Gefährliche Assoziationen

Parodontitis und allgemeine Gesundheit (Teil II)

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Close-up of a woman flossing her teeth
(c) Stockbyte

Die orale und allgemeine Gesundheit sind eng miteinander verknüpft – eine Erkenntnis die in den vergangenen Jahren zunehmend an Beachtung gewann. Hier Teil II der Übersicht aktueller Studien, in denen Assoziationen zwischen allgemeiner Gesundheit und Parodontitis untersucht wurden.

Zunehmend werden bei der Erforschung von gleichzeitigen Erkrankungen orale bzw. dentale Faktoren berücksichtigt. Chronische entzündliche Erkrankungen wie die Parodontitis rücken dabei vermehrt in den Fokus. Hier Teil II der Übersicht über neueste Studienergebnisse zu Parodontitis.

Parodontitis & Bauchspeicheldrüsentumore

Rauchende Männer, die im fortgeschrittenen Alter einen hohen Zahnverlust aufweisen, haben ein deutlich höheres Risiko, an Bauchspeicheldrüsenkrebs zu erkranken, als gleichaltrige Geschlechtsgenossen mit besserem Dentalstatus. Zu diesem Ergebnis kamen US-amerikanische Wissenschaftler in einer prospektiven Studie (Stolzenberg-Solomon RZ et al.: Tooth loss, pancreatic cancer, and Helicobacter pylori. American Journal of Clinical Nutrition (2003) 78:176-181). Sie werteten hierfür die Daten der finnischen Alpha-Tocopherol, Beta-Caroten Cancer Prevention-(ATBC)-Studie aus. Insgesamt konnten die Forscher auf die ATCB-Studiendaten von 29.104 männlichen Rauchern im Alter von 50 bis 69 Jahren zurückgreifen, die zwischen 1985 bis 1997 beobachtet wurden. In der Studiengruppe entwickelten 174 Teilnehmer im Laufe des Beobachtungszeitraumes einen Bauchspeicheldrüsentumor. In Bezug auf die Parodontitis und die allgemeine Gesundheit zeigte sich: Das Risiko von männlichen Rauchern, an Bauchspeicheldrüsenkrebs zu erkranken, steht im direkten Zusammenhang zum Ausmaß des Zahnverlustes. Männliche Raucher, die keine Zähne mehr hatten, wiesen ein 63 Prozent höheres Tumorrisiko auf, als Geschlechtsgenossen, die maximal zehn Zähne verloren hatten (p=0,02). Keinen signifikanten Zusammenhang konnten die Wissenschaftler hingegen zwischen dem Nachweis von Helicobacter pylori und dentalen Krankheitsverläufen ausmachen. Als eine Erklärung für diese Korrelation führen die Forscher die Hypothese an, wonach sich das Ausmaß bakterieller Belastung mit Bauchspeicheldrüsentumoren verbindet. Die Magenbakterien wandeln Nitrite und Nitrate in Nitrosamine um, deren krebserregende Wirkung hinlänglich bekannt ist. Gestützt seien die Ergebnisse von anderen Studien, die zeigten, dass eine gute Mundhygiene das Risiko für oralen und Speiseröhren-Krebs senken kann.

Parodontitis & Rauchen

Tabakkonsum verschlechtert nicht nur die Gesundheit im Allgemeinen, sondern erhöht das Risiko für Parodontitis – dies haben zahlreiche Studien in der Vergangenheit eindrücklich belegt. Eine neuere Studie hat nach den Gründen diesen klaren Zusammenhängen geforscht (Sönmez, S et al.: Quantitative Evaluation of the Vasculature an Fibronectin Localization in Gingival Connective Tissue of Smokers an Non-Smokers. Journal of Parodontology 17 (2003):822-830). Diese beruhen scheinbar nicht auf einer veränderten Oberflächendichte der Gefäße oder einer reduzierten Gefäßanzahl. Auch der Fibronektin-Gehalt im parodontalen Gewebe von Rauchern ist nicht signifikant verändert. Untersucht wurden 74 erwachsene Probanden mit Parodontitis im Alter von 35 bis 59, 38 davon Raucher. Neben dem Rauchverhalten notierten die Wissenschaftler parodontale Parameter wie Taschentiefe (PD) und Papillärer Blutungs-Index (PBI). Anhand von Biopsien wurde die Verbreitung von Fibronektin sowie der Grad der Vaskularisierung durch die Anzahl der gingivalen Mikrogefäße und die Oberflächendichte der Gefäße ermittelt. Die durchschnittlichen Werte der Vaskularisierung zeigten keine signifikanten Unterschiede. Auch PD und PBI unterschieden sich in beiden Gruppen nicht relevant. Auch der Fibronektin-Gehalt variierte in beiden Gruppen nicht mit Signifikanz. Weder die Dauer des Tabakkonsums, noch die Marke des gerauchten Tabaks hatten einen Einfluss auf die Werte.

Parodontitis & Stress

Stress-Situationen haben einen ungünstigen Einfluss auf den Verlauf marginaler Parodontitis, so das Ergebnis einer Untersuchung der Universität Mainz (Krahwinkel T et al: Zusammenhang zwischen Stressparametern und Parodontopathie. Quintessenz. 2003;54(2):169-77). Bei der Beantwortung eines Stress-Fragenkataloges ergaben sich statistisch signifikante Unterschiede zwischen Patienten mit chronischer Parodontitis und Kontrollpersonen mit normaler Gesundheit des Mundraums. Im Fragenkomplex A („Persönliche Angaben") gab es bei fast allen Items statistisch signifikante Unterschiede (p 0,05). Im Fragenkomplex B („Privates Umfeld und Familie") wurde die Frage nach dem Verlust eines Menschen signifikant unterschiedlich beantwortet (p 0,05). Der Fragenkomplex C („Beruf/Ruhestand") erzielte schließlich bei allen Fragen statistisch auffällige Unterschiede (p 0,05). Bei dem Stress-Fragenkatalog handelte es sich um einen modifizierten Fragebogen nach der Züricher Lebensereignis-Liste, der wesentliche Stress auslösende Faktoren des alltäglichen Lebens erfasste.

An der Studie nahmen 120 Patienten aus der Parodontalsprechstunde der Universitätszahnklinik Mainz teil, die entweder eine lokalisierte (< 30 Prozent betroffene Zahnflächen) oder generalisierte (> 30 Prozent) Form der chronischen Parodontitis aufwiesen. Als Kontrolle dienten 122 freiwillige ambulante Patienten der dortigen Schmerzambulanz, mit normaler Mund- und Zahn-Gesundheit. Die Studienärzte führten bei allen Teilnehmern eine umfassende zahnärztliche Untersuchung einschließlich Erhebung des DMF-T-Index durch und bewerteten den parodontalen Zustand mit Hilfe des Community Periodontal Index of Treatment Needs (CPITN). Ob der Zusammenhang zwischen Stressfaktoren und Parodontitis ausschließlich auf mangelnde Mundhygiene, veränderte Verhaltensweisen, genetische Komponenten oder Störungen des Immunsystems zurückzuführen ist, muss künftig detaillierter untersucht werden, so die Autoren. Die Daten stützen den Ansatz, die Parodontitis als das Ergebnis einer komplexen Wechselwirkung vieler Faktoren zu betrachten.

Autor: Springer Medizin
Veröffentlicht am: 13. Juni 2007
Letzte Aktualisierung: 23. November 2011
Quellen: Alle Studien sind im Text genannt

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