Blasenschwäche bei Kindern

Schulung in Kleingruppen erfolgreich gegen Einnässen

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Inkontinenz bei Kleinkindern kann mit Gruppenschulungen
Getty Images/BananaStock RF

Kinder mit Blasenschwäche, bei denen andere Behandlungsansätze nicht den gewünschten Erfolg bringen, können von Gruppenschulungen profitieren, so aktuelle Erkenntnisse. Hier kann auch die Psyche profitieren.

Das nächtliche Einnässen (Enuresis nocturna) ist bei Kindern ein häufiges Phänomen. So sind etwa fünfzehn Prozent der Fünfjährigen vom nächtlichen Einnässen betroffen, bei den Jugendlichen sind es ungefähr ein bis zwei Prozent. Aber auch das Einnässen am Tag – bedingt durch kindliche Blasenschwäche - ist keine Seltenheit. Eine Blasenschwäche kommt bei zwei bis drei Prozent der sieben Jahre alten Kinder und bei einem Prozent der Jugendlichen vor.

Herkömmliche Behandlungsansätze bei kindlicher Blasenschwäche

Für die verschiedenen Arten des Einnässens gibt es wirksame Behandlungsansätze, wobei die Urotherapie und die medikamentöse Therapie die Kernbereiche bilden.

Unter Urotherapie versteht man alle Therapieformen des Einnässens, die ohne Medikamente oder operative Eingriffe auskommen. Damit kommen unter anderem folgende, meist miteinander kombinierte Maßnahmen im Rahmen der Urotherapie zum Einsatz:

  • Information und Demystifizierung des Einnässens
  • Veränderung der Trinkgewohnheiten (Trinkpläne)
  • Toilettenpläne, Toilettengänge nach der Uhr (Toilettentraining)
  • Spezielle Sitzpositionen beim Toilettengang („Kutschersitz“ zur Entspannung der Beckenbodenmuskulatur)
  • Stuhlregulation/ Behebung einer möglicherweise vorliegenden Verstopfung
  • Beckenbodentraining
  • Alarmsysteme (zum Beispiel Klingelhosen, die auf Feuchtigkeit reagieren)

In manchen Fällen ist auch eine medikamentöse Therapie zusätzlich zur Urotherapie angezeigt. So kann beispielsweise bei alleinigem Bettnässen ein auf hormoneller Basis wirksames Medikament (Ausgleich des Mangels an ADH, einem körpereigenen Hormon) eingesetzt werden. Bei der kindlichen überaktiven Blase stehen sogenannte Blasenpasmolytika zur Verfügung. Welches Medikament im individuellen Fall und für welche Behandlungsdauer in Frage kommt, sollte dabei mit dem behandelnden Arzt geklärt werden.

Therapieresistenz: Wenn die Behandlung nicht anschlägt

Auch wenn die genannten Maßnahmen in der Regel bei Einnässen gute Erfolge erzielen können, besteht bei manchen einnässenden Kindern eine sogenannte Therapieresistenz. Das heißt, die betroffenen Kinder leiden trotz der angewendeten Maßnahmen an dauerhaft anhaltendem (chronischem) Einnässen oder das Einnässen tritt erneut auf. Das kann das Alltagsleben der betroffenen Kinder deutlich beeinflussen, schließlich besteht hier in der Regel ein hoher Leidensdruck. Auch das Selbstwertgefühl kann beeinträchtig sein, man will das Problem am liebsten unter den Teppich kehren. Das kann sich auch auf die Therapie auswirken: Denn das Kind zieht sich dann zurück und ist häufig an weiteren Behandlungen nicht interessiert.

Kindern mit chronischem Einnässen helfen

Wie kann nun diesen Kindern geholfen werden? Dazu entwickelten Ärzte vom Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg an der Saar ein Konzept zur Gruppenschulung. Denn in einigen Untersuchungen hatte sich eine Blasenschulung bewährt. Zudem gingen die Forscher davon aus, dass eine Schulung in Kleingruppen von Vorteil sein kann, meistens erfolgt die Urotherapie als Einzeltherapie. Eine Gruppentherapie bietet den Kindern jedoch die Möglichkeit, Gleichaltrige mit ähnlichen Problemen zu treffen und sich auszutauschen. Dadurch merken sie, dass sie nicht allein dastehen. Zusammen lassen sich zudem vermutlich leichter Wege zum Trockenwerden finden. In einer Untersuchung überprüften die Ärzte nun ihr Konzept.

Gruppenschulung auf dem Prüfstand

In ihre Studie hatten sie 19 Jungen und zwölf Mädchen im Alter zwischen sechs und 14 Jahren eingeschlossen, die bereits verschiedene Therapien erfolglos hinter sich hatten. Sie litten an Enuresis mit und ohne Einnässen tagsüber oder nur an Einnässen tagsüber. Bei zwölf Kindern trat zusätzlich Einkoten auf. Zudem zeigten die Kinder psychische Auffälligkeiten wie Aufmerksamkeits-, Verhaltens- oder emotionale Störungen.

Die kleinen Patienten nahmen an einer Blasenschulung in Kleingruppen von drei bis vier Kindern gleichen Alters und Geschlechts teil. Die Schulung bestand aus sechswöchentlichen Treffen, die anderthalb Stunden dauerten und sich aus sechs Einheiten zusammensetzte. Themen waren unter anderem Anatomie der Harnorgane, Stressverarbeitung, Gefühlserleben, Trink- und Toilettenschulung oder Entspannungsübungen. Zum Beispiel durch Hausaufgaben der Kinder waren auch die Eltern aktiv an der Therapie beteiligt. Die Eltern füllten vor und drei Monate nach der Schulung Fragebögen zum Einnässen und zur Psyche ihres Nachwuchses aus.

Fazit: Gemeinsam gegen Inkontinenz

Am Ende hatte sich das nächtliche Einnässen bei zehn der davon betroffenen 23 Kinder deutlich gebessert oder sie waren geheilt. Von 25 Kindern mit Einnässen tagsüber reduzierte sich das Einnässen bei zwölf Kindern deutlich oder ging nahezu komplett zurück. Das Einkoten sank erheblich beziehungsweise verschwand bei sechs der zwölf betroffenen Kinder. Weiterhin stellten die Eltern fest, dass sich die psychischen Auffälligkeiten (zum Beispiel sozialer Rückzug oder ängstlich-depressive Stimmung) bei ihrem Nachwuchs teilweise deutlich besserten. Weiterhin waren die meisten Eltern mit der Behandlung zufrieden.

Insgesamt, so das Fazit der Autoren, kann die Blasenschulung in Kleingruppen bei Kindern mit therapieresistenter Inkontinenz nachts und/oder tagsüber das Einnässen zumindest reduzieren und auch psychische Begleiterscheinungen verbessern.

Autor: aks
Letzte Aktualisierung: 01. November 2011
Durch: rs
Quellen: Sambach, H. u. a.: Therapieresistente Harninkontinenz und Enuresis – Gruppenblasenschulung. Monatsschr Kinderheilkd 2011; 159: 565–571 Schultz-Lampel, D. u. a.: Einnässen beim Kind. Dtsch Ärztebl 2011; 108: 613-620

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