Raucherzähne geraten schneller ins Wackeln
"Den Zusammenhang zwischen Rauchen und Lungenkrebs sehen viele. Dass Tabak auch die Zähne schädigt, ist weniger bekannt", meint Dr. Kurt Gerritz vom Freien Verband Deutscher Zahnärzte. Tabakkonsumenten haben ein stark erhöhtes Risiko an einer Parodontitis zu erkranken. Die Folge: Die Zähne werden beweglicher, verändern ihre Stellung und fallen häufig sogar aus.
Bei einer Parodontitis - sprich Entzündung des Zahnbetts - ist der gesamte Zahnhalteapparat angegriffen. Oft reichen schon zehn Zigaretten pro Tag, um das Parodontitis-Risiko stark zu erhöhen, sagt Gerritz. Dies bestätigt eine Auswertung von rund 13.000 Bevölkerungsdaten in den USA: Wer weniger als eine halbe Packung am Tag raucht, hat ein 3fach höheres Risiko als ein Nichtraucher, an einer Entzündung des Zahnhalteapparates zu erkranken. Bei einem täglichen Konsum von 1,5 Packungen steigt die Gefahr sogar auf das Sechsfache, heißt es in der Fachzeitschrift Journal of Periodontology.
Bei Rauchern ist die Durchblutung im Mund gestört
Die Parodontitis entsteht aus einer Zahnfleischentzündung (Gingivitis). Bei Rauchern kommt es relativ leicht zu einer Gingivitis, da der Tabakkonsum das Immunsystem beeinträchtigt: Bakterien haben es somit oft leichter, sich anzusiedeln. Vor allem verschlechtert Rauchen aber die Durchblutung im Mundraum. Das Zahnfleisch wird anfälliger für Infekte, da es nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt wird. Verantwortlich für die Durchblutungsstörungen sind Inhaltsstoffe des Tabaks, die zu Gefäßablagerungen führen. Diese Ablagerungen finden sich bei Rauchern auch in anderen Gefäßen, etwa des Herzens oder der Beine. Doch machen sie sich im Mundraum sehr früh bemerkbar: Die Arterien sind hier viel feiner und verengen schneller durch Ablagerungen. Der Zahnarzt ist somit oft der erste, der bei einem Patienten die Folgen des Rauchens entdeckt, sagt Gerritz.
Zahnfleischentzündung oft unauffällig
Wenn der Patient den Arzt wegen einer Gingivitis aufsucht, ist die Entzündung oft schon in Richtung Zahnbett fortgeschritten. "Das normale Anzeichen für eine Entzündung ist, dass das Zahnfleisch rot wird, schmerzt und anschwillt. Raucher haben aber häufig blasseres Zahnfleisch als Nichtraucher, selbst dann, wenn es entzündet ist. Dadurch ist es schwieriger, die Entzündung rechtzeitig festzustellen", schreibt Lena Persson vom Institut für Zahnheilkunde des Karolinska Krankenhauses in Stockholm (Schweden). Dass das Zahnfleisch von Rauchern eher blass ist, führt Persson ebenfalls auf Durchblutungsstörungen im Mundraum zurück. Die Parodontitis wird bei Rauchern meistens nicht nur später erkannt: Sie ist in vielen Fällen auch viel ausgeprägter als bei Nichtrauchern. Doch niemand muss den Kopf in den Sand stecken: Ein Rauchstopp verringert das Parodontitis-Risiko schon nach wenigen Wochen messbar, heißt es bei der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Hamburg. Und die Wissenschaftler der großen US-Bevölkerungsstudie kommen zu dem Schluss: Elf Jahre nach der Raucherentwöhnung ist die Gefahr, dass die Zähne ins Wackeln geraten, so gering wie bei einem Nichtraucher. Nicht nur der Zähne zuliebe lohnt es sich übrigens, eine Parodontitis zu vermeiden. Zu bedenken ist, dass eine Entzündung des Zahnbettes auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, eine chronische Bronchitis, einen Schlaganfall und Frühgeburten begünstigt.
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