Vorteile, Risiken und Kosten

Im Vergleich: Hormonspirale, Kupferspirale und Pille

Mit der Hormonspirale wird anders verhütet als mit Kupferspirale und Pille. Welche Methode ist besser? Wir vergleichen Wirkung, Sicherheit, Vorteile, mögliche Nebenwirkungen, Risiken und natürlich die Kosten der drei Verhütungsmethoden.

Frau in den Wechseljahren beim Arztgespräch
Pille, Kupfer- oder Hormonspirale? Alle Methoden verhüten ähnlich sicher, sie wirken jedoch sehr unterschiedlich. Welche Methode geeignet ist, sollten Frauen mit dem Arzt oder der Ärztin besprechen.
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Äußerlich sind Kupferspirale und Hormonspirale ganz ähnlich, im Wirkprinzip jedoch völlig unterschiedlich: Während die Kupferspirale mithilfe von Kupferionen verhütet, verhindert die Hormonspirale eine Schwangerschaft  lokal durch Hormone. Mit der Pille wird auch hormonell verhütet – jedoch ebenfalls auf eine andere Art.  Daraus ergeben sich Vor- und Nachteile für unterschiedliche Anwenderinnen.

Kupferspirale oder Hormonspirale?

Die Kupferspirale besteht aus einem Plastikstück in T-Form, das mit einem feinen Kupferdraht umwickelt ist. Nach dem Einsetzen in die Gebärmutterhöhle gibt die Kupferspirale allmählich Kupferionen frei. Diese hemmen die Beweglichkeit der Spermien, sodass die Befruchtung der Eizelle während des Geschlechtsverkehrs erschwert wird.

Gleichzeitig wird durch die kupferhaltige Spirale eine leichte Entzündung der Gebärmutterschleimhaut ausgelöst. Diese ist nicht schädlich, da sie nicht durch Krankheitserreger hervorgerufen wird. Sie verhindert aber das Einnisten der Eizelle, falls doch eine Befruchtung stattgefunden hat.

Rein äußerlich ähnelt die Hormonspirale der Kupferspirale. Sie hat ebenfalls eine T-Form und sitzt nach Einlegen und Entfalten der beiden „Ärmchen“ fest in der Gebärmutterhöhle.

Allerdings enthält die Hormonspirale in ihrem Inneren einen Zylinder, in dem sich ein Depot mit dem Wirkstoff Levonorgestrel befindet – ein Hormon, das dem natürlichen Gelbkörperhormon Progesteron ähnelt. Levonorgestrel wird nach dem Einlegen der Spirale kontinuierlich in geringen Mengen freigesetzt und entfaltet seine Wirkung daher hauptsächlich lokal, also unmittelbar in der Gebärmutter. Es verdickt den natürlicherweise vorkommenden Schleimpfropf im Gebärmutterhals und verhindert dadurch das Eindringen der Spermien in die Gebärmutterhöhle.

Gleichzeitig verringert es die Aktivität der Spermien und behindert den zyklusbedingten Aufbau der Gebärmutterschleimhaut, sodass sich die Eizelle im Falle einer Befruchtung nicht einnisten kann.

Wie sicher sind Kupfer- und Hormonspirale?

Beide Spiralen sind sichere Verhütungsmittel, die Sicherheit der Hormonspirale ist dabei noch höher als der der Kupferspirale.

Der Pearl-Index der Kupferspirale liegt bei 0,9 bis 3,0, das heißt etwa neun bis 30 Frauen von 1000 werden also pro Jahr ungewollt schwanger, obwohl sie die Kupferspirale benutzt haben. Bei der Hormonspirale liegt der Pearl-Index im ersten Jahr bei 0,2. Etwa zwei von 1000 Anwenderinnen der Hormonspirale werden in diesem Zeitraum ungewollt schwanger.

