Kopf- oder Kieferschmerzen?
Unterscheidung spielt bei der Behandlung eine wichtige Rolle
Hinter diagnostizierten Spannungskopfschmerzen könnten sich auch Kieferschmerzen (Temporomandibuläre Dysfunktion, TMJD) verbergen: US-amerikanische Forscher fanden heraus, dass die TMJD bei vielen Betroffenen nach den gültigen Diagnose-Kriterien auch fälschlicherweise als Spannungskopfschmerz erkannt werden könnte.
Die TMJD kommt häufig vor, schätzungsweise 5-10% der US-Amerikaner leiden so sehr darunter, dass sie medizinische Hilfe benötigen. Allerdings gestaltet sich die Diagnose schwierig, da viele Symptome auch bei anderen Erkrankungen vorkommen. Da verlässliche diagnostische Kriterien fehlen, ist das Erkennen der TMJD von der subjektiven Beurteilung des Arztes oder Zahnarztes abhängig. Nun versuchen Wissenschaftler einen Katalog zu entwickeln, mit dessen Hilfe die TMJD zuverlässig festgestellt werden kann. Die vorliegende Arbeit ist ein Teil dieses Projektes.
In der Studie untersuchten die Autoren Probanden mit deutlichen Anzeichen einer TMJD. Die diagnostischen Kriterien der TMJD beruhten auf den etablierten Research Diagnostic Criteria for Temporomandibular Disorders (RDC/TMD) und die Diagnose des Kopfschmerzes auf den Richtlinien der International Headache Society (IHS). Die Untersuchung schloss eine Reihe funktioneller und orthopädischer Tests sowie die Schmerzempfindlichkeit nach Druckausübung auf kopfschmerzassoziierten Muskeln ein.
An der Studie nahmen 583 Personen teil, davon waren 82,3% Frauen und 17,7% Männer. Die Autoren konnten für 152 Probanden (31,5%) basierend auf den IHS-Kriterien einen Spannungskopfschmerz diagnostizieren.
Kiefer- und Kopfschmerzen sind schwer zu unterscheiden
Die Studienergebnisse belegen, dass Kiefer- und Kopfschmerzen zum Teil schwer auseinander zu halten sind. Das ist umso schwerwiegender, da die TMJD häufig gut zu behandeln ist. Dazu muss sie jedoch erst einmal erkannt werden: Die Kopfschmerz-Therapie könnte einschränkende TMJD-Beschwerden außer Acht lassen. Überschneidungen zwischen Kiefer- und Kopfschmerz sind nicht ausreichend bekannt, so dass Mediziner häufig ersteren als Differenzialdiagnose ignorieren, so die Meinung der Autoren.



