Adipositas-Operation: Nachsorge & Fazit
Die chronische Erkrankung Adipositas und ihre Folge- und Begleiterkrankungen werden durch die Operation nachhaltiger positiv beeinflusst als durch eindimensionale Strategien. Die nötige Nachsorge sollte fachübergreifend erfolgen.
Die nötige Nachsorge einer Adipositas-Operation sollte fachübergreifend erfolgen. Eine ideale Kooperation kann zum Beispiel zwischen chirurgischem Zentrum und diabetologischer oder ernährungsmedizinischer Schwerpunktpraxis aufgebaut werden. Die rechtzeitige Einbeziehung von Psychosomatikern, Psychiatern oder Psychologen bei Hinweis auf eine seelische Begleiterkrankung bzw. Veränderung bestehender Erkrankungen ist wichtig und muss gewährleistet sein (beispielsweise bei bereits bekannter Binge-Eating-Störung*), um auch im Verlauf der Gewichtsreduktion jederzeit helfen zu können. Selbsthilfegruppen sind hier ein wesentliches Instrument und sollten von den Zentren unterstützt werden.
Die chronische Erkrankung Adipositas und ihre Folge- und Begleiterkrankungen (Komorbiditäten) werden durch eine Operation nachhaltiger positiv beeinflusst als durch eindimensionale Strategien – solange die Nachsorge nicht außer Acht gelassen wird. Die SOS-Studie zum Beispiel belegte einen deutlich positiven Effekt auf Lebenserwartung und Komorbidität. Dieser Zusammenhang besteht bereits vor der Geburt eines Kindes: Kinder übergewichtiger Schwangerer haben ein wesentlich höheres Risiko, selbst adipös zu werden und an einem Typ-2-Diabetes zu erkranken. Ein klug gewählter chirurgischer Eingriff mit nachfolgender Gewichtsreduktion vor Eintritt der Schwangerschaft reduziert diese Gefahr.
Allerdings erfordert eine Adipositas auch nach einer erfolgreichen Operation in der Nachsorge eine lebenslange fachübergreifende Therapie. Eine Heilung im klassischen Sinn kann die Chirurgie nicht bieten. Es gibt aber die Chance auf langfristig bessere Gesundheit mit höherer Lebensqualität und niedrigerem Invaliditätsrisiko. Bei adipösen Patienten mit einer Bluthochdruckerkrankung (Hypertonie) bessert sich der Blutdruck in bis zu 75 Prozent der Fälle. Ein Typ-2-Diabetes kann in 50 bis 100 Prozent der Fälle verschwinden, das Risiko für Diabetes-Folgeerkrankungen sinkt stark. Die aktualisierte S3-Leitlinie zur Adipositas-Operation bildet diese Inhalte ab und ist die Grundlage für eine strukturierte Bekämpfung der Übergewichtsepidemie inklusive Nachsorge hierzulande. Sie ergänzt und erweitert das bereits vorhandene Therapieangebot von Ernährungsmedizinern, Diabetes-, Hormon- und Herzspezialisten. Die Zusammenarbeit unterschiedlicher Fachgruppen sollte dabei innerhalb von Netzwerken oder Adipositaszentren erfolgen. Die Einbindung der interventionellen beziehungsweise chirurgischen Therapie in integrierte Versorgungskonzepte oder Disease-Management-Programme ist bislang aber noch nicht in ausreichendem Umfang erfolgt. Dass dies jedoch möglich ist, zeigen die von der American Diabetes Association definierten Standards der Therapie bei Diabetes. Sie beinhalten bereits die explizite Empfehlung, chirurgische Verfahren bei Typ-2-Diabetes und einem BMI* von größer oder gleich 35 besonders dann zu erwägen, wenn konservative Verfahren nicht greifen.
Glossar
Binge-Eating-Störung: Wiederkehrende Heißhunger- bzw. Essanfälle mit Verlust der bewussten Kontrolle über das Essverhalten. Da das Gegessene (anders als bei der Bulimie) in der Regel nicht erbrochen wird, nehmen viele Betroffene langfristig deutlich zu.
BMI: Der Body-Maß-Index (BMI), auch Körpermasseindex (KMI), ist eine Maßzahl für die Bewertung der Körpermasse eines Menschen. Er berechnet sich aus dem Körpergewicht [kg] dividiert durch das Quadrat der Körpergröße [m2].
Und noch mehr ...
Wie lässt sich Magersucht heilen?
Die Magersucht ist eine psychosomatische Erkrankung, deren Ursachen in den Tiefen der Seele liegen.... mehr...
Schlüsselloch-Operation bei Adipositas
Sogenannte Schlüssellochoperationen – eine moderne minimal-invasive Operation, die besonders gewebs-... mehr...