Vorteile und Nachteile der Kupferspirale

Vor allem in den ersten drei bis sechs Monaten kann es bei der Kupferspirale häufiger zu Blutungsstörungen mit Zwischenblutungen, Regelschmerzen und verlängerter und verstärkter Monatsblutung kommen. Darüber hinaus besteht ein erhöhtes Risiko für Entzündungen der Eileiter und des kleinen Beckens.

Den Hormonhaushalt des Körpers beeinflusst die Kupferspirale nicht, deshalb treten auch keine hormonell bedingten Nebenwirkungen auf. Das sexuelle Verlangen, die sogenannte Libido, wird durch die Kupferspirale nicht beeinflusst. Außerdem können Frauen mit Kinderwunsch nach dem Entfernen der Spirale sofort wieder schwanger werden.

Vorteile und Nachteile der Hormonspirale

Bei der Hormonspirale wird die Monatsblutung meist schwächer, kürzer und weniger schmerzhaft. Bei einigen Anwenderinnen bleibt sie nach einer Weile sogar ganz aus, was gesundheitlich unbedenklich ist.

Die Hormonspirale ist mit einem geringeren Risiko für Entzündungen verbunden als die Kupferspirale. Es wird sogar vermutet, dass die Hormonspirale durch die Verdickung des Schleimpfropfs im Gebärmutterhals indirekt vor einer Infektion schützt.

Da das freigesetzte Hormon Levonorgestrel vorwiegend lokal in der Gebärmutter wirkt, greift auch die Hormonspirale kaum in den normalen Hormonzyklus ein. Deshalb ist eine Schwangerschaft wie bei der Kupferspirale auch sofort nach dem Entfernen wieder möglich.

Besonders in der Anfangsphase nach dem Einlegen können Nebenwirkungen wie Zwischen- und Schmierblutungen, Bauchschmerzen, Akne, Rückenschmerzen, Spannungen in der Brust, Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen, Übelkeit oder Wassereinlagerungen (Ödeme) auftreten. In der Regel verschwinden diese Beschwerden aber spätestens nach wenigen Monaten wieder.

Verhütung auf lange Sicht mit der Spirale

Beide Spiralen sind lang wirksame und unkomplizierte Verhütungsmethoden. Frauen, die sie anwenden, müssen nicht mehr täglich an die Verhütung denken. Die Kupferspirale muss etwa nach drei bis fünf Jahren entfernt beziehungsweise ausgetauscht werden, die Hormonspirale nach fünf Jahren.

Kosten für Kupferspirale und Hormonspirale

Was die Kosten angeht, so ist die Kupferspirale etwas günstiger. Sie kostet inklusive Beratung und Einsetzen zwischen 120 und 300 Euro. Bei der Hormonspirale müssen Frauen etwa zwischen 250 und 400 Euro rechnen. Den Unterschied macht die hormonspirale jedoch mit einer längeren Liegezeit (fünf Jahre) gegenüber der Kupfervariante (zwischen drei und fünf Jahren) wieder wett.

Das Einlegen und Entfernen ist bei beiden Spiralen in den allermeisten Fällen unproblematisch und erfolgt durch den Frauenarzt. Beide Spiralen eignen sich beispielsweise für Frauen, die pillenmüde geworden sind oder keine Einnahmefehler riskieren wollen.

Darüber hinaus können sowohl die Hormon- als auch die Kupferspirale nach der Geburt eines Kindes, noch während der Stillzeit eingelegt werden. Allerdings sollte eine Frist von etwa sechs bis acht Wochen abgewartet werden, damit sich die Gebärmutter wieder zurückbildet. Stillen ist sowohl bei der Hormon- als auch bei der Kupferspirale möglich.

Hormonspirale oder Pille zur Verhütung?

Pille und HormonspiraleHormonspirale gehören zu den hormonellen Verhütungsmitteln. Sie wenden jedoch Hormone in unterschiedlicher Konzentration und Zusammensetzung an und unterscheiden sich auch in ihrer Wirkweise. Daher ergeben sich jeweils Vorteile für bestimmte Nutzerinnen.

