Hormonersatz
Hormontherapie? Erst Alternativen prüfen!
Künstliche Hormone galten lange als bestes Mittel gegen Wechseljahrsbeschwerden. In den vergangenen Jahren brachten Studien dieses Bild ins Wanken. Das Verhältnis von Nutzen und Schäden einer Hormontherapie wird seither neu bewertet.
Frauen in den Wechseljahren sind skeptischer geworden: Bis vor wenigen Jahren schluckten viele wie selbstverständlich künstliche Hormone. Das hat sich geändert. Die Zahl der Verordnungen sank 2004 im Vergleich zum Vorjahr um fast 26%, berichtet beispielsweise die Techniker Krankenkasse. Und eine Umfrage im Auftrag der Zeitschrift "Brigitte" kommt zu dem Ergebnis: Während im Jahr 2002 20% der Patientinnen gegen eine Hormontherapie eingestellt waren, stieg diese Rate 2004 auf 40,8% aller Frauen über 45.
Hormontherapie in der Kritik
Zu den bekannten Nebenwirkungen von Hormonpräparaten gehörten immer schon unregelmäßige Blutungen, Brustspannungen, Schweregefühl in den Beinen, Ausfluss, Stimmungsschwankungen und Kopfschmerzen. Für eine neue Einschätzung der Hormontherapie sorgten jedoch aktuelle Studien, vor allem die umfangreichen Daten der nordamerikanischen Women´s Health Initiative und der britischen "Million Women Study". Sie widerlegen zum Teil vorbeugende Wirkungen und zeigen ungeahnte Risiken, vorrangig eine erhöhte Brustkrebsgefahr.
Das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat daraufhin Mitte 2003 das Nutzen-Risiko-Verhältnis von Hormonpräparaten in den Wechseljahren neu bewertet. Seither dürfen Östrogen-Gestagen-Kombinationen nur bei ausgeprägtem individuellen Leidensdruck, nach Ausschluss von Risikofaktoren (Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Thrombosen, Embolien, Krebs) und nach Aufklärung der Patientin über mögliche Risiken verordnet werden. Außerdem empfiehlt das BfArM, die Behandlung so kurz und so niedrig dosiert wie möglich anzuwenden.
Nutzen contra Risiken
Aufgrund der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) eine Hormontherapie seit Mitte 2004 nur bei sehr starken Hitzewallungen und Schweißausbrüchen. Als angebracht gelten künstliche Östrogene ebenfalls bei trockener und juckender Scheide und Schmerzen beim Verkehr - vor allem lokal angewandt als Salbe, Gel oder Creme. Zur Vorbeugung von Osteoporose ist eine Hormontherapie zwar grundsätzlich geeignet. "Dazu wäre allerdings eine Langzeitanwendung erforderlich, die mit potenziellen Risiken verbunden ist", resümiert die DGGG. Ebenso verhält es sich bei Darmkrebs: Künstliche Hormone senken das Risiko, daran zu erkranken - gleichzeitig steigt aber die Wahrscheinlichkeit für Brustkrebs und möglicherweise für Eierstockkrebs.
Einmal Hormone, lange Hormone
Als ungeeignet stuft die DGGG eine Hormontherapie zur Prävention von Herz-Kreislauf-Krankheiten und Schlaganfall ein. Auch gibt es keine eindeutigen Belege, dass künstliche Hormone gegen Alzheimer schützen. Ebenfalls unbewiesen ist die Besserung von Harninkontinenz und die Verlangsamung natürlicher Alterungsprozesse.
Jede Frau sollte gemeinsam mit ihrer Gynäkologin oder ihrem Gynäkologen, die Vor- und Nachteile künstlicher Hormone eingehend besprechen. Ist eine Hormonbehandlung medizinisch sinnvoll, vielleicht sogar nötig wie nach einer Gebärmutterentfernung oder bei vorzeitiger Menopause? Gibt es Alternativen? Zu bedenken ist auch, dass eine Hormontherapie langfristig angelegt ist.







