"Warum gerade ich?"
Gibt es eine Disposition für den frühen Eintritt der Wechseljahre
Frauen, die ungewöhnlich früh in die Wechseljahre kommen, reagieren meist fassungslos besonders wenn ihre Kinderplanung noch nicht abgeschlossen ist. Besteht noch eine Chance, Mutter zu werden? Kann man vorzeitigen Wechseljahren vorzubeugen? LIFELINE fragte Professor Olaf Ortmann. Der Gynäkologe ist Direktor der Universitätsfrauenklinik Regensburg.
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Was verstehen Mediziner eigentlich unter "vorzeitigen Wechseljahren"?
Professor Ortmann:
"Vorzeitige Wechseljahre" bedeutet, dass die Regelblutung nicht, wie es normalerweise der Fall ist, das letzte Mal im zirka 51. Lebensjahr auftritt, sondern früher und zwar in dem Alter vor 40 bzw. 35 Jahren. Da gibt es unterschiedliche Definitionen:
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Wie viele Frauen kommen verfrüht in die Wechseljahre?
Professor Ortmann:
Das sind maximal 10% aller Frauen.
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Welche Ursachen hat ein früher Eintritt in die Wechseljahre?
Professor Ortmann:
Grund kann entweder sein, dass die Eierstocksfunktion aufgrund einer Erschöpfung oder eines Verlustes der hormonbildenden Zellen aufhört, intakt zu sein oder dass z.B. medizinische Eingriffe durchgeführt werden müssen, etwa um die Eierstöcke zu entfernen. Natürlich versucht man bei jungen Frauen, die Eierstöcke unter allen Umständen zu schonen. Aber es gibt krankhafte Prozesse, die das verbieten. Auch Bestrahlungen und Chemotherapien können dazu führen, dass junge Frauen in die Wechseljahre kommen.
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Gibt es Familien, in denen eine vorzeitige Menopause gehäuft vorkommt?
Professor Ortmann:
Man beobachtet eine familiäre Neigung. Aber es gibt keine eindeutigen Gene, die für das vorzeitige Auftreten von Wechseljahren identifiziert wurden.
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Spielen Umwelteinflüsse, insbesondere Schadstoffe, eine Rolle bei frühzeitigen Wechseljahren?
Professor Ortmann:
Generell nicht. Rauchen wäre zwar zu nennen, aber es führt eher zu einer leichten Unterfunktion der Eierstöcke und nicht zu einem vorzeitigen Ausfall der Eierstocksfunktion.
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Welchen Einfluss hat die Pille auf den Eintritt des Klimakteriums?
Professor Ortmann:
Keinen. Nachdem die Pille abgesetzt wurde, beeinflusst sie nicht mehr die Eierstocksfunktion. Man kennt ein Ausbleiben der Regel nach Absetzen der Pille. So etwas tritt aber meistens bei den Frauen auf, die schon eine vorhandene Störung der Eierstocksfunktion haben. Das sind keine vorzeitigen Wechseljahre. Auch eine Störung der Eierstockfunktion, die mit einem frühen Ausbleiben der Regel verbunden ist, weil beispielsweise kein Eisprung stattfindet, würde man nicht als vorzeitige Wechseljahre bezeichnen. Bei vorzeitigen Wechseljahren fällt die Eierstockshormonbildung aufgrund seiner Erschöpfung vollständig aus. Ob das der Fall ist, lässt sich durch Hormontests feststellen.
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Zeigen Frauen mit vorzeitigen Wechseljahren auch früher Alterssymptome?
Professor Ortmann:
Ja. Der Ausfall der Eierstocksfunktion bedeutet ja, dass dort keine Östrogene mehr gebildet werden. Diese Geschlechtshormone sind für eine Vielzahl von Körperfunktionen verantwortlich, deswegen kommt es zum vorzeitigen Altern östrogenabhängiger Organe. Dazu gehört z.B. der Knochen. Es können auch Befindlichkeitsstörungen, Depressivität, psychische Veränderungen oder Störungen der Libido auftreten. Es gibt eine ganze Reihe von Ausfallserscheinungen, die man aber spezifisch behandeln kann.
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Lässt sich das Fortschreiten vorzeitiger Wechseljahre durch Hormone oder anderweitig aufhalten?
Professor Ortmann:
Mögliche Symptome durch den Ausfall der Eierstockfunktion kann man aufhalten, indem man diesen Frauen Östrogene gibt. Oft benötigen sie auch kleine Mengen männlicher Hormone - im Gegensatz zu Frauen, die in die natürlichen Wechseljahre kommen. Doch die Eierstocksfunktion ist bei diagnostizierten vorzeitigen Wechseljahren nicht wieder herzustellen. Die ist weg.
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Hat sich ein Kinderwunsch dann auf jeden Fall erledigt?
Professor Ortmann:
Das ist die größte Schwierigkeit. Wenn es sich wirklich um vorzeitige Wechseljahre handelt, ist es eigentlich nicht mehr möglich, zu einem eigenen Kind zu kommen. Da bleibt nur der Weg einer Adoption oder einer Eizellenspende, die in Deutschland aber verboten ist.
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Kann man einem vorzeitigen Eintritt in die Wechseljahre vorbeugen?
Professor Ortmann:
Nein, vorzeitigen Wechseljahren, die ohne Intervention von außen wie durch Eierstockentfernung oder Chemotherapie hervorgerufen werden, kann man nicht vorbeugen.







