Reiseimpfungen

FSME, Japanische Enzephalitis, Tollwut

FSME-Japanische Enzephalitis-Tollwut
FSME, Japanische Enzephalitis, Tollwut: Impfungen können schützen
(C) 2009 Jupiterimages

FSME wird durch Zecken, die Japanische Enzephalitis durch Mücken und Tollwut durch Bisse von Hunden, Affen oder anderen Tieren. Alle drei Krankheiten können tödlich sein.

FSME

Die europäische Frühjahr-Sommer-Meningoenzephalitis (FSME) und die russische Variante „Russian Spring Summer Encephalitis“ (RSSE) werden durch eng verwandte Flaviviren hervorgerufen. Die Übertragung findet durch Zecken statt.

FSME kommt in Skandinavien, West- und Zentraleuropa sowie in Staaten der ehemaligen Sowjetunion vor. Hoch ist die Anzahl der FSME-Inzidenz* im Süden Deutschlands, in Österreich, Estland, Lettland, Tschechien, der Slowakei, Ungarn, Polen, der Schweiz, Russland, der Ukraine, Weißrussland, Slowenien und Kroatien. Das individuelle Risiko hängt wesentlich vom Ausmaß der Aktivitäten im Wald ab. Daher wird eine Impfung bei entsprechenden Outdooraktivitäten in Risikogebieten empfohlen.

Impfstoffe: Die in Europa erhältlichen FSME-Impfstoffe schützen zuverlässig gegen alle FSME-Varianten, auch gegen die RSSE. Bei Erwachsenen wird der inaktivierte FSME-Impfstoff in den Deltamuskel (M. deltoideus) injiziert, mit zweimaliger Wiederholung nach ein bis drei Monaten und nach neun bis zwölf Monaten. Das Intervall zwischen der ersten und zweiten Dosis kann auf 14 Tage reduziert werden. Auffrischimpfungen mit 0,5 ml sollten alle fünf bis zehn Jahre erfolgen.

Japanische Enzephalitis (Japanische Gehirnentzündung)

Die Japanische Enzephalitis (JE) ist eine durch Mücken übertragene Virusinfektion, die ausschließlich in Asien vorkommt. Sie ist weltweit die häufigste Ursache viraler Enzephalitiden und in vielen ländlichen Regionen Asiens ein ernstes Gesundheitsproblem. Hauptsächlich tritt sie in der Nähe landwirtschaftlicher Betriebe auf, da Reisfelder ideale Brutplätze und Nutztiere ein wichtiges Virusreservoir für die Mücken darstellen. Die Japanische Enzephalitis ist eine der ernstesten Enzephalitisformen mit einer Sterblichkeit von ca. 30 Prozent und einer hohen Rate von bleibenden Schäden (Residualschäden) bei den Überlebenden.

Indikation: Die Impfung gegen die Japanische Enzephalitis kommt für alle Reisenden infrage, die einen Aufenthalt in Endemiegebieten Asiens planen (vor allem China, Vietnam, Laos, Thailand, Malaysia, Kambodscha, Myanmar (Burma), Bangladesch, Indien, Nepal, Sri Lanka, Philippinen, Indonesien, Timor, Papua-Neuguinea).

Impfstoffe: Bis Anfang 2009 wurde in Westeuropa ein Totimpfstoff mit nur befriedigender Immunogenität* („Wirksamkeit“) importiert. Mit der Zulassung eines in Europa produzierten Zellkulturimpfstoffes im Mai 2009 hat sich die Situation deutlich verbessert. Dieser zeigt in den Zulassungsstudien deutliche Vorteile bei der Immunogenität und Reaktogenität* („Verträglichkeit“) im Vergleich zu den älteren Impfstoffen gegen Japanische Enzephalitis.

Der Impfstoff ist bisher ausschließlich für Erwachsene zugelassen. Appliziert wird der Impfstoff intramuskulär, mit einer Wiederholung an Tag 28. Nach der zweiten Dosis ist mit einer Schutzwirkung von ein bis zwei Jahren zu rechnen. Bei einer dritten Impfung innerhalb dieser Zeit verlängert sich der Impfschutz vermutlich auf mindestens vier, eher zehn Jahre.

Tollwut (Rabies)

Die Übertragung von Tollwut erfolgt meist durch Hundebiss, zunehmend jedoch auch durch andere Spezies, zum Beispiel Fledermaus, Waschbär, Affe etc. Die Symptome können schon nach vier Tagen oder erst nach sieben Jahren auftreten. In der klassischen Form ist die Erkrankung zu 100 Prozent tödlich, sowohl für Menschen als auch für Tiere. Die WHO geht von jährlich mindestens 60 000 Todesfällen durch Tollwut aus, davon 30 000 allein in Indien.

Die Häufigkeit von Tierbissen, bei denen eine Tollwutübertragung möglich wäre, beträgt bei Ausländern in Südostasien zwei Prozent jährlich. Die zeitnahe Verfügbarkeit von Impfstoffen nach einem möglichen Kontakt mit Tollwuterregern (postexpositionelle Tollwutbehandlung) in den Endemiegebieten wird häufig überschätzt. In vielen Entwicklungsländern stehen nur ältere Impfstoffe zur Verfügung, die eine erhebliche Neurokomplikationsrate aufweisen, und auf Seren wird gänzlich verzichtet. Deshalb kann die präexpositionelle (vorbeugende) Tollwut-Impfung für Reisende in Risikogebiete sehr wichtig sein. Abhängig von der lokalen epidemiologischen Situation sollte eine präexpositionelle Tollwut-Impfung bei den unten aufgeführten Personen erwogen werden.

Impfstoffe: In Deutschland stehen gut verträgliche Totimpfstoffe zur Verfügung, die an den Tagen null, sieben, 21 (oder 28) verabreicht werden. Auffrischimpfungen sollten laut der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation nach einem Jahr erfolgen.

Für folgende Risikogruppen wird eine Tollwut-Impfung empfohlen:

  • Laborpersonal, das mit tollwutinfiziertem Material arbeitet
  • Personen, die aufgrund ihrer Arbeit in endemischen Tollwutgebieten besonders gefährdet sind (Tierärzte, Zoologen)
  • Medizinisches Personal, das in engen Kontakt mit tollwutinfizierten Patienten kommt
  • Personen, die sich längere Zeit in Gebieten aufhalten, in denen Tollwut heimisch ist und in denen nicht anzunehmen ist, dass Immunglobulin oder ein Impfstoff zugänglich ist oder die nächste Impfstelle ein bis zwei Tagesreisen entfernt liegt
  • Kinder, die sich in Gebieten mit endemischer Tollwut aufhalten

Glossar

Inzidenz: Anzahl der Neuerkrankungen

Immunogenität: Beschreibt die Fähigkeit eines Antigens (z.B. Fremdeiweiße von Bakterien oder Viren), eine Antwort des Abwehrsystems und damit Immunität herbeizuführen.

Reaktogenität: Beschreibt das Risiko für mögliche Nebenwirkungen eines Impfstoffes.

Autor: PD Dr. Tomas Jelinek / Von der Lifeline-Redaktion für Patienten überarbeitet
Letzte Aktualisierung: 21. Oktober 2010
Quellen: MMW, Fortschritte der Medizin Nr. 47/19. November 2009: 32

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