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Blasenstörung

Reizblase – Training und Medikamente können helfen

Plötzlich auftretender Harndrang, Krämpfe und Unterleibsschmerzen sind typische Beschwerden einer Reizblase. Besserung können Blasentraining, Arzneimittel und Entspannungstechniken bringen.

Eine Reizblase hat meist mehrere Ursachen

Während der Wechseljahre wird der Begriff „Reizblase“ für viele Frauen zu einem Reizwort. Denn die für diese Blasenstörung kennzeichnenden Beschwerden wie vermehrter, oft überfallartig auftretender Harndrang sowie Krämpfe und Schmerzen im Unterleib, können die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Besonders belastend wird es für die an einer Reizblase leidenden Frauen, wenn sie Angst davor entwickeln, es nicht rechtzeitig zur nächsten Toilette zu schaffen.

Viele Betroffene schweigen aus Scham über ihre Reizblase, dabei lässt sich die Blasenstörung oft bessern. Dies erfordert aber etwas Geduld, denn eine Reizblase sei „immer ein mehrdimensionales Syndrom“, erklärt die Urologin Dr. Barbara Sinner. Neben den hormonellen Veränderungen im Laufe der Wechseljahre könnten Blasenentzündungen oder ein schwaches Bindegewebe ebenso eine Rolle spielen wie eine starke seelische Anspannung. All dies muss ein Arzt bei der Diagnose berücksichtigen.

Trink- und Toilettengewohnheiten geben wichtige Hinweise für die Therapie

Da die ärztlichen Untersuchungen in der Regel keine eindeutigen Ursachen für eine Reizblase ergeben, muss sich die Therapie darauf beschränken, die Symptome zu lindern. Bei der Suche nach der individuell passenden Behandlung hilft ganz wesentlich ein sogenanntes Miktionstagebuch. „Das ist wirklich das A und O für eine Therapieeinleitung. Ohne ein Miktionstagebuch hat die Behandlung keine Basis", erklärt Prof. Dr. Daniela Schultz-Lampel, Leiterin des Kontinenzzentrums Südwest/Kliniken Schwenningen. Je sorgfältiger die Patientin ihre Trink- und Toilettengewohnheiten protokolliert, umso genauer kann sich der behandelnde Urologe ein Bild machen. Dafür notiert die Frau eine Zeit lang im Miktionstagebuch, wie viel sie trinkt und um welche Uhrzeit, wann sie aufs WC muss und wie viel Urin sie pro Toilettenbesuch ausscheidet. Auch Symptome wie Schmerzen werden in dem Miktionstagebuch dokumentiert.

Training erhöht das Fassungsvermögen der Blase

Oft verordnet der Arzt erst einmal ein Blasentraining. Denn Menschen mit einer Reizblase gewöhnen sich häufig an, vorsorglich Wasser zu lassen, um nicht vom Harndrang überrascht zu werden. Dieses Verhalten bewirkt jedoch das Gegenteil: Das Fassungsvermögen der Blase sinkt, und die Patientin muss noch öfter austreten. Deshalb empfiehlt Schultz-Lampel bei einem Dranggefühl nicht sofort auf die Toilette zu eilen, sondern den Urin noch einige Zeit zurückzuhalten. „Kneifen Sie den Beckenboden ganz fest zusammen. Das löst einen hemmenden Effekt auf den Schließmuskel der Blase aus“, erklärt sie. So dauere es noch eine ganze Weile, bis wirklich ein WC-Besuch nötig wird. Durch dieses Blasentraining wird das Fassungsvermögen der Blase gesteigert.

Medikamente können die Blasenmuskulatur entspannen

Auch Medikamente können helfen, eine Reizblase zu bessern. Dafür stehen eine Reihe pflanzlicher Arzneimittel, z.B. mit Goldrute, Bärentraubenblättern, Preiselbeeren, Rosmarinblättern oder Tausendgüldenkraut, zur Verfügung, unter denen der Arzt ein für die jeweiligen Symptome passendes Präparat auswählen kann. Zudem gibt es sogenannte Anticholinergika, die die Blasenmuskulatur daran hindern, sich zusammenzuziehen und dadurch den Harndrang auszulösen.

Anti-Stress-Strategien sind oft hilfreich bei einer Reizblase

Zu guter Letzt kann auch das Erlernen einer Entspannungstechnik wie der Progressiven Muskelrelaxation nach Jacobsen oder Autogenes Training dazu beitragen, eine Reizblase in den Griff zu bekommen. Denn bei vielen Frauen macht sich die Erkrankung vor allem bemerkbar, wenn sie unter seelischem Druck stehen, weiß Urologin Sinner. Unter Umständen ist sogar eine Psychotherapie angebracht, bei der die Reizblase-Patientin lernt, neue Lösungsstrategien für belastende Situationen zu finden.


Quelle: Nach Informationen von Prof. Dr. Daniela Schultz-Lampel, Leiterin des Kontinenzzentrums Südwest/Kliniken Schwenningen, der Urologin Dr. Barbara Sinner und des Gynäkologen Dr. Thomas Dossler
Autor: Martina Janning
Stand: Nov 2, 2009


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