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Die fitten Fuffziger

Im Vergleich zu ihren Müttern stehen Frauen in den 50ern heutzutage mitten im Leben. Das hat viele Vorzüge, aber auch einen Nachteil. Moderne reife Frauen müssen sich mehr als vorherige Generationen darum kümmern, fit und attraktiv zu sein. - Über die fitten Fuffziger.

Kinder, Küche, Kirche, keine Karriere

Simone de Beauvoirs Blick auf die Wechseljahre war kein freundlicher. In ihrem Buch "Das andere Geschlecht" schrieb die Ikone der neuen europäischen Frauenbewegung: Während der Mann kontinuierlich altert, "wird der Frau die Weiblichkeit schlagartig genommen. Noch verhältnismäßig jung verliert sie den erotischen Anreiz und die Fruchtbarkeit, aus denen sie in den Augen der Gesellschaft und in ihren eigenen Augen die Rechtfertigung ihrer Existenz und ihre Glücksmöglichkeiten ableitete: Ihrer ganzen Zukunft beraubt, hat sie etwa die Hälfte ihres Lebens als Erwachsene vor sich." Das befand die Schriftstellerin 1949 und beschrieb damit die Mütter der Frauen, die heute in den 50ern sind. Diese hatten in der Regel keine Wahl: Sie heirateten, besorgten den Haushalt, umsorgten den Gatten und versorgten die Kinder. Ein Leben für die Familie, das an Sinn verlor, wenn der Nachwuchs flügge wurde, seine Sachen packte und das Haus verließ. Eine schwierige Zeit für Mütter. Viele befiel das "Leere-Nest-Syndrom" - besonders jene, die nicht berufstätig waren. Auch heute gibt es Vollzeit-Hausfrauen, aber 2005 gingen fast 67% der Frauen zwischen 15 und 65 Jahre einer Arbeit nach, bei den 50- bis unter 65-Jährigen waren es 56%. Die Vorteile eines Jobs liegen auf der Hand: eigenes Geld, Kontakte, Anerkennung. Heute freut es manche berufstätige Mutter, wenn die Kinder ausziehen: Die Hausarbeit wird weniger, die Doppelbelastung nimmt ab, die Frau hat mehr Zeit für sich und eigene Interessen. Die Abkehr vom traditionellen Frauenbild hat sogar handfeste Vorteile, wenn erst einmal die Wechseljahre kommen. Viele Studien zeigen: Frauen, die sich stark mit der Mutterrolle identifizieren und nicht berufstätig sind, haben heftigere Wechseljahrsbeschwerden. Dieses Ergebnis macht deutlich, wie wichtig die Lebensumstände für das Erleben der Klimakteriums sind.

Mit 50 ist lange noch nicht Schluss

In den 1950ern und 1960ern wurden Menschen hierzulande mit spätestens 30 Jahren sesshaft und begannen sich ab 40 auf den Ruhestand einzurichten. Den Beruf wechseln? In eine andere Stadt ziehen? Noch mal ganz von vorn anfangen? Für die meisten undenkbar. Früh begannen die Knochen zu knirschen und die Gelenke zu knacken. Der Bauchumfang nahm zu, der Geist verengte sich. Die Haare ergrauten, ebenso wie die Garderobe. Heute kleiden sich die meisten 50-Jährige nicht grundsätzlich anders als mit 40. Dank besserer Ernährung, mehr Bewegung und einem insgesamt gesünderen Lebensstil ist die derzeitige Generation 50 Plus so körperlich und geistig fit wie keine vor ihr. Frauen in den 50ern können heute Bäume ausreißen, tun es und pflanzen neue: Einige kündigen und fangen noch mal von vorn an - auch in einer ganz anderen Branche und oft als Selbstständige. Andere reichen die Scheidung ein, trennen sich von ihrem Lebensgefährten oder suchen sich einen jungen Liebhaber. Wer heute reife Frauen befragt, wird feststellen: Das reale und das empfundene Alter driften deutlich auseinander. Wahrscheinlich haben sich noch nie so viele ältere Frauen, aber auch ältere Männer, so jung gefühlt wie in unseren Tagen. Kein Wunder, schließlich nimmt die Lebenserwartung stetig zu, und Menschen um die 50 haben im Schnitt noch mindestens ein Drittel ihres Lebens vor sich.

Attraktivität als Fluch

Im Vergleich zu ihren Müttern stehen Frauen in den 50ern heutzutage mitten im Leben. Das hat viele Vorzüge, aber auch einen Nachteil. Moderne reife Frauen müssen sich mehr als vorherige Generationen darum kümmern, fit und attraktiv zu sein. Sind sie beides nicht, werden sie schnell nicht mehr beachtet. Das ist für die einzelne Frau nicht nur schmerzhaft, sondern mündet im Job wie im Alltag oft in Altersdiskriminierung. Was Frauen dem persönlichen Verlust ihrer weiblichen Anziehungskraft zuschreiben, ist in Wirklichkeit ein gesellschaftliches Problem. Doch um die Wahrnehmung reifer Frauen zu ändern, ist die Zeit mehr als günstig. Die Frauen der geburtenstarken Jahrgänge zwischen 1946 und 1965 bilden aktuell die größte Bevölkerungsgruppe in Deutschland. Und sie blicken auf bewegte Jahre zurück – genauer gesagt auf die sozial bewegten 1980er. Ihr Engagement für Frieden, Umwelt und die Gleichberechtigung der Geschlechter hat viel zum Besseren verändert. Nun ist es Zeit gegen die Ächtung alter Menschen und für eine würdevolle Wahrnehmung von reifen Frauen und auch Männern einzutreten. (mj)


Quelle: Nach Informationen von Simone de Beauvoir, Das andere Geschlecht, Rowohlt-Verlag 1951, Petra Gerster, Reifeprüfung, Rowohlt-Verlag 2007, Statistisches Bundesamt, Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Chancen für Frauen in der Wirtschaft, 20
Autor: Springer Medizin
Stand: Aug 16, 2007


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