Wechseljahrsbeschwerden: Therapie finden

Die richtige Behandlung wählen

Soll ich künstliche Hormone nehmen? Helfen pflanzliche Mittel gegen meine Wechseljahrbeschwerden? Viele Frauen sind verunsichert, welche Behandlung für sie die richtige ist. Um Nutzen und Risiken einzelner Methoden abwägen zu können, braucht eine Frau gute Informationen. Bei ihrer Entscheidung sollte sie neben medizinischen auch persönliche Aspekte berücksichtigen.

Hitzewallungen, Schweißausbrüche, schwankende Stimmungen und eine trockene Scheide können die Lebensqualität in den Wechseljahren erheblich trüben. Verständlich, dass viele Frauen nach Möglichkeiten suchen, um Abhilfe zu schaffen. Eine Hormontherapie galt lange Jahre als bewährtes Mittel gegen Beschwerden im Klimakterium. Doch spätestens seit der Veröffentlichung der Ergebnisse der nordamerikanischen Women's Health Initiative (WHI) im Jahr 2002 sind viele skeptisch. Sind die Gefahren künstlicher Hormone nicht zu groß? Soll ich auf pflanzliche Arzneimittel setzen? Welche anderen Möglichkeiten der Behandlung kommen für mich in Betracht? Bei welcher Therapie fühle ich mich am wohlsten? Um alle auftauchenden Fragen beantworten zu können, gilt für eine Frau vor allem eins: sich umfassend informieren.

Beratung beim Frauenarzt oft unbefriedigend

Erster Ansprechpartner in Sachen Klimakterium ist für die meisten Frauen ihr Gynäkologe oder ihre Gynäkologin. Es empfiehlt sich allerdings, mehrere Meinungen einzuholen, da auch unter Medizinern die Einschätzungen variieren. Hinzu kommt, dass Ärzte unter starkem Zeitdruck arbeiten, sodass ein ausführliches Beratungsgespräch mit der Patientin häufig zu kurz oder gar nicht erst zustande kommt. So zeigte eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Zeitschrift "Brigitte", dass sich nur 30,8% der befragten 1.000 Patientinnen zwischen 45 und 65 Jahren in Fragen der Hormontherapie in den Wechseljahren durch ihren Frauenarzt oder ihre Frauenärztin gut beraten fühlten. Lediglich 22,8% erhielten von ihrem Gynäkologen auch Hinweise auf Alternativen zur hormonellen Therapie durch Ernährung, Bewegung und pflanzliche Präparate. Jeder 14. Frau jedoch wurden künstliche Hormone ohne Aufklärung über die Risiken verschrieben.

In diesen Fällen ist die Patientin natürlich in gleicher Weise gefragt. Jede Patientin sollte Beratung einfordern und Fragen stellen, wenn die Informationen im Arztgespräch nicht ausreichen.

Gute Erfahrungsbörsen: Freundinnen und Wechseljahrsgruppen

Um über alternative Verfahren und Pflanzenpräparate fachkundig beraten zu werden, kann es sinnvoll sein, einen Arzt mit einer Ausbildung in Naturheilkunde zu konsultieren. Weitere gute Informationsquellen sind Frauengesundheitszentren, Gesundheitsläden und Patientenstellen, die oft sogar Seminare und Gruppen zum Thema "Wechseljahre" anbieten. Viele Städte veröffentlichen die Adressen solcher Anlaufstellen auf ihren Internetseiten, ansonsten einfach in der Stadtverwaltung anrufen. Vielen Frauen hilft besonders der Austausch mit Freundinnen und Bekannten: Wie bekommen sie die körperlichen und physischen Probleme im Klimakterium in den Griff? Was hat ihnen geholfen?

Gesundheitliche und persönliche Gründe entscheiden über Therapie

Ob eine Hormontherapie sinnvoll ist, kann eine Frau nur mit einem Gynäkologen oder einer Gynäkologin gemeinsam entscheiden. Ausschlaggebend ist dabei die individuelle Situation der Frau. Sehr starke Wechseljahrbeschwerden oder eine Osteoporose können künstliche Hormone rechtfertigen. In anderen Fällen sollte von einer Hormonbehandlung abgesehen werden, z.B. bei einer akuten Venenentzündung, nach einer Brustkrebserkrankung oder bei Raucherinnen. Neben medizinischen Gründen spielen die Lebensumstände eine Rolle bei der Wahl der Therapie. So erlauben es berufliche oder familiäre Gründe bisweilen nicht, sich auf alternative Verfahren oder langsam wirkende Mittel einzustellen. Andererseits sollte eine Frau kritisch hinterfragen, ob sie eine Hormontherapie nicht nur aus Bequemlichkeit favorisiert, weil sie einem Jugendwahn aufsitzt oder anderen nicht zur Last fallen will. Eine positive Einstellung zum Älterwerden, ein gesunder Lebensstil und pflanzliche Medikamente helfen vielen Frauen über seelische und körperliche Wechseljahrsbeschwerden hinweg. Allerdings braucht es etwas Geduld. Bei pflanzlichen Arzneien tritt die erwünschte Wirkung erst nach mehreren Wochen regelmäßiger Anwendung ein. Dafür haben sie aber den Vorteil, dass sie sehr gut verträglich sind.


Autor: Springer Medizin
Stand: Nov 2, 2009


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