Bruxismus wird zur Volkskrankheit
Zähneknirschen: Der ganze Körper leidet mit
Viele Knirscher unterschätzen die Folgen von Bruxismus.
Viele Menschen gehören schon zu den Knirschern, produzieren des Nachts unschöne Reibegeräusche. Nach Einschätzung der Deutschen Betriebskrankenkasse DBKK nimmt die Zahl der Betroffenen Jahr für Jahr zu. Bis zu 70 Prozent der Bevölkerung sollen betroffen sein, schätzen die Experten.
Zähneknirschen ist ernst zu nehmen
„Viele Knirscher unterschätzen die Folgen“, weiß Hans-Joachim Scherenhorst, Team-Leiter Zahnärzte bei der DBKK. „Es ist wichtig, das Zähneknirschen ernst zu nehmen und möglichst schnell geeignete Gegenmaßnahmen zu ergreifen.“ Denn die Folgen der nächtlichen Kauattacken können tiefgreifend sein. Der ganze Körper leidet mit.
Denn das Aufeinanderreiben der Zahnreihen zerstört nicht nur den Zahnschmelz und reibt die Kauflächen ab, es führt auch zu Zahnfleischentzündungen, lockeren Zähne und einem schmerzenden Kiefergelenk.
Bruxismus kann auch Kopfschmerz und Migräne verursachen
Die nächtliche Überbeanspruchung des Kiefers hat auf Dauer sogar weitergehende Auswirkungen: Kopfschmerzen, Migräne, Tagesmüdigkeit, Konzentrationsprobleme, Muskelverspannungen im Kopf-, Kiefer-, Nacken- und Rückenbereich und Ohrenschmerzen bis hin zum Tinnitus sind nur einige der auffälligsten Probleme, mit denen Knirscher täglich kämpfen. An sich sind das alles typische Stress-Symptome. Und genau in diesem Zusammenhang ist auch das Zähneknirschen zu sehen: Unbewusst arbeiten die Betroffenen ihre Probleme und die Anspannung des Tages damit ab.
Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass wir bei Stress vermehrt mit den Zähnen knirschen. Wichtig ist aber, möglichst schnell den Gründen auf die Spur zu kommen, bevor das Problem sich festsetzt. Niemand kann heute Stress komplett aus seinem Leben verbannen, jeder kann aber lernen, mit ihm umzugehen. Entspannungsmethoden wie Yoga, Tai-Chi oder Autogenes Training helfen dabei und lassen sich gezielt trainieren. Das Kursangebot in Sportschulen und Volkshochschulen ist riesig.
Erster Ansprechpartner: Der Zahnarzt
Der erste, typische Behandlungsschritt beim Bruxismus erfolgt beim Zahnarzt. Er prüft, ob das Gebiss schon Schäden hat von der enormen Druckbelastung, mit der die Kiefer die Zahnreihen aufeinanderreiben. Dann wird er zum Schutz der Zähne eine Aufbiss-Schiene aus Kunststoff, die nachts getragen wird, angefertigen. Die meisten Krankenkassen übernehmen die Kosten.
Mit Bio-Feedback gegen Zähneknirschen
Eine neue Therapiemöglichkeit nennt sich Grindcare. Sie beruht auf der sogenannten Bio-Feedback-Technologie: Eine Elektrode, nachts an die Schläfe des Knirschers geklebt, erkennt die Bewegungsmuster der Kiefermuskulatur,die das Zähneknirschen verursachen. Die Elektrode kommuniziert drahtlos mit einem kleinen Aufzeichnungsgerät, das auf dem Nachttisch abgelegt wird. Registriert das Aufzeichnungsgerät das entsprechende Bewegungsmuster der Kiefermuskulatur, sendet die Elektrode einen sehr schwachen,nicht spürbaren elektrischen Impuls (Bio-Feedback). Dieser kleine Impuls sorgt einerseits für Entspannung in den Kiefermuskeln und gleichzeitig für das Erlernen eines Reflexes, der das Knirschen mindern soll.
Eine Studie zeigte, dass das Knirschen durch diese neue Methode nach einer Woche um 30 Prozent und nach weiteren zwei Wochen um gut 50 Prozent gemindert werden konnte. Die Patienten berichteten zudem von einem tiefen, erholsamen Schlaf.
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