschweren die Diagnose
Bleibt die Fehlstellung des Kiefers unbehandelt, kann es langfristig zu einer stärkeren Belastung einer Körperhälfte kommen, die den gesamten Körper in die Schieflage bringt. Denn die Bewegungen des Kiefers setzen sich wie eine Kettenreaktion von oben bis unten durch den ganzen Körper fort. Wird der Körper ungleich beansprucht, werden auch die entsprechenden Muskelgruppen einseitig angespannt und können auf lange Sicht ungleichmäßig verkürzen. Häufig sind die Symptome daher nicht auf das Kiefergelenk beschränkt.
Die häufigsten Beschwerden sind Kopf-, Schulter-, Rücken- oder Hüftschmerzen, Ohrgeräusche, Schlafstörungen und Schluckbeschwerden. Entsprechend schwierig gestaltet sich die Diagnose, denn die meisten Menschen gehen symptombezogen zu einem Facharzt. Oft werden dann nur lokale Beschwerden behandelt und die CMD verschlimmern sich. Die richtige Diagnose kann nur ein Zahnarzt oder Kieferorthopäde nach Untersuchung des Kausystems stellen.
Unterschiedliche Therapieansätze bringen Erleichterung
Wenn geklärt ist, welche funktionellen Zusammenhänge zwischen den Beschwerden des Kaugelenks und dem gesamten Bewegungssystem bestehen, kann mit einer zielgerichteten Therapie begonnen werden. Zunächst bietet es sich an, die ungünstigen Kontaktverhältnisse der Zähne durch spezielle Kunststoffkappen auszugleichen. Eine andere Möglichkeit ist, die ursprüngliche Kieferstellung durch eine Zahnspange wiederherzustellen. Zusätzlich können Physiotherapeuten helfen, die speziell für manuelle Therapieverfahren am Kiefergelenk ausgebildet sind. Eine Operation am Kiefergelenk wird nur sehr selten in Betracht gezogen.
Häufig bringen sogenannte myofunktionelle Übungen Erleichterung bei Kieferbeschwerden. Mithilfe dieser Übungen werden die mundmotorischen Fähigkeiten verbessert und so Fehlfunktionen von Kau- und Gesichtsmuskulatur reduziert. Geht das nächtliche Knirschen auf starken psychischen Druck zurück, sollte eine Psychotherapie in Betracht gezogen werden. Denn nur, wenn die Betroffenen in der Lage sind, Stress und Aggression abzubauen, können sie dauerhaft beschwerdefrei bleiben.



