Milliardenprojekt
US-Präsident lässt Gehirn kartieren
Rund drei Milliarden US-Dollar pumpt Barack Obama in die „Brain Activity Map“. Die Karte soll detailliert über die Funktionsweise des menschlichen Gehirns Aufschluss geben – ein Jahrhundertprojekt.
Das Humangenom-Projekt hielt die Welt in Atem: 13 lange Jahre arbeiteten Forscher aus gut 40 Ländern daran mit. 2003 konnten sie endlich verkünden: Das über drei Millionen Basenpaare umfassende Erbgut, der Bauplan des Menschen, war entziffert.
Jetzt wartet die nächste Mammutaufgabe auf Wissenschaftler, die sich ihrer annehmen. Die Funktion des menschlichen Gehirns gibt noch immer unzählige Rätsel auf: Welche Wege nehmen unsere Gedanken und Träume, wie entstehen Geisteskrankheiten und das Bewusstsein, warum werden Menschen zu Mördern?
Endlich Alzheimer und Autismus verstehen
Diese Mysterien soll die „Brain Activity Map“ lösen, wie die „New York Times“ („NYT“) berichtet. Die Karte soll die Abläufe im Denkorgan detailgetreu abbilden. Die daran beteiligten Forscher erhoffen sich von dem Projekt vor allem Eines: Ein tieferes Verständnis von Krankheiten wie Parkinson, Alzheimer, Schizophrenie und Autismus. Die Kartierung soll außerdem die Entwicklung künstlicher Intelligenz vorantreiben.
Das Projekt ist enorm ehrgeizig: Schätzungsweise hundert Milliarden Nervenzellen vernetzen sich zum Gehirn. Den Weg der Reizleitung oder Zuständigkeitsbereiche des Denkens und Fühlens in diesem komplexen Netz genau einzugrenzen, ist bislang schlicht unmöglich. Auch gilt die Kartierung des Gehirns noch als weitaus schwieriger als das Genomprojekt – einfach weil das Ziel des neuen Projekts nicht so klar umrissen ist.
Milliardenförderung und Google-Mithilfe
Deshalb gibt der vermutlich mächtigste Mann der Welt nun jede Menge Geld dafür frei. Wissenschaftler hoffen laut dem Bericht der „New York Times“ auf 300 Millionen US-Dollar Förderung pro Jahr. Auf den Projektzeitraum von zehn Jahren gerechnet ergibt das eine Gesamtsumme von drei Milliarden. Das könnte sich trotz allem wirtschaftlich lohnen: Jeder Dollar, der in das Humangenomprojekt investiert wurde, floss 140-fach wieder zurück, hat Obama vorgerechnet.
Den Grundstein für die lückenlose Erforschung legten US-Forscher schon im Juni mit einer Studie, die im Fachjournal „Neuron“ erschien. Es gelang ihnen etwa, winzige Molekül-Vehikel als Sensoren einzusetzen. Nichtinvasiv stellten die Forscher so Abläufe im Gehirn dar. Als Speichermedium für die Informationen benutzten sie die Erbsubstanz DNA.
Im Januar kamen Regierungsorganisationen und Neurowissenschaftler zusammen, um die technischen Grenzen des Projekts auszuloten. Schließlich fällt bei der Mammut-Aufgabe Hirnkartierung jede Menge Daten-Material an. Mitarbeiter der Software-Firmen Microsoft, Google und Qualcomm besuchten das Treffen nach „NYT“-Informationen ebenfalls – und kamen zu dem Schluss: „Yes, we can.“
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