Hormonelle Verhütung, aber auf unterschiedliche Weise

Antibabypillen sind Kombinationspräparate. Sie enthalten jeweils ein Östrogen und ein Gestagen. Durch die gezielte Einnahme der beiden Hormone wird der hormonelle Regelkreis des Körpers so beeinflusst, dass Reifung und Entwicklung der Eizellen in den Eierstöcken gestört sind und ein Eisprung nicht erfolgen kann. Auf diese Weise wird verhindert, dass eine Befruchtung, also die Vereinigung der männlichen Samenzelle mit der Eizelle, stattfindet. Dies ist das wichtigste Wirkprinzip der Pille.

Die Hormonspirale beeinflusst den Hormonkreislauf des Körpers hingegen kaum, der Eisprung findet in der Regel statt. Die wichtigsten Wirkmechanismen der Hormonspirale sind einerseits die Verdickung des Schleims im Gebärmutterhals, was ein Vordringen der Spermien in die Gebärmutter verhindert, und andererseits der verminderte Aufbau der Gebärmutterschleimhaut durch die kontinuierliche Abgabe des Hormons Levonorgestrel. Letzteres macht das Einnisten einer befruchteten Eizelle unmöglich, falls doch einmal eine Befruchtung stattgefunden hat. Die beiden genannten Wirkmechanismen der Hormonspirale spielen zwar auch bei der Pille eine Rolle, sie finden hier aber nicht in dem Maße statt wie bei der Hormonspirale, die ihr Gestagen Levonorgestrel kontinuierlich und direkt in die Gebärmutter freisetzt.

Der Zyklus bei Pille und Hormonspirale

Da die kontinuierliche Freisetzung des Hormons Levonorgestrel im Falle der Hormonspirale den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut vermindert, blutet entsprechend weniger ab. Davon können zum Beispiel Frauen mit übermäßig starker Blutung profitieren. Bei einigen Frauen führt dies dazu, dass die Blutung nach einiger Zeit der Anwendung der Hormonspirale ganz ausbleibt. Der Zyklus läuft trotzdem unverändert ab, auch ein negativer Effekt auf die Fruchtbarkeit nach Absetzen der Verhütung ist nicht zu befürchten.

Von der Pille können wiederum Frauen mit zum Beispiel unregelmäßigen Blutungen profitieren, da die Pille den „Zyklus“ reguliert.

Für welche Frauen ist die Hormonspirale geeignet? Lesen Sie hier mehr dazu.

Pille oder Spirale: Was ist risikovoller?

Hormonelle Verhütungsmittel können mit einem gewissen Risiko behaftet sein. So gilt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Thrombose unter Anwendung hormoneller Verhütungsmittel als erhöht. Wie hoch dieses Risiko letztlich ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel von den enthaltenen Hormonen und der Art und Weise, wie sie angewendet werden. Hier unterscheiden sich Hormonspirale und Pille.

Die Pille wird eingenommen. Dies bedeutet, dass die Hormone über den Magen-Darm-Trakt in den Blutkreislauf gelangen und im ganzen Körper verfügbar sind.

Pille und Medikamente

Die Sicherheit der Pille kann durch verschiedene Medikamente beeinträchtigt sein. Dazu gehören unter anderem Antiepileptika (Mittel gegen Epilepsie), bestimmte Cholesterinsenker, Johanniskrautpräparate oder HIV-Medikamente. Auch die Einnahme von Antibiotika kann die Verhütungssicherheit beeinträchtigen. Denn diese Arzneimittel führen zu einem gesteigerten Abbau der eingenommen Verhütungshormone und senken so deren Konzentration im Blutkreislauf.

Auch bei weiteren hormonellen Verhütungsmitteln, die über den Blutkreis wirken, besteht das Risiko für die beschriebenen Wechselwirkungen.

