Methoden der Zahnmedizin

Zahnsteinentfernung durch Ultraschall

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Patient with Dentist - dental treatment
Getty Images/iStockphoto

Die Zahnsteinentfernung kann durch verschiedene Methoden und basierend auf unterschiedlichen technischen Hilfsmitteln durchgeführt werden. Die Effektivität der Methoden ist insgesamt als ähnlich einzuschätzen. Dennoch gibt es graduelle Unterschiede.

Die herkömmliche Art der Zahnsteinentfernung entspricht der Arbeit mit Handinstrumenten und/oder dem Ultraschall. Das Ziel ist nicht nur die mechanische Reinigung, sondern damit verbunden die Reduktion der subgingivalen Flora. Als Vergleichsbasis dient in der Regel das Ergebnis nach Oberflächenbearbeitung durch Handinstrumente.

Schall- oder Ultraschallsystem für die Zahnsteinentfernung?

Die zentrale Frage bei der Zahnsteinentfernung lautete lange Zeit: Sind die neuen technischen Möglichkeiten effektiver als das Handscaling? Dieser Frage wurde in zahlreichen Untersuchungen nachgegangen. Mittlerweile sehen Wissenschaftler das Ergebnis sämtlicher Methoden im Großen und Ganzen als gleichwertig an. Dennoch eignen sich die unterschiedlichen technischen Ansätze für verschiedene Indikationen. Die schallgetriebenen Scaler arbeiten mit einer Frequenz von bis zu 8000 Hz. Während bei den Ultraschallscalern Schwingungen mit einer Frequenz von 20.000 bis 45.000 Hz erzeugt werden. Bei den Ultraschallscalern kann man zusätzlich eine Einteilung in magnetostriktive und piezoelektrische vornehmen (Petersilka, GJ. et al.: Schall- und Ultraschallscaler in der Parodontitistherapie. Wissenschaftliche Stellungnahme der DGZMK. Stand 1/2005). Ein Vorteil der Schallscalern ist in einem größeren Schutz des Saumepithels zu sehen. Die Gefahr einer Überhitzung des Gewebes und damit einer Schädigung in der Tasche ist wesentlich geringer.

Vergleich von magnetostriktiver und piezoelektrischer Methode

Piezoelektrische Ultraschallscaler arbeiten bei der Zahnsteinentfernung mit Quarzkristallen. Über eine angelegte Wechselspannung wird schlussendlich eine Schwingungsbewegung von linearer Art erzeugt. Bei der magnetostriktiven Methode kann über ein magnetisches Material eine ellipsoide bis kreisförmige Bewegung der Arbeitsspitze erzeugt werden. In einer dänischen Studie wurde die Effizienz beider Systeme miteinander verglichen. Dabei wurde auch der Einfluss auf die Oberflächentextur beurteilt. Mit dem piezoelektrischen Ultraschallscaler konnte bei der Zahnsteinentfernung in kürzerer Zeit das gleiche Ergebnis erzielt werden wie mit dem magnetostriktiven Gerät. Bei letzterem war jedoch die Oberflächenrauheit geringer. Grundsätzlich ließ sich mit beiden Methoden gleich viel Zahnstein entfernen (Busslinger, A. et al.: A comparative in vitro study of a magnetostrictive and a piezoelectric ultrasonic scaling instrument. J Clin Periodontol (2001); 28: 642–649). Im Vergleich zur Instrumentierung mit Handinstrumenten war mit beiden Geräten ein Zeitgewinn zu verzeichnen. Die Oberflächenbeschaffenheit ist nach der Zahnsteinentfernung jedoch deutlich rauer, wenn Scaler verwendet wurden. Dennoch kann durch diesen Umstand auch auf einen geringeren Substanzabtrag geschlossen werden. Dies entspricht einer neuen Prämisse. Es wird nach neueren Untersuchungen und Verständnis über die Regeneration des parodontalen Gewebes der Erhalt möglichst vieler desmodontaler Zellen befürwortet. Es ist weniger wichtig für die Heilung, ob die Oberfläche rau oder glatt ist, als viel mehr, dass möglichst viele intakte Zellen des desmodontalen Faserapparates erhalten bleiben und eine vollständige Widerherstellung angestrebt werden kann.

Vector und Laser

Beim Vector handelt es ebenfalls um eine Ultraschallmethode für die Zahnsteinentfernung. Dabei findet eine Umlenkung von horizontalen Schwingungen in vertikale Bewegungen statt. Zusätzlich wird ein Kavitationseffekt am Arbeitsende diskutiert. In einer Untersuchung der Universität Bonn konnte keine Verbesserung des Wirkungsgrades im Vergleich zu Handinstrumenten und herkömmlichen Ultraschallgeräten festgestellt werden. Die Effektivität der Methode der Zahnsteinentfernung lag unterhalb der beiden letztgenannten. Es wurde jedoch weniger Oberfläche abgetragen (Hartschen, J. et al.: Int Poster J Dent Oral Med (2002); Vol 4 Nr 3: Poster 132). Bei der Laseranwendung ist die Feed-back-Ablation wichtig. Es findet eine permanente Rückkopplung zur Laseraktivität von der gerade behandelten Wurzeloberfläche statt. Nur so können Schäden am Parodont vermieden werden. Diese Methode der Zahnsteinentfernung ist in der Praxis jedoch noch nicht weit verbreitet.

Autor: Springer Medizin
Letzte Aktualisierung: 27. Juni 2007
Quellen: Alle Quellen wurden im Text zitiert

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