
Wechseljahre: Was tun bei Depression?
Eine echte Depression ist keine Lappalie
Etliche Frauen erleben in den Wechseljahren Gemütsschwankungen, Niedergeschlagenheit und Ängstlichkeit. Handelt es sich dabei nur um depressive Verstimmungen oder eine ernsthafte Depression? Um die richtige Therapie zu finden, gilt es die Ursachen zu klären. Denn: Eine Hormontherapie bessert keine Depression und Antidepressiva keine Wechseljahrsbeschwerden.
Etwa ein Drittel aller Frauen in den Wechseljahren berichten von schwankenden Launen bis hin zu depressiven Verstimmungen. Dass es einen Zusammenhang zwischen Hormonspiegel und Stimmung gibt, ist unstrittig. Davon zeugen nicht zuletzt die Erfahrungen vieler Frauen vor der Monatsblutung: Reizbarkeit und Niedergeschlagenheit gehören zu den gängigen Beschwerden des prämenstruellen Syndroms (PMS).
Manche Frauen erleben, dass Gefühlsschwankungen in den Wechseljahren heftiger ausfallen oder länger dauern. Der Schluss liegt daher nahe, dass der sich ändernde Hormonhaushalt schuld ist. Doch: "Wenn solche Veränderungen auftreten, ist der erste Schritt, eine Ursachenforschung zu betreiben", sagt Professor Olaf Ortmann. "Sie müssen nicht hormonell bedingt sein, sondern können auch mit den Lebensumständen zusammenhängen." Der Gynäkologe warnt vor dem einfachen Schluss: Stimmungstiefs in den Wechseljahren werden durch den Mangel an Hormonen verursacht, also können Hormongaben sie bessern. "Zwar gibt es in der psychiatrischen Literatur Beispiele, dass Hormone bei einer Depression tatsächlich wirksam sind. Aber ihre Zahl ist so gering, dass kein Arzt auf die Idee kommen würde, eine echte Depression mit Hormonen zu behandeln." Allerdings zeigten Erfahrungen aus dem gynäkologischen Alltag, dass manche Frauen Stimmungsschwankungen erleben, wenn sie eine Hormontherapie absetzen. In solchen Fällen seien Risiken und Lebensqualität sorgfältig gegeneinander abzuwiegen. Ortmann: "Grundsätzlich sollte man eine Hormontherapie in den Wechseljahren nicht leichtfertig einsetzen."
Antidepressiva bei Wechseljahrsbeschwerden wirkungslos
Besteht der Verdacht, dass eine Frau an einer echten Depression leidet, ist ein Psychiater oder eine Psychiaterin die richtige Ansprechperson, um der Erkrankung auf die Spur zu kommen und eine Behandlung abzustimmen. Dafür kommen Medikamente und eine begleitende Psychotherapie infrage. Bei leichten bis mittelschweren Depressionen können Präparate mit Johanniskraut ausreichen, bei schweren Formen sind Antidepressiva nötig. Diese Medikamente wirken auf den Stoffwechsel im Gehirn. Sie normalisieren die Menge der Botenstoffe, von denen bei Depressionen zu wenig vorhanden sind. Antidepressiva entfalten ihre Wirkung nicht bei Gesunden, die sich eine Zeitlang schlecht fühlen - also auch nicht bei Wechseljahrsbeschwerden.
Depressionen sind eine Krankheit
Eine echte Depression entwickelt sich aus dem Zusammenspiel verschiedener Faktoren. Dabei kann z.B. eine Veranlagung für eine depressive Erkrankung durch äußere Faktoren wie belastende Lebensereignisse aktiviert werden und zum Ausbruch der Depression führen. Neben einer gedrückten Grundstimmung, Angstgefühlen und Antriebslosigkeit können bei einer Depression auch körperliche Symptome wie Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit oder Herz-Kreislauf-Probleme auftreten, aber auch Schlafstörungen, Reizbarkeit oder Erschöpfung. Letztere plagen auch Frauen in den Wechseljahren. Um eine echte Depression auszuschließen, sollten Betroffene bei starken Beschwerden auf jeden Fall einen Facharzt oder eine Fachärztin aufsuchen.









