Alternative zu Medikamenten
Flugangst: Verhaltenstherapie hilft
Als Alternative zur medikamentösen Behandlung bietet sich die Verhaltenstherapie an: Sie weist sehr unterschiedliche Intensitäten auf und orientiert sich an den Formen der Flugangst.
Konditionierte Flugangst
Herbert B. leidet unter konditionierter Flugangst. Er sollte einen Verhaltenstherapeuten aufsuchen. Hier kann er im Gespräch die angstauslösende Situation in seiner Fantasie immer wieder durchleben und nachverarbeiten, solange bis das Trauma sich aufgelöst hat. Manchmal, weiß Prof. Iver Hand, reichen schon zwei Sitzungen. Auch hypnotherapeutische Techniken können sinnvoll sein, wenn die Erinnerung an das Schockerlebnis sehr stark verdrängt wurde.
Gefahr: Angst vor den Gefahren des Fliegens
Arnim N. sollte einen Kurs bei einer Fluggesellschaft belegen. Der Angst vor den Gefahren des Fliegens, ausgelöst durch Unfallnachrichten, ist am sinnvollsten mit Informationen beizukommen. Die Lufthansa etwa bietet Kurse an, in denen die Absolventen in einem Flugsimulator die Flugsituation durchleben können.
Entmündigungssyndrom
Auch bei Menschen, die unter dem Entmündigungssyndrom leiden, kann die Verhaltenstherapie helfen. Daniel B. klärt am sinnvollsten im Gespräch mit einem Therapeuten die Angst auslösende Situation. Er sollte überlegen, ob es ähnliche Situationen gibt, in denen er sich ausgeliefert fühlt. In einer tiefer gehenden Therapie durchforstet er die Stationen seines Lebens, um einem Auslöser für seine Angst auf die Spur zu kommen. Durch den Dialog mit dem Therapeuten findet der Patient selbst die Antwort.
Klaustrophobie
Wer an Klaustrophobie leidet wie Martin M., findet Hilfe in einer situationsbezogenen Therapie. Der Betroffene setzt sich in Begleitung des Therapeuten Angst erregenden Situationen aus, zum Beispiel U-Bahn-Fahrten mitten durch die Stadt. Diese Angst erregenden Situationen verlieren so ihre Bedrohlichkeit.
Herztod-Phobie
Ludger L. muß die Angst vor der Angst verlieren. Es gibt spezielle Therapien für Herztodphobiker. Im Gespräch klären Arzt und Patient die Ursache für das überzogene Sicherheitsbedürfnis. In praktischen Übungen mit dem Therapeuten erlebt Ludger L. Situationen (eine Fahrt über Land), in der die Angst vor dem plötzlichen Herztod hochkriecht. Gelangt er mehrmals wohlbehalten nach Hause, relativiert sich allmählich die Angst.
Pseudo-Flugphobie
Für Edgar D. ist nicht das Fliegen das Problem. Er ist ein Pseudo-Flugphobiker. Am besten findet er im Gespräch mit einem Verhaltenstherapeuten zunächst einmal die angstauslösende Situation heraus. Diese kann beispielsweise in einem vermeintlichen Mobbing der Kollegen begründet sein oder in einer häuslichen Krise. Ist diese Situation verarbeitet, ist meist auch die Flugangst verschwunden.
Panikmanagement
Für alle Angsttypen praktikabel: Das Panikmanagement-Training in drei Phasen:
- Phase: Der Patient lässt seine Angst zu, kämpft nicht gegen sie an.
- Phase: Die Angst wird weder beschönigt ("eigentlich ist das gar nicht so schlimm") noch dramatisiert ("meine Angst frisst mich auf").
- Phase: Der Patient beobachtet die Entwicklung seiner Angst. Er registriert die Phasen und lernt so, damit umzugehen.
Bei acht von zehn Patienten, weiß Professor Iver Hand, die in der akuten Situation dieses Training praktizieren, verschwindet die Angst nach zwei bis 20 Minuten. Um der Panik bereits im Vorfeld vorzubeugen, empfehlen sich Entspannungsmethoden wie Autogenes Training, tiefes und bewusstes Atmen oder Muskelan- und -entspannung nach Jacobson. Diese sind allerdings in der akuten Panikattacke nicht mehr hilfreich.
Adressen
Phobien und Angstzustände sind als Krankheit im Sinne der Reichsversicherungs-Ordnung (RVO) anerkannt. Die Krankenkassen führen Adresslisten mit Namen von behandelnden Therapeuten. Universitätskliniken bieten Angstambulanzen an, in denen akute Angstzustände therapiert werden. Die Lufthansa bietet Informationskurse an, um die Flugangst abzubauen.
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