Arbeitslosigkeit

Horrorszenario mit 50

Wer arbeitslos wird, wähnt sich oft in einem ganz schlechten Film. Damit sich aus einer Kündigung kein Drama entwickelt, heißt es frühzeitig aktiv werden.

Jugendwahn als Illusion

Mit 50 Jahren arbeitslos werden – ein Horrorfilm für etliche Menschen. Vor ihrem geistigen Auge zieht Szene um Szene vorbei: erfolglose Jobsuche, sozialer Abstieg, Hartz IV, Armut im Alter, Sozialamtbeerdigung. Menschen verlieren ihre Stelle und vielen fällt es äußerst schwer eine neue zu finden. Das ist leider Realität. Doch so schwarz in schwarz, wie manche die Situation sehen, ist sie nicht. Die Konjunktur in Deutschland zieht an, seit Monaten sinkt die Zahl der Arbeitslosen. Das birgt insbesondere Chancen für ältere Arbeitnehmer, sagen die Wissenschaftler des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), das zur Bundesagentur für Arbeit gehört. Bereits beschlossene Reformen, mehr erwerbstätige Frauen und die demographische Entwicklung werden ihrer Ansicht nach dazu führen, dass sich die Beschäftigungsquote Älterer in den nächsten Jahren erhöhen wird. Das Deutsche Institut für Wirtschaft in Berlin (DIW) teilt diese Einschätzung und geht sogar einen Schritt weiter: "Die verbreitete Vorstellung, dass ein 'Jugendwahn' in der Arbeitswelt immer mehr um sich greift, entbehrt jeder Grundlage. Vielmehr trifft das Gegenteil zu: Im Erwerbsleben verschiebt sich die Struktur immer mehr hin zu den Älteren", stellte das DIW Ende Mai 2007 fest. Die Zahl der Erwerbstätigen unter 40 hat demnach in den vergangenen Jahren spürbar abgenommen. Dagegen ist die Zahl der Erwerbstätigen im Alter von mehr als 50 Jahren deutlich und stetig gewachsen - von acht Millionen im Jahr 1998 auf 9,5 Millionen in 2006. Diese Entwicklung wird noch an Tempo gewinnen, prognostiziert das DIW. Das muss auch so sein. Denn die geburtenschwachen Jahrgänge können die Arbeit in Zukunft nicht alleine tun.

Am Drehbuch weiter schreiben

"Angst essen Seele auf", wusste schon der legendäre Regisseur Rainer Werner Fassbinder. Die Sorge, arbeitslos zu werden, hat vor allem einen lähmenden Effekt. Sie degradiert Menschen zu Statisten. Doch statt sich in eine unwichtige Nebenrolle abgedrängt zu fühlen, gilt es das Drehbuch selbst in die Hand zu nehmen und aktiv daran mitzuschreiben. Wer um seinen Job fürchtet, sollte sich wirklich frühzeitig nach anderen Möglichkeiten umschauen. Das kann eine neue Stelle in der jetzigen oder einer neuen Branche sein, aber auch eine Weiterbildung oder eine Selbstständigkeit. Neben dem regelmäßigen Durchforsten von Stellenanzeigen im Internet und in Zeitungen hat der Gang zur größten Stellenbörse des Landes - der Agentur für Arbeit - oberste Priorität. Das gilt erst recht, wenn die Kündigung absehbar ist oder bereits im Briefkasten lag. Die Erfahrungen von Arbeitsvermittlern zeigen eindeutig: Je früher jemand aktiv wird, desto größer sind die Chancen auf eine schnelle Neueinstellung. Eigeninitiative wird dabei immer wichtiger. 2006 wurde mehr als jede zehnte Stelle aufgrund einer Initiativbewerbung besetzt, ergab eine Unternehmensumfrage des IAB. Weitere zehn Prozent der Einstellungen kamen durch die Arbeitsagentur samt ihrer Internet-Stellenbörse zustande, neun Prozent durch andere Webportale.

Andere Akteure kennen lernen

Viele Menschen empfinden eine Kündigung als Kränkung. Das ist verständlich. Doch auch wenn es schwer fällt: Der Blick nach vorn hilft am besten über erlittene Verletzungen hinweg. Wer arbeitslos ist, sollte sich daher nicht verkriechen. Mit der Familie, Freunden und Bekannten über seine Situation zu reden, kann nicht nur enorm erleichtern. Es ist auch eine wichtige Strategie, um einen neuen Job zu finden. 2006 besetzten Firmen 40 Prozent aller offenen Stellen durch eigene Mitarbeiter und persönliche Kontakte, berichtet das IAB. Beruflichen und sozialen Netzwerken kommt damit eine sehr hohe Bedeutung bei der Stellensuche zu, resümieren die Nürnberger Arbeitsmarktforscher. Eine gute Möglichkeit, um als Arbeitslose wertvolle Kontakte zu knüpfen und freie Zeit mit einer erfüllende Aufgabe zu verbringen, ist ehrenamtliches Engagement. Die Bandbreite ist groß: Beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland oder Greenpaece kann jede und jeder für die Umwelt eintreten, bei terre des hommes oder Eine-Welt-Gruppen für benachteiligte Menschen in Afrika, Asien und Lateinamerika und bei Einrichtungen wie der Caritas, dem Deutschen Roten Kreuz oder der Arbeiterwohlfahrt für hilfsbedürftige, alte und junge Menschen in Deutschland. Wer nicht genau weiß, was infrage kommt und wo Freiwillige gesucht werden, erkundigt sich am besten in seinem Rathaus. Ein Ehrenamt nützt anderen, aber auch einem selbst: Es erweitert Kenntnisse und Erfahrungen, ist gut fürs Ego und stärkt das Selbstwertgefühl. All dies ist wichtig, nicht nur für die nächste Rolle im Berufsleben. (mj)


Quelle: Nach Informationen der Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und des Deutschen Instituts für Wirtschaft Berlin (DIW)
Autor: Springer Medizin
Stand: Feb 12, 2008


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