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Pflanzenmittel in der Zahnmedizin

Gute Wirkung bei sorgfältiger Anwendung

Pflanzliche Heilmittel werden auch in der Zahnmedizin häufig eingesetzt – man denke nur an Nelkenöl, das Zahnschmerzen lindern kann. Doch auch bei der Verwendung natürlicher Mittel ist Vorsicht geboten. „Viel hilft viel" ist hier genauso fehl am Platze wie bei anderen Medikamenten.

Bereits unsere frühen Vorfahren wussten um die Heil- und Giftwirkung von Pflanzen und setzten sie – als Frischpflanze, getrocknet oder als Pflanzenextrakt – gezielt gegen bestimmte Beschwerden ein. Und auch heute ist die Behandlung auf pflanzlicher Basis (Phytotherapie) in vielen Bereichen der Medizin die Regel.

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Einsatzgebiete in der Zahnmedizin

In der Zahnmedizin stehen die Anwendungsgebiete Schmerz, Zahnfleischentzündung (Gingivitis) und Zahnfleischbluten im Vordergrund. Die Zahl von Pflanzen mit schmerz- und entzündungshemmender Wirkung ist groß. So findet man Pfefferminze, Lavendel, Kamille und/oder Myrrhe in vielen Zahnpasten, Spülungen und Zahnfleischtinkturen. Allgemein bekannt ist die betäubende Wirkung der Nelke. Das Gewürz selbst oder das Öl hilft – wie auch Melisse – gegen Zahnschmerzen. Die Nelkenöle entfalten zudem eine antientzündliche Wirkung bei Zahnfleischproblemen. Salbei wird gegen Zahnfleischbluten eingesetzt, um nur einige Beispiele zu nennen.

Auch rein pflanzliche Mittel sind nicht „ohne"

Die Bezeichnungen „rein pflanzlich" und „natürlich" wecken bei vielen die Assoziation von „ungefährlich". Doch weit gefehlt. Auch bei pflanzlichen Mitteln gibt es Risiken und Nebenwirkungen. Dies wird allein dadurch deutlich, dass viele synthetische Arzneimittel verbesserte Nachahmungen pflanzlicher Mittel sind. Wichtig für die Sicherheit der Pflanzenmedizin ist der so genannte therapeutische Index. Dieser beschreibt das Verhältnis aus der notwendigen Menge für eine heilende Wirkung und der Grenzdosis, ab welcher mit Nebenwirkungen gerechnet werden muss. Als „sicher" gelten pflanzliche Mittel mit einem hohen therapeutischen Index.

Als Nebenwirkungen von Pflanzenpräparaten sind Überempfindlichkeiten, Vergiftungsreaktionen oder so genannte paradoxe Reaktionen, bei denen sich die Wirkung der Mittel ins Gegenteil kehrt, bekannt. Die unerwünschten Reaktionen werden aber nicht immer von den pflanzlichen Wirkstoffen selbst verursacht, sondern können auch die Folge herstellungsbedingter Verunreinigungen sein. So wurden bisweilen Arsenspuren und Quecksilber, radioaktive Substanzen, Pestizide, Insektizide, wie auch Zink oder Aluminium in pflanzlichen Produkten gefunden. Dies ist möglich, weil nicht zulassungspflichtige Arzneimittel leider nicht denselben strengen Qualitätskontrollen unterliegen wie zulassungspflichtige.

Viel hilft nicht unbedingt viel!

Die Gefahr von Nebenwirkungen lässt sich dennoch senken – zu allererst durch die konsequente Einhaltung der vorgeschriebenen oder vom Arzt empfohlenen Dosis. Denn selbst vermeintlich völlig ungefährliche Naturstoffe können bei Überdosierung teils sehr unangenehme Reaktionen hervorrufen. So führt zum Beispiel eine zu hohe Dosierung von Pfefferminze nicht selten zu Kontaktekzemen (Kontaktdermatitis).

Vorsicht auch vor Wechselwirkungen mit anderen Arzneien!

Doch nicht nur unerwünschte Wirkungen, sondern auch die Wirkungsbeeinflussung anderer Medikamente spielt bei der Anwendung von pflanzlichen Produkten eine Rolle. Deshalb müssen Patienten, die regelmäßig verschreibungspflichtige Medikamente einnehmen, die Packungsbeilagen genau studieren. Zum Beispiel kann das Extrakt aus der Aloe vera, das heute auch in einigen Zahncremes enthalten ist, die Wirkung verschiedener anderer Arzneimittel, z.B. von Medikamenten gegen Diabetes oder Herzrhythmusstörungen, negativ beeinflussen. Mutterkraut, das die Beschwerden nach dem Zahnziehen mindert, ist ein weiteres Beispiel. Das Pflanzenmittel sollte nicht angewendet werden, wenn Sie Blutgerinnungshemmer oder Aspirin einnehmen müssen, weil sich dann das eh vorhandene Risiko unter dieser Medikation für Geschwülste im Mund noch erhöht.

Werden pflanzliche Arzneimittel jedoch gemäß ihres Anwendungsgebietes, in der richtigen Dosis und unter Beachtung der möglichen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten eingesetzt, können sie selbst gute Behandlungsergebnisse erzielen oder die anderen Behandlungsverfahren wirkungsvoll ergänzen.


Quelle: Magee, K.A. et all.: Herbal therapy: a review of potential health risk and medicinal interactions. Orthod Craniofacial Res (2005); 8:60-70
Autor: Springer Medizin
Stand: Jun 27, 2007


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