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„Supermarktmedizin“

Arzneimittel besser aus der Apotheke

Gesundheitspräparate aus Einkaufsmärkten enthalten nicht selten zu niedrige oder zu hohe Dosen des Wirkstoffs. Das beeinflusst ihre Wirkung und kann sogar gefährlich sein.

Wirksamkeit an Apothekenprodukten getestet

Es klingt praktisch, im Super- oder Drogeriemarkt auch gleich den Einkauf von Medikamenten zu erledigen. Doch ist Vorsicht geboten. Die Zeitschrift Ökotest, die im Frühjahr 2009 fast 90 Gesundheitspräparate aus Discountern unter die Lupe nahm, fand wenig Befriedigendes. Gerade die 27 freiverkäuflichen Arzneimittel überzeugten die Prüfer vielfach nicht. So enttäuschten beispielsweise zwei Johanniskrautmittel. Im Vergleich mit entsprechenden apothekenpflichtigen Arzneimitteln enthielten die Präparate so viel weniger Johanniskrautextrakt pro Tagesdosis, dass Ökotest sie als unterdosiert einstuft. Die Tester bemängelten außerdem lückenhafte Angaben zu Wechselwirkungen mit anderen Arzneien und fehlende Informationen zur Anwendung bei Kindern.

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Schlechte Qualität von Johanniskrautpräparaten in Drogerien und Supermärkten ist kein Einzelfall. Bei einer Studie des Instituts für Pharmazeutische Chemie der Universität in Frankfurt am Main entsprach nur eins von zwölf untersuchten Mitteln aus dem Supermarkt der Qualität von Präparaten aus der Apotheke. Bei den meisten Produkten aus einem Einkaufsmarkt wiesen die Pharmazeuten in verschiedenen Chargen sogar hohe Schwankungen des Wirkstoffgehalts nach. Das macht einen echten Therapieerfolg äußerst zweifelhaft. Zudem weisen Experten darauf hin, dass die Studien, die die Wirksamkeit der Pflanze bei leichten bis mittelschweren Depressionen belegen, mit hochwertigen Johanniskrautextrakten aus der Apotheke gemacht wurden. Auf Mittel aus Supermärkten und Drogerien ließen sich diese Ergebnisse nicht übertragen. Eine Aussage, die auch auf andere Arzneien, wie etwa Präparate gegen Wechseljahresbeschwerden, zutrifft.

Ein weiterer Aspekt ist, dass sich Kunden in Apotheken beraten lassen können – etwa zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, die sie einnehmen. In Supermärkten und Drogerien fehlt das kompetente Personal dafür.

Nahrungsergänzungen brauchen keine Zulassung, Arzneimittel schon

In den Marktregalen findet sich auch eine wachsende Zahl von Mitteln gegen Wechseljahresbeschwerden. Aber Verbraucherinnen sollten skeptisch sein. Denn die Wirksamkeit von pflanzlichen (Phyto-) Hormonen aus z.B. Soja oder Rotklee ist wissenschaftlich nicht eindeutig belegt. Diese Produkte werden oft als Nahrungsergänzungsmittel angeboten. Das unterscheidet sie stark von Arzneimitteln. Denn für die Qualität und Sicherheit von Arzneimitteln und Nahrungsergänzungsmitteln gelten unterschiedliche Bestimmungen. So müssen Arzneimittel strenge Tests und Qualitätssicherungen durchlaufen, bevor sie zugelassen werden. Nahrungsergänzungsmittel hingegen unterliegen den Bestimmungen für Lebensmittel und benötigen keine behördliche Zulassung.

Im Falle der Phytohormone rät das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) von Nahrungsergänzungsmitteln mit solchen Wirkstoffen sogar ab. Da Frauen in und nach den Wechseljahren ein erhöhtes Risiko für Brustkrebs aufwiesen, sei „die längerfristige Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln mit einem hohen Gehalt an Isoflavonen für diese Verbrauchergruppe nicht ohne Risiko", sagen die BfR-Fachleute. Isoflavone sind pflanzliche Inhaltstoffe, die dem menschlichen Hormon Östrogen ähneln und daher auch als Phytoöstrogene bezeichnet werden.

Anders verhält es sich bei Medikamenten aus dem Extrakt der Traubensilberkerze. Sie unterliegen dem Arzneimittelgesetz und die Hersteller müssen die Wirksamkeit, Sicherheit und Qualität nachweisen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) überwacht dies.


Quelle: Nach Informationen der Zeitschrift Ökotest, des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte, Bundesinstitut für Risikobewertung, IQWIG - Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen
Autor: Martina Janning
Stand: Feb 25, 2010


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