
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Nach der Menopause steigt das Risiko für Herzinfarkte
Bei älteren Frauen wird die Anfälligkeit für Herz-Kreislauf-Krankheiten deutlich unterschätzt. Vor allem Übergewichtige und Diabetikerinnen sind gefährdet. Denn in den Wechseljahren geht der Hormonschutz verloren.
Frauen bekommen später Herzinfarkte als Männer
Herzinfarkt, Schlaganfall und die koronare Herzkrankheit gelten noch immer als Männerkrankheiten. Dabei sterben 50 Prozent der deutschen Frauen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie der Gesundheitsreport 2006 der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) ergab. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind damit bei Frauen 10- bis 15-mal häufiger die Todesursache als Brustkrebs. Frauen sind nicht weniger, sondern später betroffen als Männer, lautet ein Fazit der DAK-Analyse. Herzinfarkte treten z.B. bei Männern im Alter von 65 Jahren am häufigsten auf, bei Frauen im Alter von 75 Jahren.
Bei Diabetes und hohem Blutdruck besonders gefährdet
Die Faktoren, die Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen, sind bei beiden Geschlechtern gleich. Dazu zählen Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen, Rauchen, Übergewicht und mangelnde Bewegung. Sie betreffen Frauen und Männer jedoch in unterschiedlichem Maße. Beispielsweise rauchen Männer öfter als Frauen, trinken mehr Alkohol und ernähren sich ungesünder. In der jungen Generation gleichen sich die Geschlechter, wie man beobachten kann, allerdings inzwischen an. Viele Risikofaktoren ergeben sich bei Frauen jedoch später als bei Männern. So leiden vor dem 55. Lebensjahr mehr Männer an erhöhtem Blutdruck und erst im höheren Alter kehrt sich das Verhältnis um.
Vor allem nach der Menopause kommen bei Frauen oft mehrere ungünstige Dinge zusammen. So steigt auch ihr Risiko, an Diabetes und Bluthochdruck zu erkranken, was wiederum zu einem wesentlich höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten führt, als bei Männern. Zum Vergleich: Bei männlichen Diabetikern ist die Wahrscheinlichkeit, an einer koronaren Herzkrankheit zu erkranken, zweifach erhöht gegenüber Nichtdiabetikern, während sie bei weiblichen Diabetikern viermal so hoch ist.
Künstliche Hormone schützen nicht vor Herz-Kreislauf-Krankheiten
Bis zu den Wechseljahren bietet der hohe Östrogenspiegel Frauen einen Schutz vor Herzinfarkten, Schlaganfällen und der koronaren Herzkrankheit. Wie dies genau funktioniert, ist noch nicht geklärt. Wenn die Produktion dieser Hormone nach den Wechseljahren nachlässt, kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten ansteigen.
Einige Zeit glaubten Wissenschaftler, die Situation mit künstlichen Hormonen ausgleichen zu können. Mehrere große Studien zeigten jedoch, dass eine Hormontherapie nicht vor Herz-Kreislauf-Krankheiten schützen kann. Unter Umständen erhöht sie sogar die Gefahr, daran zu erkranken. In den aktuellen ärztlichen Leitlinien zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden stellt die Autorengruppe eindeutig fest, dass eine Hormontherapie nicht zur Prävention einer koronaren Herzkrankheit geeignet ist.
Herz-Kreislauf-Krankheiten werden oft in eine Reihe gestellt mit Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen. Das ist nicht ganz richtig. Zwar haben Frauen nach dem Klimakterium ein höheres Herzinfarktrisiko als vorher. Der Grund dafür liegt aber im Altersunterschied, die Wechseljahre an sich haben darauf keinen Einfluss, betonen die Experten von IQWIG (Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen). Hitzewallungen vergehen außerdem nach den Wechseljahren, die erhöhte Gefahr für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung besteht jedoch fort.
Atemnot und Übelkeit können bei einer Frau auf einen Herzinfarkt deuten
Dass Herzinfarkte und Schlaganfälle bei Frauen häufiger zum Tod führen als bei Männern, liegt auch daran, dass sie oft später erkannt und behandelt werden. Die Anzeichen unterscheiden sich nämlich. Während viele Männer bei einem Herzinfarkt akute Schmerzen und Enge z.B. in der linken Brustseite fühlen sowie Angst, Blässe und kalter Schweiß auftreten können, haben Frauen eher unspezifische Symptome wie Atemnot, Bauchweh, Rückenschmerzen, Schwindel, ungewöhnliche Müdigkeit und Übelkeit. Diese Anzeichen nehmen betroffene Frauen selbst oft ebenso wenig wahr wie die Menschen in ihrem Umfeld. So verstreicht vielfach wertvolle Zeit, bis ein Notarzt gerufen wird und eine Behandlung beginnen kann.
Mittelmeerkost und Bewegung beugen vor
Um Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen, gilt für Frauen das Gleiche wie für Männer: Am wichtigsten ist es, belastende Faktoren zu vermeiden. Dazu gehören der Verzicht auf das Rauchen, der Abbau von Übergewicht, regelmäßige körperliche Aktivität und eine gesunde Ernährung.
Die Deutsche Herzstiftung rät zu einer Mittelmeerküche mit viel Gemüse und Obst, Salat und Hülsenfrüchten, Oliven- oder Rapsöl. Als Beilage bietet sich Fisch eher an als Fleisch. Wer aber nicht auf Fleisch verzichten möchte, sollte vorzugsweise Geflügel essen.
Für die körperliche Fitness eignen sich den Experten zufolge besonders flottes Spazierengehen, Rad fahren, mäßiges Joggen, Schwimmen, Nordic Walking und Wandern. Am besten ist es, sich 4- bis 5-mal in der Woche mindestens 30 Minuten zu bewegen. „Regelmäßige Ausdauerbewegung kann das Risiko für eine Herzerkrankung fast halbieren“, sagt Prof. Hans-Jürgen Becker, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung.










