Endlich Ich!

Jahre, die endlich mir gehören

Die Wechseljahre sind eine Zeit des Umbruchs. Viele Frauen setzen sich in dieser Phase zum ersten Mal mit dem Älterwerden auseinander. Sie lassen ihr Leben Revue passieren, verorten sich und schmieden Pläne für die Zukunft. Ein ungekanntes Gefühl von Freiheit beflügelt ihre Gedanken. Zugleich können körperliche Veränderungen ihren Alltag trüben - müssen sie aber nicht.

Die Wandlungen, die sich in den Wechseljahren vollziehen, bedeuten: Verlust und Gewinn. Verlust spiegelt sich darin, dass Kinderwünsche endgültig begraben werden müssen, erwachsene Kinder zusehends eigene Wege gehen. Frauen, die sich vor allem um die Familie gekümmert haben, erleben ihr Zuhause nun bisweilen als leer, fühlen sich ungebraucht, vielleicht sogar einsam. Manche Frauen fürchten auch um ihre Weiblichkeit und Attraktivität. Doch enthält die neue Lebensphase für viele Frauen auch sehr positive Seiten. Studien der Psychologin Beate Schultz-Zehden vom Institut für Medizinische Psychologie der Freien Universität Berlin zeigen dies: Zwei Drittel der Frauen in den Wechseljahren genießen es, weniger Arbeit und mehr Freiraum für sich selbst zu haben, wenn die Kinder das Haus verlassen. Nun ist endlich Zeit, Dinge zu tun, die immer zu kurz kamen: Reisen unternehmen, Fremdsprachen lernen, alte Hobbys auffrischen, sich sozial oder politisch engagieren, mehr mit Freundinnen oder dem Partner unternehmen. Viele sind erleichtert, von der monatlichen Blutung, damit verbundenem Unwohlsein und der Menstruationshygiene befreit zu sein. Sie müssen sich nicht mehr um Verhütung kümmern oder fürchten, ungewollt schwanger zu werden. Dabei nimmt das sexuelle Verlangen mit Beginn der Wechseljahre keineswegs ab. Im Gegenteil entwickeln Frauen oft sogar mehr Spaß an Sexualität. Sie genießen es, Zeit dafür zu haben, spontaner sein zu können, keine Rücksicht mehr auf ihre Kinder nehmen zu müssen.

"Wo komme ich her, wo will ich hin?"

Für die meisten Frauen geht das Klimakterium auch mit großen inneren Veränderungen einher. Sie halten Rückschau auf ihr bisheriges Leben: Habe ich das erreicht, was ich mir in meiner Jugend vorgenommen hatte? Warum ist manches ganz anders gekommen? Bin ich damit zufrieden oder will ich das Steuer noch mal herumreißen? Nicht zufällig tauchen in diesem Lebensabschnitt verstärkt Fragen nach der eigenen Identität auf. Gemäß dem Leitsatz "Wo komme ich her, wo will ich hin" suchen viele nun bewusst und auf neue Art das Gespräch mit ihren Eltern, denn diese werden schließlich nicht ewig leben. Frauen wollen herausfinden, wie sie geprägt sind - auch durch die Kriegs- und Nachkriegserfahrungen ihrer Eltern. Das birgt Potenzial für Konflikte, reißt manchmal alte Wunden auf, bringt aber auch Klarheit. Der Wunsch nach Selbstverwirklichung greift bei vielen Raum. Sie entwickeln neue Ziele und Lebensinhalte, überlegen genau, wie sie die kommenden Jahre gestalten wollen. Einige orientieren sich beruflich noch einmal um, steigen nach einer langen Familienphase wieder ins Arbeitsleben ein oder wagen gar den Schritt in die Selbstständigkeit.

Zwei Drittel spüren mäßige bis sehr starke Wechseljahrsbeschwerden

Neue Herausforderungen spornen an, aber sie kosten auch Kraft. Da kommen Wechseljahrsbeschwerden nicht gerade zupass. Wie beeinträchtigend sie sind, ist jedoch sehr unterschiedlich. Laut Studien leidet etwa ein Drittel aller Frauen unter starken bis sehr starken Symptomen. Bei einem weiteren Drittel sind sie mäßig stark ausgeprägt und ein Drittel verspürt keine oder nur leichte Beschwerden. Am häufigsten machen Frauen Hitzewallungen und Schweißausbrüche (85%) zu schaffen, gefolgt von depressiven Verstimmungen und Antriebslosigkeit (75%) sowie Schlafstörungen (60%). Interessanterweise scheinen diejenigen vermehrt unter Symptomen zu leiden, die sich vor den Wechseljahren und möglichen Beschwerden ängstigen. Aktive Frauen hingegen nehmen die Befindlichkeitsstörungen offenbar viel weniger wahr. So hat Schultz-Zehden vom Institut für Medizinische Psychologie der Freien Universität Berlin festgestellt, dass das Ausüben eines Berufs ein guter Schutz gegen Wechseljahrsbeschwerden ist. Außerdem: Hitzewallungen & Co. sind kein Schicksal, sondern behandelbar.


Autor: Springer Medizin
Stand: Feb 7, 2008


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