Reiseimpfungen

Typhus, Cholera und Reisedurchfall

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Typhus und Cholera: Übertragung über infizierte Nahrungsmittel
Getty Images/iStockphoto

Typhus (Salmonella typhi) wird über infizierte Nahrungsmittel und durch Schmierinfektionen von Personen im akuten Krankheitsstadium übertragen. Die Übertragung von Cholera (Vibrio cholerae) erfolgt durch die Aufnahme infizierter Nahrungsmittel und Trinkwasser.

Typhus

Salmonella typhi, der Erreger des Typhus abdominalis („Bauchtyphus“), wird über infizierte Nahrungsmittel und durch Schmierinfektionen von Personen im akuten Krankheitsstadium übertragen. Die Erkrankung kommt weltweit gehäuft in Entwicklungsländern vor. Das Infektionsrisiko für Reisende wird in Hochrisikogebieten (zum Beispiel indischer Subkontinent) auf 1:30 000 geschätzt.

Impfstoffe: Seit vielen Jahren steht eine Schluckimpfung gegen Typhus und Cholera zur Verfügung. Da es sich um einen bakteriellen Lebendimpfstoff* handelt, sollte die Impfung nicht mit einer Antibiotikatherapie oder einer Malariaprophylaxe kombiniert werden. Alternativ stehen für Typhus zwei Totimpfstoffe* (inaktivierte, parenterale Typhus-Impfstoffe), die in die Muskulatur oder unter die Haut appliziert werden können, zur Verfügung. Für Erwachsene und Kinder ab dem vollendeten zweiten Lebensjahr ist eine einmalige Impfdosis erforderlich. Die parenterale Impfung ist aufgrund der Schutzrate, Schutzdauer und Verträglichkeit zu bevorzugen.

Für folgende Personen wird eine Typhus-Impfung empfohlen:

  • Personen, die unter einfachen Bedingungen in Länder mit unzureichendem Hygienestandard reisen
  • Reisende, die sich längere Zeit in Endemiegebieten und/oder in Dörfern aufhalten
  • Reisende, bei denen ein Mangel an Magensäure besteht

Cholera und Reisedurchfall

Die Übertragung von Vibrio cholerae, dem Erreger der Cholera, erfolgt, anders als bei Typhus, durch die Aufnahme infizierter Nahrungsmittel (vor allem roher Fisch, Meeresfrüchte) sowie durch infiziertes Trinkwasser. Die Zeit zwischen der Infektion und dem Ausbruch der Erkrankung beträgt wenige Stunden bis zu zehn Tagen (meist zwei bis drei Tage). Cholera ist durch schwerste Durchfälle mit hohen Wasser- und Salzverlusten (bis zu 30 reiswasserartige Stühle/Tag) charakterisiert. Als Folge können Kreislaufbeschwerden, Auszehrung und schließlich Schock und Koma auftreten. Die Erkrankung ist weltweit verbreitet. Nennenswerte Ausbrüche sind jedoch auf Länder mit niedrigem Lebensstandard und Hygieneniveau begrenzt. Die Zahl von Cholerafällen bei Reisenden ist verschwindend gering. Freiwillige in Gesundheitsprojekten und bei der Katastrophenhilfe mögen einem größeren Risiko ausgesetzt sein.

Indikation: Cholera-Impfbescheinigungen werden derzeit von keinem Land mehr verlangt. Die Indikation zur ETEC-Reisediarrhö-Impfung kann bei Reisenden bestehen, die in hochendemische Gebiete reisen und das Risiko für Durchfall reduzieren wollen.

Impfstoff: Insgesamt werden zwei Dosen oral (Schluckimpfung!) im Abstand von mehr als einer Woche appliziert. Der Impfstoff gegen Cholera schützt, anders als der gegen Typhus, auch vor ETEC-Reisediarrhö. Es kann ein kurzzeitiger Schutz von sechs bis zwölf Monaten vor ETEC-Reisediarrhö in circa 70 Prozent der Fälle beziehungsweise vor Reisediarrhö allgemein in bis zu 50 Prozent der Fälle erwartet werden.

Eine Auffrischimpfung nach zwei Jahren führt zu einem Langzeitschutz gegen Cholera.

Für folgende Risikogruppen wird eine Cholera-Impfung empfohlen:

  • Reisende mit längeren Aufenthalten in Endemiegebieten unter schlechten hygienischen Zuständen
  • Reisende, bei denen ein Magensäuremangel vorliegt
  • Medizinisches Personal, das mit Cholerapatienten arbeitet

Glossar

Lebendimpfstoffe: Unter dem Begriff Lebendimpfstoffe versteht man Impfungen mit lebenden, aber abgeschwächten „harmlosen“ Erregern. Bei Menschen mit einem weitgehend funktionskräftigen Abwehrsystem kommt es dabei zu einer milden – meist kaum wahrnehmbaren – Impferkrankung, die dann ausreichend vor der „echten“ Erkrankung schützt.

Totimpfstoffe: Unter dem Begriff Totimpfstoffe versteht man Impfungen mit abgetöteten Krankheitskeimen oder mit Teilen dieser Keime. Eine echte Infektion kommt nicht mehr zustande, die Auseinandersetzung mit diesem Keimmaterial führt aber zur Ausbildung eines ausreichenden Impfschutzes.

Autor: PD Dr. Tomas Jelinek / Von der Lifeline-Redaktion für Patienten überarbeitet
Letzte Aktualisierung: 21. Oktober 2010
Quellen: MMW, Fortschritte der Medizin Nr. 47/19. November 2009: 32

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