Die Hormonspirale zeichnet sich dagegen durch ein vorwiegend lokales Wirkprinzip aus. Sie setzt ihr Hormon kontinuierlich in die Gebärmutter frei, wo es direkt seine Wirkung entfaltet. Auf diese Weise sind nur sehr geringe Hormonkonzentrationen nötig.

Nur ein geringer Teil des freigesetzten Levonorgestrels wird über die Schleimhaut ins Blut aufgenommen. Dadurch verringert sich, verglichen mit der Pille, das Risiko für die genannten Nebenwirkungen. Auch Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind nicht bekannt.

Östrogenfreie Verhütung in der Stillzeit ein Muss

In der Stillzeit dürfen östrogenhaltige Verhütungsmittel wie Pille, Vaginalring oder Verhütungspflaster nicht angewendet werden, da sie Milchproduktion und Milchzusammensetzung verändern können. Auch hier bietet sich etwa die Hormonspirale an. Ihr Gestagen beeinflusst die Milchbildung nicht und ermöglicht darüber hinaus sicheren Langzeitschutz, ohne in der ersten aufregenden, aber auch stressigen Zeit mit dem Baby täglich an die Verhütung denken zu müssen.

Individuelle Voraussetzungen entscheiden

Daraus lässt sich jedoch nicht schließen, dass die Hormonspirale per se die bessere Verhütungsmethode sei. Das Risiko für Nebenwirkungen wird stark beeinflusst durch die individuellen Risikofaktoren, die bei der Frau bestehen. Junge gesunde Frauen und Mädchen, bei denen keine Herz-Kreislauf-Risiken vorliegen - dazu gehört auch das Rauchen -, können daher problemlos die Pille anwenden. In dieser Altersgruppe gilt die Pille bei Abwesenheit von Risikofaktoren sogar als Verhütungsmittel der ersten Wahl.

Mit fortschreitendem Alter treten bestimmte Risikofaktoren wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte, ein gesteigertes Thromboserisiko oder Diabetes mellitus jedoch weitaus häufiger auf. Diese Risiken können sich besonders durch Einnahme der Pille noch verstärken. Für diese Frauen stellt die vorwiegend lokal wirksame östrogenfreie Hormonspirale oft eine gute Alternative dar.

Mehr zur Verträglichkeit der Hormonspirale lesen Sie hier.

Anwendung: Hormonspirale bequemer

Auch für Frauen mit abgeschlossener Familienplanung kann die Hormonspirale eine gute Alternative zur Pille sein. Einmal eingelegt, kann sie fünf Jahre in der Gebärmutter verbleiben und schützt über diesen Zeitraum sicher vor einer Schwangerschaft, ohne dass die Frau ständig an das Einnehmen denken muss. Einnahmefehler wie bei der Pille spielen keine Rolle.

Was kosten Pille und Spirale?

Wichtig für die Entscheidung für das eine oder andere Verhütungsmittel können auch die Kosten der Verhütung sein. Für Frauen, deren Familienplanung noch nicht sicher abgeschlossen ist, empfiehlt sich die Hormonspirale aus finanzieller Perspektive eher nicht. Nur bei längerer Anwendung, zum Beispiel über fünf Jahre hinweg, lohnt sich der finanzielle Aufwand im Vergleich zur Pille oder anderen Verhütungsmethoden.

Alternativen zur Pille

 

Autor:
Letzte Aktualisierung: 08. Februar 2017
Durch: es
Quellen: Nach Informationen von „Mirena ®. Intrauterinpessar mit Hormonabgabe“, Hrsg. Rote Liste Service GmbH (Stand: August 2007); Leitlinie „Empfängnisverhütung. Familienplanung in Deutschland“, AWMF 015/015 (S1), Hrsg. Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, Deutsche Gesellschaft für gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin, Berufsverband der Frauenärzte (Stand: August 2008)

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