
Zahnbehandlung und Würgereiz
Neue Therapiemöglichkeiten bei Würgereizpatienten
Ein mehr oder minder stark ausgeprägter Würgereiz beim Patienten zählt zu den häufigen Komplikationen im Rahmen einer Zahnbehandlung. In schweren Fällen ist der Rachenreflex so intensiv, dass selbst ein Bürsten der Molaren oder eine zahnärztliche Grunduntersuchung erheblich erschwert oder sogar unmöglich wird. Als neue Therapieoption bietet sich die Behandlung mit Methanthelinium Bromid an.
Ein übersteigerter Würgereiz kann bei der Abdrucknahme, Trockenlegung im Rahmen von Restaurationsmaßnahmen, dem intraoralen Platzieren von Röntgenfilmen oder während des Eingliederns von Zahnersatz sehr hinderlich sein oder notwendige Therapiemaßnahmen sogar gänzlich verhindern. Als "Triggerzone" für den Rachenreflex gelten die seitliche Begrenzung der Rachenenge (Isthmus faucium), die hintere Zunge, der Gaumen und die Uvula. Ursachen sind sowohl psychogene als auch physiogene Reizfaktoren. Zu den vier wichtigsten ätiologischen Faktoren zählen lokale oder systemische Erkrankungen, anatomische Eigenheiten, psychologische Faktoren und iatrogene Komponenten. Bei bestimmten Patienten ist der Würgereiz am Vormittag ausgeprägter als zu anderen Tageszeiten.
Trotz zahlreicher beschriebener Therapiemaßnahmen fehlen bis heute evidenzbasierte Daten zu dieser Problematik und damit auch allgemeingültige Empfehlungen für die Behandlung des übersteigerten Würgereizes. Die Betäubung der "Triggerzone" mit Oberflächenanästhetika in Sprayform oder durch eine gezielte Injektion führen bei extrem ausgeprägtem Rachenreflex oft nicht zum gewünschten Erfolg. Weitere Therapieoptionen reichen von der Ohrakupunktur, der Applikation von Tafelsalz auf der Zungenspitze über die Inhalation von Lachgas bis zur Verabreichung von niedrig dosiertem Diazepam. Relativ neu ist die Behandlung mit Methanthelinium Bromid, einem quarternärem Ammoniumderivat mit anticholinerger Wirkung. Nach den Ergebnissen einer einschlägigen Studie führte dieses Präparat zwei Stunden nach der Einnahme zu einer deutlichen Prolongation der Zeit bis zum Auslösen eines Würgereizes.






