Entwicklungsgeschichte
Vom Sinn der Menopause
Mit den Wechseljahren verlieren die Frauen ihre Gebärfähigkeit. Damit unterscheiden sich die Menschen von den Tieren. Dieser Vorgang scheint aber Sinn zu machen. Forscher gehen davon aus, dass so der Fortpflanzungserfolg erhöht wird.
Die Wechseljahre der Frau sind etwas Einzigartiges
Diesen Schluss legen die Beobachtungen eines internationalen Forscherteams nahe, das Schimpansen mit Jäger-Sammler-Gesellschaften in Afrika und Südamerika verglich. Dabei kamen die Wissenschaftler zu dem überraschenden Ergebnis, dass die Affen ab einem Alter von 40 Jahren zwar unfruchtbarer werden, aber die Fähigkeit zur Fortpflanzung nicht gänzlich verlieren wie ihre menschlichen Verwandten. Die Körpersysteme für die Reproduktion altern beim Menschen schneller als die anderen Körperorgane, erklärten die Forscher im Fachblatt Current Biology". Bei Schimpansen und anderen Affen verläuft die Alterung gleichmäßig, sie sind daher vermutlich ihr ganzes Leben lang zeugungsfähig. Da sie keine Zeichen für eine Menopause bei den Schimpansenweibchen fanden, halten die Forscher die unfruchtbare Lebensphase der menschlichen Spezies für eine Besonderheit. Nach der Menopause erleben Frauen heutzutage noch etliche kinderlose Jahrzehnte. Der überwiegende Teil kommt zwischen dem 45. und 50. Lebensjahr in die Wechseljahre, die letzte Monatsblutung haben die meisten Frauen in Industrieländern zwischen ihrem 50. und 52. Geburtstag - vier Jahre später als im vergangenen Jahrhundert. Verantwortlich für die Verschiebung sei vor allem eine gesündere Ernährung, sagen Experten.
Großmütter kümmerten sich um die Enkel
Warum Frauen überhaupt in die Wechseljahre kommen, sei nach wie vor unklar, schreiben die Forscher. Sie könnten sich vorstellen, dass es entwicklungsgeschichtliche Vorteile hat, wenn Großmütter sich um die Enkelkinder kümmern statt selbst noch Kinder zu bekommen. So kann die nicht mehr Gebärende ihren Töchter beim Betreuen der Enkel helfen und auf diese Weise dazu beitragen, dass ihre Gene überleben. Diese Großmutter-Hypothese" wird auch von einer neuen Studie gestützt, für die britische Wissenschaftler Daten über zwei afrikanische Dorfgemeinschaften in Gambia auswerteten, deren Familien 25 Jahre lang bis 1975 beobachtet wurden. Daryl P. Shanley und ihre Kolleginnen von der Newcastle University werteten insgesamt 5.500 Lebensgeschichten aus und stellten fest: Großmütter mütterlicherseits hatten in Gambia tatsächlich einen positiven Effekt auf die Überlebensrate ihrer Enkel jedoch nur, wenn der Säugling 1-2 Jahre alt war. Vorher war die Anwesenheit der Mutter überlebenswichtig und nachher schwächte sich der Einfluss der Großmütter ab. Väter, Großväter, Großmütter väterlicherseits und Geschwister wirkten sich nicht auf die Säuglingssterblichkeit aus.
Wechseljahre schützen die Frau und ihre Nachkommen
Eine weitere verbreitete Hypothese besagt, dass die Menopause die Frau vor riskanten Spätgeburten schützt. Denn je älter eine Frau ist, wenn sie ein Baby zur Welt bringt, desto größer ist ihr Risiko, dabei zu sterben. Ohne Mutter aber haben kleine Kinder keine Chance zu überleben. Vom Standpunkt der Evolution aus betrachtet, ist es also ein Vorteil, dieses Risiko zu minimieren. So können Mütter auch ihre jüngsten Kinder noch so lange großziehen, bis diese allein zurechtkommen. Um diese Hypothese zu testen, rechneten die britischen Forscherinnen eine Erhöhung des Menopausenalters bis auf 65 Jahre durch. Ihr Fazit: Müttersterblichkeit allein lässt sich nicht für die evolutionäre Herausbildung der Menopause verantwortlich machen. Zusammen mit der Großmutter-Hypothese aber erhöhten die Wechseljahre den Fortpflanzungserfolg, berichteten die Wissenschaftlerinnen im Fachmagazin Proceedings B".
(mj)







